Darmstadt

„Vergessene Darmstädter Juden“

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Der Förderverein Liberale Synagoge startet eine Kampagne für eine Rabbi Bruno Italiener-Gedenktafel. Zudem soll ein Platz nach dem Philosophen Julius Goldstein benannt werden.

Der Förderverein Liberale Synagoge hat eine Kampagne zur Benennung eines Platzes auf dem Innenstadtcampus der Technischen Universität (TU) Darmstadt gestartet. Zudem wirbt der Verein dafür, an der Gedenkstätte zur Erinnerung an die 1938 von den Nazis zerstörte Liberale Synagoge auf dem Gelände des städtischen Klinikums eine Gedenktafel zur Erinnerung an den früheren Rabbiner Bruno Italiener anzubringen. In dem Klinikgebäude selbst, wo sich im Untergeschoss die Ruine der Synagoge befindet, soll nach den Vorstellungen des Vereinsvorsitzenden Martin Frenzel zudem eine Tafel angebracht werden, um Patienten über den Erinnerungsort zu informieren.

An diesem Dienstag, 19. November, wird Frenzel im „Haus der Geschichte“ am Karolinenplatz einen Bildvortrag unter dem Titel „Vergessene Darmstädter Juden – Von den antisemitischen Darmstädter Hep-Hep-Unruhen 1819 über Rabbi Bruno Italiener bis zum Kultur- und Technikphilosophen Professor Dr. Julius Goldstein und dessen Tochter Elsbeth Juda“.

Der Vortrag ist Teil der Aktionswochen gegen Antisemitismus, die in Darmstadt in diesem Jahr zum siebten Mal stattfinden. Der Vortrag erinnert zugleich daran, dass die Gedenkstätte Liberale Synagoge vor zehn Jahren fertiggestellt wurde.

In diesem Jahr steht die Aktionswoche laut Frenzel zudem unter dem Eindruck des antisemitisch-rechtsextremen Anschlags auf die Synagoge in Halle. Doch Frenzel, der auch Herausgeber des Buches „Eine Zierde unserer Stadt“ über die Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Liberalen Synagoge Darmstadts ist, will mit seinem Vortrag auch „ein Stück verdrängter Stadtgeschichte in den Blickpunkt nehmen“.

Frenzel will sich bei der Leitung der TU-Darmstadt dafür einsetzen, einen bislang unbenannten Platz auf dem Innenstadtcampus vor der Hessischen Universitäts- und Landesbibliothek (HULB) nach dem früheren Philosophieprofessor und liberalen Juden Goldstein zu benennen, der erst 1925 – nach jahrelangen antisemitischen Anfeindungen und gegen den Willen der Hochschulleitung – zum Professor für Philosophie ernannt worden war.

Frenzels Vortrag findet im Eckart G. Franz-Saal des Hauses der Geschichte am Karolinenplatz und nicht, wie ursprünglich geplant, im Justus-Liebig-Haus statt. Der Eintritt kostet sechs Euro.

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