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Notfälle können nach Darmstadt seit April 2019 per Hubschrauber tranportiert werden.

Darmstadt

Südhessen: Klinikum Darmstadt ist Anlaufstelle für Schwerstverletzte

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Das Klinikum darf jetzt schwere Unfallverletzungen behandeln. Bundesweit gibt es knapp 100 solcher Kliniken.

Wer bislang in Südhessen einen schweren Arbeitsunfall hatte, wurde zur Behandlung nach Frankfurt, Heidelberg oder Mannheim gebracht. Ab sofort darf auch das Klinikum Darmstadt schwerstverletzte Patienten nach Arbeitsunfällen behandeln.

Wie das Klinikum mitteilte, erteilte die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) im Januar die Zulassung zum Schwerstverletzungsartenverfahren (SAV). Dies hebe die Versorgung in Darmstadt auf die gleiche Stufe wie Berufsgenossenschaftliche Unfallkliniken und Universitätskliniken. „Für Schwerstverletzte in der Region ist es ein Zeitgewinn, der Leben retten kann“, sagt Klinikdezernent und Aufsichtsratsvorsitzender André Schellenberg (CDU). Für das Klinikum sei es „eine Krönung“, denn nur spezielle Krankenhäuser der Akutversorgung dürften schwerstverletzte Patienten nach Arbeitsunfällen behandeln. In ganz Deutschland seien dafür nur knapp 100 Kliniken zugelassen.

Die Klinik rechnet laut Sprecherin Eva Bredow-Cordier mit bis zu 40 betroffenen Patienten im Jahr. Zu den Verletzungen, die in einer entsprechend zugelassenen Klinik behandelt werden dürfen, gehören laut DGUV schwerste Verbrennungen, Rückenmarksverletzungen oder Schädel-Hirn-Verletzungen.

Solche Verletzungen durften zwar bisher schon in Darmstadt behandelt werden, allerdings nicht, wenn es sich um Arbeitsunfälle handelte. Ziel der deutschlandweiten Konzentration von Arbeitsunfällen auf wenige hochqualifizierte Kliniken sei die Steigerung der Behandlungsqualität, sagt der medizinische Geschäftsführer Nawid Khaladj. Michael Wild, an den die Zulassung als verantwortlichem Klinikdirektor der Chirurgischen Klinik II gebunden ist, betonte, man biete „eine allumfassende Versorgung jeglicher Unfallverletzungen unabhängig von der Schwere der Verletzung“. Selbst ein Massenanfall von Verletzten bei Großschadensereignissen könne versorgt werden.

Die Zulassung ist an zahlreiche Vorgaben gebunden. Dazu gehören eine bestimmte Fallzahl in der Becken- und Wirbelsäulenchirurgie, Spezialisierung auf die Versorgung schwerster Handverletzungen sowie die Erfüllung personeller oder räumlicher Anforderungen. Zum Beispiel die Anbindung eines Hubschrauberlandeplatzes in der Nähe von Schockräumen. Einen solchen gibt es in Darmstadt seit April 2019. Seither habe es 62 Landungen gegeben, sagt die Direktorin der Zentralen Notaufnahme, Sabine Jobmann. Mit Bezug des zentralen Neubaus solle in diesem Jahr die notfallmedizinische Versorgung „noch einmal deutlich ausgebaut und modern ausgestattet“ werden.

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