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Schüler der Intensivklasse an der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule erarbeiten die Begriffe Toleranz und Respekt. 

Darmstadt

Südhessen: Fußball im Klassenzimmer

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Neues Programm für Toleranz und Respekt baut auf Fußballregeln auf. Polizeipräsidium Südhessen, Schulamt und SV Darmstadt 98 arbeiten zusammen.

Aus Dieburg kam die Anfrage: Wie können wir der Konfliktlage begegnen, die die Integration von Flüchtlingskindern mit sich bringt? Wie können wir Straftaten vorbeugen? David Weiser, Jugendkoordinator der Polizeidirektion Darmstadt-Dieburg hatte die Idee für ein Präventionsprogramm, dass den Fußball als Kommunikationsinstrument verwendet.

„Die Klarheit des Fußballs wird auf den Klassenraum übertragen“, erklärt Bernhard Lammel, der Präsident des Polizeipräsidiums Südhessen, am Dienstag bei der Präsentation des Angebots in der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule (GCLS) in Ober-Ramstadt. Die Schule war Pilot für das Projekt, das jetzt auf Südhessen ausgedehnt werden soll. Entstanden ist das Gewaltpräventionsprogramm „ToRe“, das in einer Kooperation von Staatlichem Schulamt, Polizei und dem SV Darmstadt 98 bereits an 16 Schulen in und um Darmstadt getestet wurde. Unterstützt wird es vom Netzwerk gegen Gewalt der Hessischen Landesregierung. Das Logo wurde vom ehemaligen Schüler der Peter-Behrens-Schule, Cláudio da Costa, gestaltet,

Das ToRe-Logo. Foto: Polizeipräsidium Südhessen

„ToRe“ steht für Toleranz und Respekt. Beide Begriffe seien im Sport wichtig, sagen die Initiatoren. Auch in einem Fußballteam seien Nationalität und Glauben der Akteure nebensächlich, so Lammel. ToRe verwendet daher Regeln und Begriffe aus dem Fußball: „Der Lehrer wird zum Trainer“, erklärt Weiser, beide seien Respektpersonen mit Erfahrung. Das Lernen für die nächste Klassenarbeit werde zur Taktik, Team bedeute Gemeinschaft, also Erfolg, die Schulsozialarbeit stehe für den Physiotherapeut, zu dem verletzte Spieler müssen und auch die Rote Karte gebe es symbolisch: Etwa wenn der Schiedsrichter (die Polizei) mit eingreifen müsse. „Wichtig ist, dass die Schüler die Begriffe selbst erarbeiten und mit Beispielen belegen“, sagt Weiser.

Auch in der Integrationsklasse von Bianca Marinho gab es öfter Konflikte – „keine gravierenden Situationen“, wie die Lehrerin sagt. Dennoch wollte man präventiv eingreifen. Kaum einer der jungen Migranten zwischen 10 und 16 Jahren habe anfangs Deutsch gesprochen, für viele spielte die Religion eine wichtige Rolle. Mit ToRe habe die Klasse Zusammenhalt gefunden und gemeinsam zunächst die Begriffe Toleranz und Respekt erarbeitet. Dann sei die Polizei zu zwei Impulsvorträgen gekommen. Ebenfalls zum Programm, das für jede Schule individuell und gemeinsam mit einem Schulpsychologen erarbeitet wird, gehörte, dass auch Fußball gespielt wurde. Alte und neue Schüler seien in Teams gemischt worden und hätten sich dabei kennengelernt, berichtet ein 15-jähriger Teilnehmer.

Das Programm

ToRe richtet sich an Schüler der 5. bis 10. Klasse. Bereits zehn Mitarbeiter in den Polizeidirektionen des Polizeipräsidiums Südhessen wurden dafür geschult. Kontakt per E-Mail an: prävention.ppsh@polizei.hessen.de

Der SV Darmstadt 98 will beim Heimspiel am 2. Februar die Kooperation bekanntgeben und unter anderem auch auf Lilien-TV dafür werden. Cka

„Für den Erfolg der Integration ist die Polizei ein wichtiger Partner“, sagt Schulamtsleiter Ralph von Kymmel. Mit der Zuwanderung seien Schulen an die Grenze des Leistbaren gestoßen. Derzeit würden von bislang 1900 Kindern noch 730 in Intensivklassen unterrichtet.

Das Programm eigne sich nicht nur für Integrationsklassen, sondern für alle Schüler, betont GCLS-Schulleiter Dirk Pilgram. Lernen funktioniere nur in einer guten Beziehung. Und ToRe stärke nicht nur die Gemeinschaft innerhalb der Klasse, sondern auch die Beziehung zum Lehrenden.

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