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Zum Lieblingsbild wurde ein Foto gekürt, das einen Detektor zeigt, mit dem am GSI Kernmaterie untersucht wurde. 

Darmstadt

Spitzenforschung in Darmstadt

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Das GSI-Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung besteht seit 50 Jahren. Aus Anlass des Jubiläums zeigt die internationale Forschungseinrichtung in Darmstadt eine Fotoausstellung.

Ein Wäldchen, ein Wegweiser zu einem Bauernladen und ein kleiner Spielplatz: Wer sich im Darmstädter Stadtteil Wixhausen auf den Weg zum GSI-Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung macht, den empfängt zunächst ein Hauch ländlicher Idylle. Doch wer das kleine Wäldchen, durch das die Zufahrtstraße führt, erst einmal passiert hat, der gelangt zu einer Einrichtung, in der seit 50 Jahren internationale Spitzenforschung betrieben wird. Und ganz am östlichen Rand des Areals wird seit 2017 an der weltweit einzigartigen Teilchenbeschleunigeranlage Fair gebaut. Elf Kräne stehen derzeit auf Europas größter Baustelle für eine wissenschaftliche Einrichtung.

Im Dezember 1969 – also vor bald 50 Jahren – wurde die Forschungsstätte gegründet. Zu den Jubiläumsaktivitäten gehören auch zwei besondere Aktionen: Zum einen wurden in einem Wettbewerb die zehn Lieblingsbilder aus fünf Jahrzehnten GSI-Geschichte von fast 500 Menschen ausgewählt. Zum anderen nutzten derzeitige und ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Gelegenheit, ihre persönlichen Erinnerungen an ihre Zeit bei der GSI als kurze Erzählung einzureichen. Die Ergebnisse werden nun unter dem Titel „50 Jahre GSI – Lieblingsbilder und Erinnerungen“ im Foyer des Konferenz- und Bürogebäudes (KBW) von GSI und Fair ausgestellt.

Gegründet wurde die Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) 1969 mit der Absicht, ein zentrales Beschleunigerlaboratorium für Forscher aus der ganzen Welt und die physikalischen Hochschulen zu errichten.

Gesellschafter der GSI sind zu 90 Prozent der Bund. Hessen ist mit acht Prozent, Rheinland-Pfalz und Thüringen zu je einem Prozent beteiligt.

Seit 1970 ist die GSI Teil der AG der Großforschungseinrichtungen, der heutigen Helmholtz-Gemeinschaft.

Etwa 1400 Mitarbeiter sind bei der GSI beschäftigt. 

Die Schau zeigt die von der Belegschaft und von Externen ausgewählten zehn Lieblingsbilder als großformatige Fotoabzüge. Eine Auswahl von zwölf bebilderten Erinnerungen an die GSI wird auf Postern präsentiert. Anlässlich der Eröffnung der Ausstellung am Freitag bezeichnete Forschungsdirektor Karlheinz Langanke die fotografierten technischen Geräte fast schon poetisch als „unsere Kinder“, mit denen „die Geheimnisse des Universums erforscht werden“. Selten werde Technik „so schön dargestellt“, sagte Langanke, der auch davon sprach, dass auf den Bildern „der Spirit einer Familie“ und „der Geist der GSI“ zum Ausdruck komme.

Das Siegerbild der Fotoausstellung stammt vom mehrfach prämierten Bonner Fotografen Thomas Ernsting, der sich auf das Thema Industriefotografie spezialisiert hat. Die Aufnahme zeigt einen speziellen Detektor, der in den 1990er Jahren in Betrieb ging. Dieser „Fopi-Detektor“ wurde nach Angaben von GSI-Sprecherin Carola Pomplun bei der Hochenergieforschung mit dem Teilchenbeschleuniger SIS18 eingesetzt, der Schwerionen bis auf 90 Prozent der Lichtgeschwindigkeit bringen kann. Der Detektor hatte zum Ziel, die heiße, dichte Kernmaterie zu untersuchen, die für sehr kurze Zeit bei einer hochenergetischen Schwerionenkollision entsteht. Die Materie expandiert explosionsartig und sendet dabei zum Teil neu produzierte Teilchen aus. Der Detektor wurde von einer internationalen Kollaboration von 13 Instituten entworfen und bis vor wenigen Jahren bei der GSI betrieben.

Anlässlich des Tags der offenen Tür 2017 entstand das Bild, das auf Platz zwei landete. Es zeigt ein Mädchen, das einen Teil des Linearbeschleunigers inspiziert. Und auch das Foto, das die drittmeisten Stimmen bekam, zeigt das Innenleben eines Detektors, mit dem am GSI heiße, dichte Kernmaterie untersucht wird.

Die Ausstellung „50 Jahre GSI – Lieblingsbilder“ kann bis zum 20. Dezember auch von externen Gästen montags bis freitags zwischen 10 und 16 Uhr besichtigt werden. Das KBW-Foyer ist jedoch nicht direkt zu erreichen. Besucher müssen sich zunächst an der Pforte des GSI/Fair-Campus, Planckstraße 1, melden und sich ausweisen.

Zum Abschluss des diesjährigen Jubiläumsprogramms „50 Jahre GSI/150 Jahre Periodensystem“ hält Forschungsdirektor Langanke am Mittwoch, 11. Dezember, von 14 bis 15 Uhr einen Vortrag über das Thema „Vom Urknall bis heute – 50 Jahre GSI-Forschung auf den Spuren des Universums“.

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