Schwimmen in der Grube – wegen Corona eigentlich verboten.
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Schwimmen in der Grube – wegen Corona eigentlich verboten.

Darmstadt/Bickenbach

Seen in Darmstadt und Umgebung: Schwimmen im Erlensee wieder erlaubt

  • Claudia Kabel
    vonClaudia Kabel
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Wegen der Corona-Pandemie war das Schwimmen am Erlensee bei Bickenbach untersagt - nun soll es wieder möglich sein. Unklar bleibt die Lage an der Grube Prinz von Hessen in Darmstadt.

Update vom 17. Juni, 17.45 Uhr:  Schwimmen im Erlensee in Bickenbach (Kreis Darmstadt-Dieburg) ist ab diesem Freitag (19. Juni) wieder möglich. Das sagte Bürgermeister Markus Hennemann (SPD) der Frankfurter Rundschau. Vor zwei Wochen hatte die Kommune das Baden kurzfristig verboten, weil unklar war, ob der See wie Schwimmbäder und Badeeinrichtungen unter die Corona-Hygienebestimmungen fällt. Tut er nicht, sei nun die Entscheidung aus dem Ministerium gekommen, so Hennemann. Der See sei zwar ein Badegewässer nach EU-Verordnung, aber keine Badeanstalt, da es keinen Betreiber gebe. Das Freizeitgelände wird vor allem vom Pächter, dem Angelsportverein ASV Bickenbach 66, genutzt.

Kommunalpolizei kontrolliert

Die nun verfügte Duldung des Badens stellt die Kommune nun vor eine neue Herausforderung. Denn nun muss die Kommunalpolizei laut Bürgermeister regelmäßig kontrollieren, ob die in der Öffentlichkeit geltenden Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden.  "Wir werden prüfen, wie es sich in den nächsten Tagen entwickelt", so Hennemann. Wenn man merke, dass es nicht klappt, seien Markierungen in Form von Ringen, die im Liegeberiech ausgelegt werden, denkbar.

Grube Prinz von Hessen

Ob das Baden an den anderen Badeseen in der Darmstädter Umgebung demnächst wieder erlaubt ist, ist bislang noch unklar. Auch bei der Grube Prinz von Hessen, an der derzeit der Badebetrieb verboten ist, "liegt aktuell eine unklare Rechtslage mit sich widersprechenden Informationen aus den hessischen Ministerien vor", teilte die Stadt Darmstadt am Mittwoch auf Anfrage mit.  

Auch für die Badestelle Walldorfer See konnte die Stadt Mörfelden-Walldorf (Kreis Groß-Gerau) derzeit "leider noch keine Aussage treffen", wie es am Mittwoch von der Pressestelle hieß.

Ursprungsartikel vom 2. Juni: An die 29 Grad, knallblauer Himmel, die Sonne strahlt auf den Erlensee bei Bickenbach (Landkreis Darmstadt-Dieburg): Nichts kann Lena (8) und Finn (7) noch halten. Lachend, voller Vorfreude, geht’s Richtung Wasser. Der See ist noch kalt und so bleiben sie erst mal am Ufer. Da spielen schon andere Kinder, buddeln im Sand, beschießen sich mit Wasserpistolen. „Abstand halten“, ruft die Mutter vom Strand und erntet seltsame Blicke von den benachbarten Picknickdecken, auf denen sich zahlreiche Leute niedergelassen haben. „Ja, ja“, kommt die lakonische Antwort von Lena und Finn.

Prost Corona: Im Schlauchboot einfach mal abhängen.

Das böse A-Wort haben sie in den vergangenen Wochen oft genug gehört und sie sind ja auch bemüht. Doch was nutzt das, solange die anderen keinen Abstand halten? Ein fremder Junge rennt direkt an ihnen vorbei. Lena springt zur Seite. Abstand halten! Finn schnappt sich unbeeindruckt die Schaufel eines anderen Kindes. „Keine fremden Sachen anfassen!“, ruft die Mutter. Okay, er lässt sie wieder fallen.

Endlich wagt sich Lena bis zum Bauchnabel ins Wasser. Herrlich frisch und laut Experten auch keine Ansteckungsgefahr. Die Wasserfläche ist eigentlich groß genug, so dass sich alle aus dem Weg schwimmen könnten. Theoretisch. Doch da kommen schon drei Kinder mit einer Luftmatratze angepaddelt. Der Vater schiebt sie natürlich genau an Lena vorbei. Inzwischen hat Finn begonnen ein Loch zu buddeln, ein anderer Junge findet das spannend und will ihm unbedingt zur Hand gehen. Wo ist seine Mutter? Warum sagt sie nichts zu ihrem Sohn? Also hin zum fremden Kind. „Weißt du nicht, dass man Abstand halten muss?“ Verständnisloser Blick.

In der Sonne faulenzen ist erlaubt, aber bitte mit Abstand.

„Irgendwann resigniert man“, sagt die Mutter. Soll man jetzt dauernd neben den Kindern stehen und aufpassen? Ein Vater sagt: „Man sieht, dass die Leute bemüht sind, aber es ist einfach utopisch, sobald Kinder dabei sind.“ Aber auch die Erwachsenen hielten sich oft nicht an die Hygieneregeln, gibt eine andere Mutter zu bedenken.

Mit dem Schwimmen und Plantschen im Erlensee ist es aber vorerst vorbei. Ab diesem Mittwoch werden Schilder aufgestellt, die das Baden dort verbieten. Das berichtet der Bürgermeister der Kommune, Markus Hennemann (SPD), der Frankfurter Rundschau. Ob der Erlensee ein Badegewässer ist oder nicht, sei lange ein Streitpunkt in der Gemeinde gewesen. Er werde vor allem vom Pächter, dem Angelsportverein ASV Bickenbach 66, genutzt. Baden sei geduldet gewesen, so Hennemann. Doch jetzt müsse man einen Schritt weitergehen, da das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie den Erlensee als geschlossen ausweise. So wie übrigens alle 63 hessischen Badeseen. Der Aufenthalt in dem Erholungsgebiet werde jedoch weiterhin möglich sein.

Grube Prinz von Hessen: Baden verboten

Das Schild ist eindeutig: Badebetrieb geschlossen.

Auch am Darmstädter Badesee Grube Prinz von Hessen ist das Baden untersagt, der reine Aufenthalt jedoch nicht, solange man sich dabei an die Abstandsregeln hält, wie ein Schild ausweist. Das heißt, in der Sonne schmoren auf wenigen Quadratmetern ja, Abkühlung im sechs Hektar großen Wasser nein. Kann man schwer vermitteln und sorgt deshalb in sozialen Netzwerken auch für Diskussionen.

Hunderte an der Grube

Es gehe darum, dass gar nicht so viele Menschen kämen, wenn das Baden verboten sei, erklärt eine Nutzerin auf Facebook. Am Pfingstwochenende tummelten sich offenbar trotzdem Hunderte Besucher an der Grube – es soll auch geschwommen worden sein. „Wir versuchen verstärkt zu kontrollieren“, sagt der stellvertretende Sprecher der Stadt Daniel Klose der FR. Es könne aber nicht sein, dass man den ganzen Tag Einheiten der Kommunalpolizei hinschicke. Deswegen appelliere man an die „Vernunft und Eigenverantwortung der Bürger“. Gegen Badende in der Grube sei bisher noch kein Bußgeld festgesetzt worden. Laut Klose kontrolliere die Kommunalpolizei dort regelmäßig am Ufer. „Die Abstandregeln werden gut eingehalten, etwaige Verstöße wurden durch Ansprache der Personen gelöst“, so der städtische Sprecher. Die Menschen zeigten sich für die Corona-Regelungen einsichtig.

Finn ist inzwischen im Wasser angelangt. Aber ihm ist es noch zu kalt, deswegen flieht er schnell wieder in den warmen Sand. „Noch ist es ja nicht heiß“, schreibt eine Benutzerin auf Facebook zum Thema, „aber wenn’s dann erst mal richtig warm wird, werden sich die Leute halt andere Abkühlungsstellen suchen“ und dann würden auch Seen besucht werden, an denen schwimmen sowieso verboten sei – weil es zu gefährlich dort ist oder sie in Naturschutzgebieten liegen. Ein andere Nutzer fürchtet: „Leider wird es so ausgehen, dass dieses Jahr auch die in den Rhein steigen, die dafür gänzlich ungeeignet sind.“

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