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Viel Betrieb in der City: Bis 2035 rechnet die Stadt mit 184 000 Einwohnern – das wären 20 000 mehr als heute.

Darmstadt

Das schwierige Wachstum in der „Charmestadt“ Darmstadt

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OB Jochen Partsch spricht beim Neujahrsempfang über Herausforderungen und Chancen der Stadtentwicklung. Die Wälder der Stadt will er erhalten und nicht für Neubaugebiete opfern.

Mehr als 600 Bürgerinnen und Bürger sind am Sonntagmittag einer Einladung der Stadt zum Neujahrsempfang ins Darmstadtium gefolgt. Die Gäste wurden auf der Treppe zum großen Saal des Kongresszentrums von Oberbürgermeister Jochen Partsch, seiner Frau, der Bundestagsabgeordneten Daniela Wagner (beide Grüne) sowie Schornsteinfegern und einer in festlicher Bergmannskleidung erschienenen Delegation der sächsischen Partnerstadt Freiberg begrüßt.

Sven Krüger, der parteilose Oberbürgermeister von Freiberg, überbrachte die Grüße der Partnerstadt. Die Verschwisterung zwischen Darmstadt und Freiberg jährt sich in diesem Jahr zum 30. Mal. Krüger erinnerte an die vielfältige Unterstützung, die die Stadt insbesondere in den ersten Nachwendejahren aus Darmstadt erhalten habe. „Ohne diese Hilfe wäre der Wiederaufbau kommunaler Strukturen viel schwerer geworden; das hat uns fit gemacht“, äußerte Krüger sehr dankbar.

Die Berg- und Silberstadt Freiberg mit der „Montanregion Erzgebirge“ ist 2019 zum Unesco-Welterbe erklärt worden. Krüger überreichte seinem Amtskollegen einen Silberklumpen als Geschenk und bezeichnete diesen als „Glücksbringer, damit Darmstadt es auch schafft“. Im Sommer will die Unesco entscheiden, ob auch die Künstlerkolonie Mathildenhöhe den Welterbetitel erhält.

In seiner mehr als einstündigen Neujahrsansprache widmete sich OB Partsch dann den Herausforderungen und Chancen, die die dynamische Entwicklung der Stadt für den ökologischen Umbau, den sozialen Zusammenhalt und die kulturelle Vielfalt bedeutet. Nachdem die Einwohnerzahl in den vergangenen 25 Jahren um etwa 27 000 Menschen gestiegen sei, rechnet die Stadt bis 2035 mit einem weiteren Zuzug von 20 000 Menschen und einer Einwohnerzahl von dann 184 000 Menschen.

Jochen Partsch , Darmstadts OB, während seiner Rede im Kongresszentrum. 

Mit Verweis auf Margarete Stokowski, die diesjährige Luise-Büchner-Preisträgerin, bezeichnete Partsch die „Schwarmstadt“ Darmstadt wegen ihrer Attraktivität für viele Menschen als „Charmestadt“. Nach der Umnutzung von Flächen etwa im Verlagsviertel, dem Bau von mehreren tausend Wohnungen in der Lincoln-Siedlung, im neu entstehenden Ludwigshöhviertel und auf dem Marienplatz stünde mittelfristig auch die Starkenburgkaserne für den Wohnungsbau zur Verfügung.

Auch wenn es „unsozial“ wäre, nicht auf das Wachstum zu reagieren, weil dies etwa zu einer Verdrängung von ärmeren Menschen führe, legte Partsch ein klares Bekenntnis für den Erhalt des Westwalds und des Walds zwischen der Lincoln-Siedlung und dem Stadtteil Eberstadt ab. Sollte allerdings die Südanbindung des Hauptbahnhofs an die geplante ICE-Trasse beschlossen werden, müssten etliche Bäume gefällt werden. Dies geschehe allerdings auch beim geplanten Ausbau des Autobahnkreuzes.

Man werde das Bevölkerungswachstum nicht fördern, sagte OB Partsch. Er sagte aber auch: „Die Stadt der Zukunft ist schon da.“ Das Wachstum vollziehe sich „weitestgehend im Bestand“, ohne zusätzliche Flächen zu verbrauchen.

Der OB appellierte zugleich an die Bürgerinnen und Bürger, mögliche Konflikte, die sich aus der Entwicklung für den Zusammenhalt der Gesellschaft ergäben, besonnen, geduldig, sachlich sowie in „kommunikativer Vernunft“ anzugehen. Letztlich, so Partsch, müssten jedoch die demokratisch legitimierten Gremien – der Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung – entscheiden und müssten diese Entscheidungen dann auch verantworten.

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