Der Frankfurter Schüler Julian (11) hat bei Techeroes den Roboter programmiert.  
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Der Frankfurter Schüler Julian (11) hat bei Techeroes den Roboter programmiert.

Rhein-Main

Rhein-Main: Roboter kommt in Rathäuser

  • Claudia Kabel
    vonClaudia Kabel
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Eine Aktion des Vereins AI Frankfurt Rhein-Main zeigt die Anwendungsmöglichkeiten von künstlicher Intelligenz. Die Stadt Darmstadt tritt der Initiative bei.

Der Roboter besteht aus einem alten Kaffeeautomaten und einem Motorradhelm mit lustigen Antennen und bunten Gummibällen obendrauf. Im Visier ist eine Kamera integriert. Der Roboter erkennt, ob man lächelt, und spuckt dann Schokoladenbonbons aus. Entwickelt und programmiert haben ihn Kinder zwischen acht und fünfzehn Jahren. Künstliche Intelligenz (KI) kann so einfach sein. „Gebaut haben wir ihn, um in der Corona-Zeit den Menschen ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern“, sagt Rinku Sharma vom Bad Vilbeler Unternehmen Techeroes, das Workshops und Projekte für Kinder anbietet, um sie zu digitaler Selbstständigkeit zu erziehen.

Der Schokoladenspenderroboter, der am Mittwoch auf der Technik- und Jobmesse ITCS in Darmstadt präsentiert wurde, wird ab Herbst durch Rathäuser im Rhein-Main-Gebiet tingeln, um zu demonstrieren, was künstliche Intelligenz ist. Dies geschieht im Auftrag des Vereins AI Frankfurt Rhein-Main (AIF). AI – das steht für Artificial Intelligence, also künstliche Intelligenz.

Die 70 Mitglieder starke Initiative geht auf den ersten runden Tisch „Künstliche Intelligenz“ zurück, zu dem Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) 2018 eingeladen hatte. Der Verein versteht sich als Netzwerk, das Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zusammenbringt. Ziel ist, die Rhein-Main-Region fit für die Anwendung von künstlicher Intelligenz zu machen und den Bürgerinnen und Bürgern die Anwendungsmöglichkeiten und den Nutzen von KI näherzubringen. Laut dem Vorsitzenden Alfred Ermer wird KI unser Leben so stark verändern, wie es etwa die Erfindung der Elektrizität getan hat. Viele Entwicklungen könne man aber noch nicht absehen.

Mitmachen

Die Präsentation des AIF kann auf der erstmals komplett online übertragenen Technik- und Jobbörse ITCS unter www.it-cs.io angeschaut werden.

Infos zum Verein AI Frankfurt Rhein-Main gibt es unter www.ai-frankfurt.de

Kinder von 10 bis 15 Jahren, die in den Sommerferien beim Rathaus-KI-Projekt mitmachen wollen, melden sich bei techeroes.de cka

Nachdem bereits namhafte Institutionen und Firmen aus Darmstadt wie Merck, TU Darmstadt oder Software AG vertreten sind, ist jetzt auch die Stadt Darmstadt dem AIF beigetreten. „Frankfurt und Darmstadt sind ganz wichtige Standorte“, der Schulterschluss sei deshalb begrüßenswert, sagte Ermer.

Michael Waidner, Leiter des in Darmstadt ansässigen Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie, wird künftig im Beirat des Vereins tätig sein. Nach seinen Ausführungen gilt Darmstadt als einer der führenden Informatikstandorte Deutschlands, der über die größte Ballung von KI-Experten verfüge. In Frankfurt befinde sich indes der größte Internetknoten der Welt.

Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) bezeichnete den Beitritt der Stadt als „Selbstverständlichkeit“. KI sei „eine Standortkompetenz, die wir weiterentwickeln müssen“. Sonst werde man nicht in technik- und wissenschaftsbasierten Clustern mithalten können. Als Digitalstadt habe man zudem Erfahrungen gesammelt in der Vermittlung von digitalen Themen in die Bürgerschaft, aus der allerdings zunehmend auch kritische Stimmen kommen würden – auch gegen 5G-Standorte.

Der Verein arbeitet derzeit am Aufbau einer Datenbank, in der abgerufen werden kann, wer in der Region welche KI-Anwendungen nutzt. Nach einer Umfrage von AIF bei 35 technikaffinen Unternehmen, zwölf Forschungseinrichtungen und 23 Softwareanbietern zeigte sich, dass 80 Prozent bereits KI-Anwendungen nutzen. „Wir wollen zeigen, was schon geht, und zum Nachahmen anregen“, so Vereinsvorsitzender Ermer. Ein Traum von AIF ist laut Vorstandsmitglied Stefan Jäger ein gemeinsames Projekt, in dem KI etwa zur Mobilitätssteuerung in der Region angewendet wird.

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