Der Turm auf der Rosenhöhe wird nach historischem Vorbild verputzt.  
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Der Turm auf der Rosenhöhe wird nach historischem Vorbild verputzt.  

Darmstadt

Rätsel um kuriosen Bau auf der Rosenhöhe in Darmstadt gelüftet

  • Jens Joachim
    vonJens Joachim
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Die Stiftung der Eheleute Brigitte und Ulrich Scheinert saniert den Spanischen Turm in Darmstadt, der - wie neue Recherchen nahe legen - Ende des 18. Jahrhunderts als künstliche Ruine errichtet wurde.

Der mit bunten Bändern geschmückte Richtkranz am Spanischen Turm baumelt im Wind. In Sichtweite des eingerüsteten Gebäudes am östlichen Rand des Parks Rosenhöhe blüht auf einem Feld des Oberfelds der Klatschmohn. Und von einer nahen Koppel ist das Wiehern von Pferden zu hören. In den vergangenen Jahrzehnten ist viel über Sinn und Zweck, Erbauungsjahr, Auftraggeber und Architekten des markanten Bauwerks mit seinen auffallenden Treppengiebeln gerätselt und spekuliert worden, das an einem der romantischsten Orte in Darmstadt errichtet wurde.

Die BS Kulturstiftung der Eheleute Brigitte und Ulrich Scheinert lässt derzeit für einen hohen sechsstelligen Betrag den Turm in enger Abstimmung mit den Denkmalschutzbehörden fachgerecht sanieren und einen Park auf dem rund 6000 Quadratmeter großen Gelände anlegen.

Im Zusammenhang mit den Sanierungsarbeiten hat sich die Stiftung nun auf Spurensuche begeben, um die geheimnisvolle Geschichte des Gebäudes zu enthüllen. Nach den Worten von Bettina John-Willeke, der stellvertretenden Vorsitzenden des Stiftungsvorstands, ist die Bau- und Nutzungsgeschichte des Turms aufgrund der unzureichenden Quellenlage zwar bis heute nicht abschließend und zweifelsfrei geklärt. Doch ein restauratorisches Gutachten und umfangreiche Archivrecherchen haben nun neue Hinweise zur Baugeschichte und zur ursprünglichen Bestimmung des Denkmals geliefert.

Brigitte und Ulrich Scheinert sind die Turmsanierung und die Anlage eines Parks eine hohe sechsstellige Summe wert.  

Die Befunde weisen darauf hin, dass das Erdgeschoss des Turms in einem ersten Bauabschnitt wahrscheinlich als künstliche Ruine Ende des 18. Jahrhunderts errichtet wurde. In den Quellen wird ein Garten des Geheimen Rats Andreas Peter von Hesse, eines Schwagers des Dichters Johann Gottfried Herder, auf der heutigen Rosenhöhe erwähnt. Dieser Garten war wohl ausgestattet mit einer künstlichen Ruine, der „Altenburg“, die als Treffpunkt des „Kreises der Empfindsamen“ diente. „Es ist durchaus denkbar, dass die Altenburg und der Ursprungsbau des Spanischen Turms identisch waren“, so John-Willeke. 1853 erfolgte unter Prinz Carl, dem Sohn der Großherzogin Wilhelmine, eine Aufstockung um zwei Geschosse und der Anbau eines Treppenturms. Auf Carl geht auch die Bezeichnung „Spanischer Turm“ zurück, den er als „Chateau d’Espagne“, und auch als Luftschloss oder realitätsfernen Sehnsuchtsort, bezeichnete. In der Folgezeit wurde im angrenzenden Garten ein ausgedehntes Wegerondell gestaltet, was eine Nutzung der Anlage als Lustgarten für das fürstliche Haus nahelegt.

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Turm zu Wohnzwecken umgebaut sowie um einen eingeschossigen Anbau erweitert und die Anlage gartenbaulich genutzt. Nach der Schließung eines Gärtnereibetriebs war das Areal noch teilweise bewohnt, verfiel jedoch zunehmend. Seit dem vorigen Jahr engagieren sich die Eheleute Scheinert, um den romantischen Sehnsuchtsort aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken.

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