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In Position: Videodreh mit OB Jochen Partsch.

Darmstadt/Groß-Gerau

Politische Kommunikation in Krisenzeiten

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In der Corona-Krise nutzen Kommunalpolitiker in Darmstadt sowie in den Kreisen Darmstadt-Dieburg und Groß-Gerau neue Onlineformate, um sich direkt an die Bevölkerung zu wenden.

Manuel Feick wird an diesem Dienstag zum Wiederholungstäter: Nach der Premiere vor zwei Wochen wird der Reinheimer Bürgermeister seine zweite „Online-Sprechstunde“ anbieten. Vor zwei Wochen war der Sozialdemokrat zum ersten Mal via Facebook live auf Sendung gegangen, um zum einen aktuelle Informationen zu übermitteln und zum anderen Fragen von Bürgerinnen und Bürger direkt zu beantworten. Die Corona-Krise hat nach seinen Worten nur eine Entwicklung beschleunigt. Er habe ohnehin geplant, ein solches Format anzubieten, um ihn „unkompliziert und ohne Terminvergabe“ zu kontaktieren.

Mehr als 5800-mal ist Feicks erste Sprechstunde bereits abgerufen worden. Bei mehr als 16 000 Einwohnern in Reinheim ist Feick stolz darauf, dass sein neues Angebot „sehr gut angenommen wurde“ und viele Fragen, nicht nur zur derzeitigen Situation, beantwortet werden konnten. Am heutigen Dienstag wird es von 17 Uhr an eine weitere Sprechstunde geben. Um teilzunehmen, müssen sich Interessierte in ihren Facebook-Account einloggen und die Seite des Bürgermeisters ansteuern. Dort können über die Chatfunktion Fragen an Feick stellen, die dieser dann sofort beantworten wird.

Auch im Rathaus und im Kreishaus in Darmstadt sowie in der Kreisverwaltung in Groß-Gerau hat sich die politische Kommunikation in der Corona-Krise gewandelt. Der vor einiger Zeit umgestaltete Avatar für den Darmstadt-Dieburger Landrat zeigt Klaus Peter Schellhaas (SPD) inzwischen mit dem von ihm schon lange geforderten Mund-Nase-Schutz. Jeden Abend nutzt auch der Kreishauschef seinen Facebook-Account, um die Bevölkerung über die aktuellen Infektionszahlen zu informieren und auch seine persönlichen Sorgen und Wünsche direkt zu übermitteln. Am Montagabend nutzte Schellhaas zudem wiederholt den Onlinedienst Instagram, um mit einem Chefarzt der Kreiskliniken ein Gespräch zu führen.

Avatar von Landrat Schellhaas.

Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne), der persönliche Profile in den sozialen Medien nicht mehr nutzt, wendet sich seit einiger Zeit mit technischer Unterstützung der Agentur La Mina nun auch zunehmend per Videobeitrag an die Bevölkerung, um etwa über die geplanten Lockerungen im Zuge der Corona-Krise zu informieren. Wichtig sei dem OB, in den Clips „authentisch zu sein“ und seine politischen Botschaften frei zu formulieren, sagte der stellvertretende Stadtsprecher Daniel Klose.

Auch Thomas Will (SPD), der Landrat des Kreises Groß-Gerau, nutzt seit vielen Jahren eine Seite auf Facebook. Während dort vor der Corona-Krise meist offizielle Termine sowie ab und an private Impressionen erschienen, hat sich das nun drastisch verändert: Täglich verfasst der Landrat lange Beiträge, in denen er sich an die Menschen im Kreis wendet und sehr detailliert aus seinem Alltag erzählt. So berichtet er von Hilfsaktionen, der Fieber- und Testambulanz oder von seinem spontanen Dienst am Bürgertelefon. Einer seiner jüngsten Beiträge zeigt Will beim Frisör – mit Mundschutz. Es ist zu vermuten, dass auch Will zum Wiederholungstäter wird.

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