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Die Naturschützer Bernhard Ganter und Reiner Stürz (vorne) haben das Pfungstädter Moor im Blick.

Darmstadt-Dieburg

Pfungstädter Moor: Naturschützer fordern Umweltsignal zum Hessentag

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Wenn 2023 der Hessentag in Pfungstadt stattfindet, soll das Pfungstädter Moor wieder lebendig werden. Das fordert der BUND. Erste Prüfungen laufen bereits.

Vom Tafelberg, der durch die ehemalige Kreismülldeponie künstlich entstanden ist, hat man einen guten Blick über das Pfungstädter Moor – oder das, was davon übrig ist: vereinzelte Schilfgewächse, Gestrüpp und Dornen. Denn durch das Absinken des Grundwasserspiegels hat das frühere Feuchtgebiet stark gelitten. Schuld daran ist die Förderung von Grundwasser aus dem hessischen Ried: „Weil in Frankfurt das Wasser getrunken wird, das hier gefördert wird“, sagt Bernhard Ganter vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Kreisverband Darmstadt.

Nach dem Austrocknen des Torfbodens breiteten sich Brennnessel, Brombeeren und Gehölze aus, die alles andere verdrängen. Auch seltene Vogelarten, die Wasser benötigten, seien nicht mehr da, sagt Reiner Stürz. Der Schäfer ist einer größten Landschaftspfleger in der Region. Er beobachtet seit Jahren das Verschwinden von Schwarzschopf-Segge, Sonnentau, Brachvogel und Sumpfohreule im Pfungstädter Moor. Durch Beweidung könne man die Schäden eindämmen, so Stürz. Noch besser sei jedoch eine Bewässerung.

Pfungstädter Moor

Das 103 Hektar große Pfungstädter Moor entstand vor etwa 10 000 Jahren, als der Altneckar bei Heidelberg sein neues Bett fand und der vorherige Verlauf entlang der Bergstraße verlandete.

Ab dem 19. Jahrhundert wurde dort Torf als Heizmaterial abgebaut.

1955 wurde das Gebiet unter Naturschutz gestellt. Die Renaturierung als Moor war jedoch gefährdet, weil der Grundwasserspiegel durch die Trinkwasserförderung ständig sank.

Seit 2007 ist das Moor Teilgebiet des EU-Vogelschutzgebietes Hessische Altneckarschlingen. cka

Der BUND fordert deshalb jetzt vom Land Hessen die Rettung des Moors bis 2023. Dann findet in Pfungstadt (Kreis Darmstadt-Dieburg) der Hessentag statt. Anlässlich dieses Ereignisses fordert der BUND ein „Umweltsignal“ vom Land. Auch weil man befürchtet, dass die Anreise von einer Million Besuchern weitere Schäden verursachen könnten. „Die Freude über ein hessisches Bürgerfest wird getrübt durch die massiven Umweltschäden, die der Klimawandel in Pfungstadt und im Ried unübersehbar bereits angerichtet hat“, schreibt der BUND. Die Entwässerung des Naturschutzgebiets im Hessischen Ried, das zugleich ein bedeutender CO2-Speicher sei, „ist ein Naturfrevel“.

Bereits 2015 hatte der runde Tisch zur „Verbesserung der Grundwassersituation im Hessischen Ried“ verschiedene Maßnahmen zur Rettung des Moors beschlossen. Die Bewässerung stand dabei auf der Liste. Doch seither geschah laut BUND nichts. Doch jetzt kommt Bewegung in die Sache: Wie das hessische Umweltministerium auf Nachfrage der Frankfurter Rundschau mitteilte, ist das Land „in den Vorbereitungen für die Vernässung“ des Moores. Das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt habe mit dem Wasserverband Hessisches Ried einen Vertrag über die Erstellung der Entwurfs- und Genehmigungsplanungen geschlossen.

Laut RP hat „ein Planungsbüro inzwischen verschiedene Möglichkeiten zur Bewässerung geprüft“. Danach soll es drei Optionen geben: Reaktivierung der oberirdischen Versickerung, Direktleitung in das vorhandene Rinnensystem und eine Kombination aus beidem. In den kommenden Monaten könne geklärt werden, ob die in den Jahren 1999 bis 2008 genutzte Rohrleitung noch voll funktionsfähig sei oder eine neue Leitung verlegt werden müsse. Hierzu seien Suchschürfen und eine Zustandsbewertung der Leitungen erforderlich, erklärt RP-Sprecher Guido Martin. Unabhängig vom Ergebnis sei ein Genehmigungsverfahren durchzuführen. Mit einer Umsetzung der Zuwässerung sei deshalb frühestens 2021 zu rechnen.

Stadt will ihren Beitrag leisten

Die Stadt Pfungstadt begrüßt dies: „Wir haben es immer bedauert, dass das Land die Bewässerung eingestellt hat“, sagte Bürgermeister Patrick Koch (SPD). Die Stadt wolle ihren Beitrag durch Zurverfügungstellung von technischem Know-how oder der Genehmigung von entsprechenden Leitungsrechten leisten. Was die Befürchtungen von Umweltschäden durch den Hessentag betrifft, so äußerte Koch, selbstverständlich wirke sich eine solche Großveranstaltung auch auf die Randbereiche Pfungstadts aus, wo Ackerflächen als Parkraum zur Verfügung gestellt würden. Der Hessentag werde jedoch nicht in Bereichen stattfinden, die eine größere Umweltrelevanz haben. „Hier wird kein ökologisch wertvoller Lebensraum für den Hessentag plattgemacht“, so Koch. Eine Ausstellung „Natur auf der Spur“ soll zudem Besucher für mehr Umweltschutz sensibilisieren. Koch verspricht: „Wir wollen den Hessentag so plastikfrei und umweltschonend wie möglich machen.“

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