+
Gott gebe Glück und Segen drein: In den Kesseln im Sudhaus wird das Pfungstädter Bier gebraut. Die Brauerei gibt es bereits seit dem Jahr 1831. 

Pfungstadt

Brauerei Pfungstädter: Grundstücks-Deal droht zu platzen - weitere Investoren im Rennen

  • schließen

Die Stadt Pfungstadt und die Brauerei haben die Verhandlungen mit dem umstrittenen Geschäftsmann Uwe Krück ausgesetzt. Die Brauerei will nun Gespräche und Verhandlungen mit anderen Investoren fortsetzen und intensivieren.

Update, 07.02.2020, 12:00 Uhr: Die Brauerei Pfungstädter hat am Donnerstagabend in einer eigenen Mitteilung bestätigt, dass die Verhandlungen mit Investor Uwe Krück über die Übernahme der Brauerei „vorerst unterbrochen“ seien, weil man sich „in einigen Punkten noch nicht einigen konnte“. Die Unternehmensleitung kündigte zugleich an, die Gespräche und Verhandlungen mit anderen Investoren würden nun „fortgesetzt und intensiviert“.

Im letzten Jahr hatte die Pfungstädter-Brauerei nach eigenen Angaben eine Gesellschaft, die auf Firmenfusionen und Betriebsübernahmen spezialisiert ist, mit der Suche nach einem Investor beauftragt und entsprechende Kriterien für die Investorenauswahl festgelegt. Im Mittelpunkt hätten dabei der Erhalt und die Fortführung der 1831 von Justus Hildebrand gegründeten Brauerei sowie die Übernahme der rund 100 Mitarbeiter gestanden, so die Unternehmensleitung. Weitere Kriterien seien „die Nachhaltigkeit und die Belastbarkeit des Angebots, der Umfang der Transaktion, der Kaufpreis und eine faire Bewertung“ gewesen.

Pfungstädter: Über zehn Investoren an Brauerei oder Gelände interessiert

Insgesamt, so heißt es in der Pfungstädter-Mitteilung, seien „mehr als zehn potenzielle Investoren an der Brauerei oder dem Brauereigelände interessiert“. Weil der Bad Homburger Investor Krück, der Geschäftsführer der Firma Spectrum Invest in Frankfurt und der in München ansässigen Crugers Brau GmbH ist, nach den von der Brauerei festgelegten Kriterien „das beste Angebot vorgelegt“ habe, seien mit ihm konkrete Verhandlungen aufgenommen worden, so die Brauerei-Führung.

In einer Verhandlung am 30. Januar, so berichtet die Unternehmensführung weiter, seien die Gespräche zwischen den Vertretern der Brauerei und dem zunächst favorisierten Investor auch vorangekommen. Allerdings sei man „noch nicht in allen zentralen Punkten zu einer Einigung gelangt“. Die Pfungstädter-Geschäftsführung äußert sich in der Mitteilung jedoch nicht dazu, welche zentralen Verhandlungsthemen dies waren, über die keine Einigung erzielt wurde. 

Nichtsdestotrotz sei man „weiter bereit“, die Verhandlungen mit Krück fortzuführen. Gleichwohl wolle man auch mit anderen Investoren weiter sprechen und mit ihnen intensiver als bisher verhandeln. Die Pressemitteilung der Pfungstädter Brauerei schließt mit dem Satz: „Da mit jedem Interessenten eine Vertraulichkeitserklärung abgeschlossen wurde, können keine weiteren Details zu den Angeboten und zu den Investoren genannt werden“, heißt es zum Abschluss der Pressemitteilung.

Erstmeldung vom 6. Februar 2020: Der Plan des Bad Homburger Investors Uwe Krück, die Traditionsbrauerei Pfungstädter zu übernehmen, einen modernen Neubau zu errichten und das bisherige Brauereigelände zu einem Wohngebiet zu entwickeln, droht zu scheitern. Die Brauerei hat nach Auskunft von Bürgermeister Patrick Koch (SPD) Anfang der Woche mitgeteilt, dass die Verhandlungen mit Krück „vorerst ausgesetzt“ worden seien.

Vor diesem Hintergrund habe auch die Stadt die Verkaufsverhandlungen über das städtische Grundstück ausgesetzt. Unter den gegebenen Umständen sei eine Rückkehr an den Verhandlungstisch „aktuell nicht zielführend“, schrieb Koch in einer Mitteilung, nachdem er am Mittwoch in einer Sondersitzung des Ältestenrates der Stadtverordnetenversammlung die Fraktionschefs über die Entwicklungen informiert hatte.

Koch zufolge hat die Stadt eine Fachkanzlei aus Frankfurt damit beauftragt, die Verhandlungen über den bislang vorgesehenen Grundstücksverkauf für den von Krück geplanten Brauereineubau auf dem Gelände des Schwimmbads im Sinne der Stadt zu führen. Im Zuge der Verhandlungen habe die Stadt auch vertraglich sicherstellen wollen, dass das Grundstück, falls es nicht zum Neubau komme, wieder an die Stadt zurückfällt. Die Stadtverordnetenversammlung habe in diesem Fall verlangt, entsprechende Entschädigungszahlungen abzusichern. Den Auftrag des Stadtparlaments an den Magistrat habe er auch „sehr ernst genommen“, versicherte Koch.

Brauerei Pfungstädter: Schwierige Verhandlungen

Allerdings hätten sich die Verhandlungen mit Krücks Anwalt schwierig gestaltet, bis sie schließlich „festgefahren“ waren. Laut der Darstellung des Bürgermeisters war deutlich geworden, dass beim Investor „keine wirkliche Bereitschaft“ bestehe, der Stadt hinsichtlich einer solchen Absicherung entgegenzukommen. Er selbst habe auch stets darauf hingewiesen, dass die Wahrung und Absicherung der städtischen Interessen „die Grundvoraussetzung für eine Einigung“ darstelle. Überdies habe Krück bislang auch nicht den von der Stadt geforderten Finanzierungsnachweis für den Grundstückserwerb erbracht.

Laut Koch zeigt die Entwicklung der vergangenen Wochen, „dass ein für alle Seiten erfolgreicher Abschluss offenbar in weite Ferne gerückt ist. Nach wie vor fehlen Sicherheiten und Nachweise, aber vor allem fehlt eine belastbare Einigung zwischen Herrn Krück und der Brauerei.“ Bei allem Verständnis für die Brauerei und die Sorgen und Nöte der Mitarbeiter stünden für ihn „die städtischen Interessen vor denen der Eigentümerfamilie der Pfungstädter Brauerei“, sagte der Bürgermeister.

Erste Stadträtin Birgit Scheibe-Edelmann (Grüne) bezeichnete die Entscheidung, die Verhandlungen auszusetzen, als „logische und richtige Konsequenz“.

Weiterlesen: Außer Uwe Krück soll auch ein Investor aus Würzburg Interesse an dem Traditionsunternehmen haben, der die Brauerei am Standort mitten in Pfungstadt belassen will.

Immobilieninvestor will Pfungstädter übernehmen: Unternehmer Uwe Dieter Krück will Millionen in die Verlegung und den Neubau der Brauerei investieren. Am bisherigen Standort am Pfungstädter Bahnhof soll ein Wohngebiet entstehen.

Besuch bei den Biermachern: In der Pfungstädter Brauerei, gärt es nicht nur in den Braukesseln kräftig - auch personell gab es einige einschneidende Veränderungen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare