Auf dem Brauereiareal soll ein Wohnquertier entstehen.
+
Auf dem Brauereiareal soll ein Wohnquertier entstehen.

Pfungstadt/Darmstadt

Pfungstädter-Biersponsoring endet bei den Lilien nach 22 Jahren

  • Jens Joachim
    vonJens Joachim
    schließen

Ein Bierbrauer aus Pforzheim will die Pfungstädter Brauerei übernehmen und Unternehmer Daniel Hopp will das Brauerei-Areal kaufen. Auf dem Grundstück der Brauerei in der Innenstadt von Pfungstadt soll ein Wohnquartier entstehen und in kleinerem Rahmen weiter gebraut werden.

  • Im Stadion am Böllenfalltor in Darmstadt wird künftig Krombacher statt Pfungstädter ausgeschenkt
  • Seit 1998 war die Brauerei Pfungstädter Biersponsor des SV Darmstadt 98
  • Gesellschafterversammlung entscheidet Anfang August über den Verkauf der Brauerei in Pfungstadt

Update vom Freitag, 19. Juli, 20:45 Uhr: Im Stadion am Böllenfalltor in Darmstadt wird künftig kein Bier der Pfungstädter Brauerei ausgeschenkt. Mit Beginn der Saison 2020/21 wird die Krombacher Brauerei offizieller Bierpartner des SV Darmstadt 98. Das hat der Fußball-Zweitligist am frühen Freitagabend mitgeteilt.

Der Vertrag mit der finanziell angeschlagenen Pfungstädter Brauerei, die vom Pforzheimer Bierbrauer Wolfgang Scheidtweiler übernommen werden soll, war Ende Juni zum Ende der Saison ausgelaufen. Die Brauerei, die seit 1998 Biersponsor der Darmstädter Lilien war, verzichtete in der derzeit für das Unternehmen sehr schwierigen Situation offenbar aus finanziellen Erwägungen auf eine Fortsetzung der sehr kostspieligen Sponsoring-Partnerschaft mit dem Darmstädter Sportverein.

„Pfungstädter war extrem treuer und verlässlicher Partner“

„Die Pfungstädter Brauerei war ein extrem treuer und verlässlicher Partner, der uns in allen sportlichen Lagen immer mit Herzblut unterstützt hat“, teilte Rüdiger Fritsch, der Präsident des SV 98 mit. Der Verein bedanken sich für die langjährige Partnerschaft und wünschen dem Unternehmen „von ganzem Herzen viel Erfolg für die Zukunft und die Neuausrichtung der Brauerei“, so Fritsch.

Nachdem Anfang des Jahres ein erster Versuch gescheitert war, die Pfungstädter Brauerei zu verkaufen, hatte die Brauerei am 10. Juli mitgeteilt, dass Daniel Hopp, der Sohn von SAP-Mitgründer Dietmar Hopp und Pforzheimer Brauerei-Besitzer Interesse an dem Brauereigrundstück in der unmittelbaren Nähe zum Pfungstädter Bahnhof hätten und die Brauerei in kleinerem Umfang fortgeführt werden soll.

Anfang August soll nun eine Gesellschafterversammlung dem Vorhaben zustimmen, sagte Brauerei-Geschäftsführer Stefan Seibold in einem Gespräch mit der FR.

Krombacher statt Pfungstädter im Stadion in Darmstadt

Mit Beginn der Saison 2020/2021 wird nun die Krombacher Brauerei anstelle der Pfungstädter Brauerei offizieller Bierpartner des SV Darmstadt 98. Mit Krombacher haben sich die Darmstädter Lilien - entgegen der Gepflogenheiten der meisten Mitbewerber und entgegen früherer Verlautbarungen - gegen eine regionale und für eine national bekannte Biermarke entschieden. Der Verein unterzeichnete mit der Brauerei aus Kreuztal-Krombach im Siegerland, die eine der größten deutschen Privatbrauereien ist, einen langfristigen Vertrag.

Das Vertragspaket umfasst laut Mitteilung des Sportvereins neben dem exklusiven Bier-Ausschankrecht für sämtliche Veranstaltungen im Stadion am Böllenfalltor ein umfangreiches Sponsoring-Paket inklusive LED-Bandenwerbung, Gewinnspielaktionen, Digital-Kampagnen, Spieltags-Aktivierungen und weitere gemeinsame Aktionen.

SV 98 wollte Bier-Botschafter Darmstadts und Südhessens sein

Bei der Verlängerung der Kooperation zwischen dem SV 98 und der Pfungstädter Brauerei hatte der Verein 2015 noch mitgeteilt, neben der südhessischen Brauerei hätten „auch mehrere nationale Brauereien großes Interesse an einer Zusammenarbeit mit dem SV 98 gezeigt“. Der damalige Erstbundesligist entschied sich seinerzeit jedoch bewusst für die Verlängerung der langjährigen Sponsoring-Partnerschaft. Der Verein verstehe sich „auch in der Bundesliga als Botschafter Darmstadts und Südhessens“. Insofern sei die weitere Zusammenarbeit mit der größten hessischen Privatbrauerei „nur folgerichtig", hatte Markus Pfitzner, der Vizepräsident des SV 98 geäußert.

Lilien setzen nun auf Stabilität und Weiterentwicklung

Fünf Jahre später verbreitet die Vereinsspitze andere Formulierungen. Vereinspräsident Fritsch ließ mitteilen, mit Krombacher werde dem Verein „die erforderliche Stabilität und Unterstützung für die Weiterentwicklung in den kommenden Jahren garantiert“. Im Hinblick auf die „Schaffung einer zukunftsfähigen Infrastruktur“ sei die vereinbarte Zusammenarbeit mit Krombacher „ein wichtiger Schritt“ in der weiteren Entwicklung des Sportvereins und „ein Zeichen des Vertrauens in den SV 98“ in einer durch das Coronavirus bedingten „herausfordernden Lage“, so der Präsident des SV 98

Mit der Schaffung einer „zukunftsfähigen Infrastruktur“ meint Fritsch den Ausbau des Fußballstadions am Böllenfalltor, für dass das Land Hessen und die Stadt Darmstadt - also die Steuerzahler - mehr als die Hälfte der Investitionskosten aufbringen sowie Bürgschaften im Umfang von mehreren Millionen Euro übernommen haben, um dem Verein zur Seite zu stehen. 

Pforzheimer Bier-Brauer will Pfungstädter übernehmen

Erstmeldung vom Freitag, 10. Juli, 9:34 Uhr: Das Areal der Brauerei Pfungstädter in der Innenstadt von Pfungstadt soll an Daniel Hopp, den Sohn des Mitbegründers des IT-Unternehmens SAP, verkauft werden. Das hat die Brauerei am Freitagvormittag mitgeteilt. Ein Kaufvertrag für das Brauerei-Grundstück sei bereits unterschrieben worden.

Über den Verkauf müssten nun noch die 97 Gesellschafter der Brauerei auf einer Gesellschafterversammlung entscheiden. Wann diese Versammlung stattfinden wird wurde zunächst nicht mitgeteilt.

Unternehmer Hopp plant Wohnquartier auf Pfungstädter-Areal

Der Mannheimer Investor und Unternehmer Daniel Hopp, der auch Geschäftsführer der SAP-Arena in Mannheim ist, will in Zusammenarbeit mit dem Projektentwickler Conceptaplan aus Dossenheim bei Heidelberg „ein attraktives Wohnquartier“ auf dem Brauereigelände realisieren. Conceptaplan kann mit den Stadtgärten in Bad Vilbel und dem Stadtquartier am Henninger Turm in Frankfurt auch Referenzprojekte in der Region vorweisen. Auch künftig sei am bisherigen Standort eine Brauereiproduktion vorgesehen.

Historischer Teil der Brauerei bleibt erhalten - Neubau geplant

Der Pforzheimer Bierbrauer Wolfgang Scheidtweiler (Brauhaus Pforzheim, Brauerei Ruppaner in Konstanz) sei am Erwerb und der Fortführung der Pfungstädter Brauerei interessiert und habe hierfür ein Angebot abgegeben. Das Konzept Scheidtweilers sieht vor, den historischen und unter Denkmalschutz stehenden Teil der Brauerei zu erhalten und um einen modernen Neubau zu ergänzen. Vorgesehen sei, „den Braustandort zu sichern und Arbeitsplätze zu erhalten“. Allerdings müssten noch „mehrere Details des Konzepts und des Vertrags“ geklärt werden.

Pforzheimer Brauereibesitzer will in bisherigen Gebäuden weiter brauen

Bis zur baulichen Realisierung der neuen Pläne wolle der Pforzheimer Brauerei- und Hotelbesitzer in den bisherigen Gebäuden weiter brauen, äußerte Stefan Seibold, der Geschäftsführer der Pfungstädter Brauerei, der Scheidtweiler als einen „hervorragenden Partner“ bezeichnete.

Das historische Maschinenhaus der Brauerei mit der alten Dampfmaschine bleibt erhalten.

Das historische Maschinenhaus der Brauerei mit der alten Dampfmaschine bleibt erhalten.

Scheidtweiler teilte mit, Pfungstädter sei insbesondere in Südhessen „eine starke Marke“. Gerade die historischen Brauereigebäude hätten „einen besonderen Charme“. Er freue sich daher, dass das Konzept der Investoren eine Erhaltung vorsehe und nach ersten Vorgesprächen „die Möglichkeit einer weiteren umgebungsverträglichen Brauereinutzung zuließe“, so Scheidtweiler, dessen Familie in den vergangenen Jahren bereits Brauereien in Karlsruhe (Hatz-Moninger), Eppingen (Palmbräu) und Raststatt (Brauerei Franz) gekauft hatte.

Das vorgelegte Konzept von Hopps „Family Office“ und dem Projektentwickler habe den Beirat der Pfungstädter Brauerei „sofort überzeugt“, heißt es in der Mitteilung. Johann-Christoph Kleinschmidt, der Vorsitzende des Beirats der Pfungstädter Brauerei wird mit den Worten zitiert: „Wir werden daher die Empfehlung an unsere Gesellschafterversammlung aussprechen, dem zuzustimmen.“

So könne auf dem Brauereigelände ein modernes Wohnbauprojekt entwickelt und realisiert werden. Das werde der Innenstadt von Pfungstadt „wichtige Impulse geben“. Zugleich werde „die Perspektive erhalten“, die Brauerei zu modernisieren und in Pfungstadt weiterhin Bier zu brauen, so Kleinschmidt.

Pfungstadt: Bürgermeister Koch für nachhaltige Stadtentwicklung

Patrick Koch (SPD), der Bürgermeister von Pfungstadt, teilte mit, es sei auch in Hinblick auf die weitere Stadtentwicklung „sehr erfreulich“, dass es gelungen sei, „starke Partner mit Know-how“ zu finden, mit denen der Bestand der Brauerei sowie die Entwicklung des Areals „im besten Sinne“ gesichert werden könne. Für ihn, so Koch, sei der Erhalt der Pfungstädter Brauerei „auch wegen ihrer engen Bindung und Tradition stets von großer Bedeutung gewesen“.

Die Stadt Pfungstadt, so der Bürgermeister weiter, bewerte die aktuellen Entwicklungen „sehr positiv“ – sowohl im Hinblick auf die von der Brauerei kommunizierten Vertragspartner, als auch hinsichtlich der Bekundung, den Brauereibetrieb am Standort zu erhalten. Für eine künftige Quartiersentwicklung falle es in den Verantwortungsbereich der städtischen Gremien, das erforderliche Baurecht zu schaffen. Die Möglichkeiten würden in enger Kooperation mit dem Investor geprüft. Eine attraktive Wohnbebauung sei „selbstverständlich auch im Interesse der Stadt“, äußerte der Pfungstädter Bürgermeister.

Anfang Juni hatte die Pfungstädter Brauerei mitgeteilt, dass das Unternehmen im Schutzschirmverfahren saniert werden soll, um eine drohende Zahlungsunfähigkeit durch Umsatzeinbrüche in der Corona-Krise abzuwenden. Der Betrieb wird seither mit allen rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern fortgeführt und von einem gerichtlich bestellten Verwalter überwacht.

Im Februar war in einem ersten Versuch gescheitert, das Brauerei-Areal an den zunächst favorisierten Investor Uwe Dieter Krück und seine Beteiligungs- und Immobiliengesellschaft Spectrum Invest zu verkaufen.

Mehr zum Thema

Kommentare