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In Kratern von gesprengten Bunkeranlagen haben sich Seen gebildet. 

Darmstadt-Dieburg

Natur erleben zwischen Bombenkratern

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Naturpädagogisches Erlebnisgelände Muna Münster nimmt Gestalt an / Eröffnung 2020

Lebensgefahr! Absolutes Betretungsverbot! Das soll auf den Schildern an den Außengrenzen des ehemaligen Munitionsanstalt „Muna“ bei Münster im Kreis Darmstadt-Dieburg stehen. So verlangt es die jetzt von der Gemeinde beschlossene Gefahrenabwehrverordnung. Wer das Gebiet unbefugt betritt oder die freigegebenen Wege verlässt, muss mit 5000 Euro Bußgeld rechnen.

Mit der Regelung über das Betreten und Befahren der 260 Hektar großen bundeseigenen Fläche nimmt das Naturschutzprojekt Muna weiter Gestalt an. Fakt ist: Das Gelände ist und bleibt mit explosivem Material aus dem zweiten Weltkrieg aber auch durch die spätere Nutzung durch das US-Militär als Munitionsdepot verseucht. Daran wird sich auch nichts ändern, wenn dort im kommenden Jahr im Rahmen einer Kooperation zwischen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) und der Gemeinde Münster ein erlebnispädagogisches Angebot mit einer Ansiedlung von Wisenten und Wildpferden entstehen und das Areal teilweise für Besucher geöffnet werden soll.

Die Bunker sollen für ene Aussichtsplattform und Ausstellungen genutzt werden.

Rund um die sechs Bunker, die als Aussichtsplattformen, Ausstellungsflächen und Museum genutzt werden sollen, seien die Kampfmittel geräumt, sagte Olaf Burmeister-Salg, Abteilungsleiter Wirtschaftsförderung am Dienstag bei einer Bürgerinformationsveranstaltung zum Projekt. Auch das Gebiet um die Kraterseen sei geräumt. Im Juli soll die Entmunitionierung weitergehen. Seitdem die Amerikaner das Depot samt Kaserne 1995 aufgegeben haben, wurden bereits mehr als 150 Tonnen Wehrmachtsmunition geräumt: Granaten, Flugabwehr- und Leuchtspurmunition.

Ein schwieriger Punkt ist laut Burmeister-Salg die Zuwegung. Denn die Bima, der das Gebiet gehört, untersage aus Sicherheitsgründen die Nutzung des asphaltierten Weges zu den Bunkern, die sie an die Kommune verpachte. Deswegen werde man über die außerhalb des Geländes gelegene Tongrubenschneise den 1,4 Kilometer langen Weg antreten müssen. Hier sollen Busse fahren, die Kindergartenkinder und Schüler befördern. Entlang dieses Waldwegs ist ein naturpädagogischer Lehrpfad mit Infotafeln rund um Naturschutz geplant. Gerade dort hat vergangenen Herbst Orkan „Fabienne“ eine Schneise der Zerstörung hinterlassen. Dieser „brutale Anblick“ soll auf der einen Seite des Weges laut Bürgermeister Gerald Frank (SPD) so bleiben und an den Klimawandel erinnern. Gegenüber soll punktuell aufgeforstet werden.

Entlang der Tongrubenschneise hinterließ Orkan Fabienne ein Bild der Zerstörung. Über den Waldweg gelangt man zu den Bunkern.  

Derzeit laufen bereits die Arbeiten an der zweiten Zaunanlage, die verhindern soll, dass Wisente und Wildpferde das Gelände verlassen. Die Tiere sollen als „aktive Landschaftspfleger“ des Wald- und Wiesengeländes im Frühjahr 2020 angesiedelt werden, wie Projektleiterin Anna Wojtusch sagte. Vorgesehen sei zunächst eine Herde von zehn Wisenten und fünf Przewalski-Hengsten. Nach ursprünglichen Plänen sollten die Tiere bereits im Frühjahr 2019 einziehen. „Wir haben keinen Zeitdruck“, sagte Frank (SPD) der FR.

Seit dem Start des Projekts im Herbst 2017 wurden bereits der ehemalige Wehrmachtsbahnhof, das Heizkraftwerk, die Kommandantur und andere von Amerikanern und Nazis genutzte Gebäude abgerissen.

Naturreservat

Das Muna-Gelände gilt als einmaliges Naturreservat, da sich die Natur seit Jahrzehnten selbst überlassen ist. Arten wie Schwertlilie, Gelbbauchunke, Mittelspecht und Feldlerche sind heimisch. Die Eröffnung soll im Sommer 2020 sein.
Bei einem Gemarkungsrundgang am 22. September können Sturmschäden und der neue Zaun besichtigt werden.
Finanziert wird das Projekt aus dem europäischen Förderprogramm Leader. Die Deutsche Bahn unterstützt das Weideprojekt als Ausgleich für Infrastrukturmaßnahmen mit 3,5 Millionen Euro. cka

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