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Auch der „Stuhl mit Fett“ von Joseph Beuys gehört zur Sammlung des Landesmuseums. 

Darmstadt

Millionenteures Provisorium für das Landesmuseum Darmstadt

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Der Depot-Neubau für das Hessische Landesmuseum Darmstadt lässt seit Jahren auf sich warten. Das Land lagert Kunstwerke in sieben Liegenschaften und zahlt hierfür jährlich 860 000 Euro an Miete.

Das Hessische Landesmuseum Darmstadt (HLMD) besteht in diesem Jahr seit 200 Jahren. Doch angesichts der Coronavirus-Pandemie hat das Museum alle geplanten Veranstaltungen bis einschließlich 3. Mai abgesagt. Wie es danach weitergeht, ist noch ungewiss.

Schon seit mehr als zehn Jahren ist auch unklar, ab wann die rund 1,35 Millionen Objekte des Museums am Friedensplatz dauerhaft an einem Ort gelagert werden können. Denn bereits seit 13 Jahren werden die Kulturgüter in sieben Liegenschaften in Darmstadt provisorisch aufbewahrt. Das Land muss hierfür jährlich rund 860 000 Euro an Miete zahlen. Das hat Wissenschafts- und Kunstministerin Angela Dorn (Grüne) nun in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der SPD-Landtagsfraktion mitgeteilt.

Dorn beteuert zwar, dass das HLMD für das Land „eine herausragende Bedeutung“ habe, was auch durch die in den vergangenen Jahren erfolgten erheblichen Investitionen deutlich werde. So sei im Zuge der in den Jahren 2007 bis 2014 erfolgten Instandsetzung und Sanierung des Museums auch ein Neubau mit Flächen für Wechselausstellungen, Depots und Werkstätten geplant gewesen. Infolge der Kostensteigerungen bei der Sanierung des einst von Alfred Messel errichteten Altbaus und der angespannten Haushaltslage nach der Finanzkrise wurde dann nach Angaben von Dorn im Jahr 2010 die Errichtung des Neubaus zurückgestellt.

Für die Dauer der Sanierung wurden von 2007 an Flächen unter anderem im Schenck Technologie- und Industriepark als Übergangslösung angemietet und für die temporäre Nutzung als Depots und Werkstätten ertüchtigt. Eine Dauerlösung sollte dies aber nicht sein. Nach den Worten Dorns strebt das Ministerium „weiterhin den Neubau eines modernen Depotgebäudes an, um die Auslagerung des Museumsgutes zu beenden“. Ein solcher sei auch aus konservatorischer, logistischer und arbeitstechnischer Sicht „mittelfristig zwingend notwendig“ und befinde sich „im landesinternen Abstimmungsverfahren“.

Der auch für die Stadt Darmstadt zuständige SPD-Landtagsabgeordnete Bijan Kaffenberger kommentierte am Mittwoch in einer Mitteilung die Äußerungen der Ministerin süffisant mit den Worten, bei der Landesregierung gelte offenbar das Motto „Nichts ist so beständig wie ein Provisorium“. Um auch die Arbeitsbedingungen für die Museumsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter in den Werkstätten und Büros zu verbessern, sei auch die Stadt gefragt, das Land bei der Suche nach geeigneten Grundstücken oder Liegenschaften zu unterstützen, äußerte Kaffenberger.

Die Sammlung

Den Grundstock  für das heutige Hessische Landesmuseum Darmstadt bildet eine Sammlung von Naturalien und physikalischen Instrumenten, die Landgräfin Karoline Ende des 18. Jahrhunderts ihrem Sohn, dem späteren Großherzog Ludewig I., vererbte.

1820 übergab  Ludewig I. seine Kunst- und Naturaliensammlung dem Staat. Damit machte er die Sammlung, die heute 1,35 Millionen Objekte umfasst, der Öffentlichkeit zugänglich.

www.hlmd.de

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