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So soll die neue Membranfabrik auf dem Merck-Werksgelände bei Arheilgen aussehen. Visualisierung: Merck

Darmstadt

Merck baut Membranfabrik am Stammsitz in Darmstadt

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Das an der Börse notierte Wissenschafts- und Technologieunternehmen investiert in Darmstadt eine Milliarde Euro und muss sich gegen Kritik an Tierversuchen wehren

Das Wissenschafts- und Technologieunternehmen Merck hat seine Investitionspläne für den Stammsitz in Darmstadt konkretisiert. Standortleiter Matthias Bürk teilte bei einem Bürgergespräch im „Goldnen Löwen“ im Stadtteil Arheilgen mit, dass das Unternehmen auf dem Werksgelände bis 2022 eine neue Membranfabrik errichten wird. Zudem sollen noch 2019 ein Bürogebäude in Modulbauweise sowie 2020 ein weiteres modulares Bürogebäude fertiggestellt werden. Zudem seien im nächsten Jahr die Fertigstellung einer neuen Wache für die Merck-Werksfeuerwehr, einer Betriebskindertagesstätte sowie eines Forschungszentrums geplant, teilte Bürk mit.

Das Unternehmen hatte im Frühjahr angekündigt, bis 2025 erneut eine Milliarde Euro in den Standort Darmstadt zu investieren. Bereits 2015 hatte Merck zugesagt, bis 2020 eine Milliarde Euro am Stammsitz zu investieren. Mit dem Gesamtbetriebsrat hat die Unternehmensleitung im Frühjahr auch eine umfassende Vereinbarung zur Zukunftssicherung des Unternehmenssitzes ausgehandelt. In dieser werden betriebsbedingte Kündigungen in der Zentrale bis Ende 2025 ausgeschlossen. Die Vereinbarung umfasst auch Zusagen zu Qualifizierung und Weiterbildung.

Laut Standortleiter Bürk hat das Unternehmen inzwischen ein Grundstück auf dem Areal des früheren Bahnausbesserungswerks, dem Knell-Gelände, erworben. Dort soll mittelfristig ein Aus- und Weiterbildungszentrum entstehen. Das Grundstück befindet sich nur wenige Hundert Meter südlich des Werksgeländes und des Nordbahnhofs. Den Zustand des Bahnhofs, den auch viele Merck-Mitarbeiter jeden Tag nutzen, bezeichnete Bürk als nicht zufriedenstellend. Das Unternehmen habe „ein starkes Interesse, dass sich die Situation dort verbessert“, sagte Bürk. Nach seinen Angaben nutzen mehr als 4200 Mitarbeiter – das sind gut 40 Prozent aller Beschäftigten am Stammsitz – ein Jobticket. Angesichts der vielen Bahnfahrer sei „die Gegenleistung der Bahn nicht in Ordnung“, so Bürk. Mit Verweis auf die Deutsche Bahn äußerte er, man dränge darauf, „dass die Verantwortlichen ihren Job machen“.

Auf Nachfragen von Bürgern bezeichnete Bürk den 2015/16 umfassend umgestalteten Eingang der Konzernzentrale an der Frankfurter Straße und den neuen Emanuel-Merck-Platz als Fläche, die eine „repräsentative Aufgabe“ am nördlichen Eingang für die Stadt erfülle.

Der künftige Fabrikleiter Alexander Pflug erläuterte, in der neuen viergeschossigen Membranfabrik sollen von Mitte 2022 an Membrane hergestellt werden, die unter anderem in Filtern für die biopharmazeutische Produktion zum Einsatz kommen. Geplant seien auch der Bau einer Lösemittelrückgewinnungsanlage und von Laboren. In den Bau, mit dem Anfang 2020 begonnen werden soll, sollen 145 Millionen Euro investiert werden.

Bürk wurde beim Bürgergespräch auch auf das Tierversuchslabor LPT im norddeutschen Mienenbüttel angesprochen, das 2020 aufgrund schwerer Tierquälerei schließen muss und das Merck für Versuche beauftragt hatte. Von den zuständigen Behörden habe man erfahren, dass eine letzte Studie bei LPT Mitte Dezember frühzeitig beendet werden könne. Bereits Anfang November habe man entschieden, die Zusammenarbeit mit LPT zu beenden. Die Hunde, an denen im Rahmen der Studie Tierversuche durchgeführt wurden, „werden wir in unsere Obhut nehmen“, sagte Bürk. In Absprache mit den Behörden werde man sich mit anerkannten Tierschutzorganisationen „für eine angemessene Unterbringung einsetzen“. Es lägen derzeit „keine Hinweise vor, dass es bei der Erhebung von Studiendaten seitens LPT für Merck zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein könnte“.

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