Der verbogene siebenarmige Leuchter steht auf dem Vorplatz vor dem Erinnerungsort Liberale Synagoge. 
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Der verbogene siebenarmige Leuchter steht auf dem Vorplatz vor dem Erinnerungsort Liberale Synagoge.

Darmstadt

Mahnwache an der beschädigten Menora am Sonntag in Darmstadt

  • Jens Joachim
    vonJens Joachim
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Die Polizei wertet Spuren am verbogenen siebenarmigen Leuchter an der Gedenkstätte Liberale Synagoge in Darmstadt aus. Wer hat das Kunstwerk demoliert und wer hat es wieder teilweise aufgerichtet?

Die Menora am Vorplatz des Erinnerungsortes an die Liberalen Synagoge auf dem Gelände des Darmstädter Klinikums ist früher beschädigt worden als bislang angenommen. Nach Ermittlungen der Polizei wurde das vom Künstler Helmut Lortz entworfene Mahnmal bereits am vorigen Montag zwischen 12.30 Uhr und 21.10 Uhr von unbekannten Tätern so verbogen, dass der obere Teil mit den sieben Leuchtarmen nahezu am Boden lag. Bis zum Dienstag gegen 12.30 Uhr sei das Kunstwerk dann zum Teil wieder aufgerichtet worden, heißt es in einer Mitteilung der Polizei.

Wer den Leuchter derart verbogen oder auch wieder aufgerichtet habe sei noch unklar, äußerte eine Polizeisprecherin. Inzwischen ermittele die Staatsschutzabteilung. Polizeisprecherin Andrea Löb sagte der FR am Freitag, derzeit würden Spuren, die an dem Kunstwerk gesichert worden seien, ausgewertet.

Das Kriminalkommissariat des Polizeipräsidiums suche derzeit nach Zeugen, die die Menora am Montag nach 12.30 Uhr noch ohne Beschädigungen gesehen hätten und Hinweise geben könnten, wie das Mahnmal wieder aufgerichtet worden sei. Hinweise nimmt die Polizei unter Telefon 06151 / 969 0 entgegen.

Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) hatte die Beschädigung des Symbols aus der jüdischen Liturgie bereits am Dienstag als „verwerfliche Tat“ bezeichnet, die sich über das hinwegsetze, was die Darmstädter Gesellschaft zusammenhalte. Die Rohheit, mit der bei dem Gewaltakt vorgegangen worden sei, mache ihn traurig. „Aber sie fordert gleichzeitig unsere Entschlossenheit, dagegen vorzugehen“, äußerte Partsch, der zugleich daran erinnerte, dass in den vergangenen Jahren mehrfach Kunstwerke, die in Darmstadt öffentlich und frei zugänglich aufgestellt worden seien, zerstört oder gestohlen worden seien. So wurden Ende 2017 die Bronzereliefs des Mahnmals für die Opfer der Brandnacht auf dem Waldfriedhof und erst Anfang April der Kopf des Luise-Büchner-Denkmals in der Nähe des Justus-Liebig-Hauses entwendet.

Überwachung der Gedenkstätte gefordert

Martin Frenzel, der Vorsitzende des Fördervereins Liberale Synagoge, hatte von einem „Anschlag“ sowie einem „Akt der Barbarei und der Verwüstung“ gesprochen und zudem eine Überwachung der Gedenkstätte mit Kameras gefordert.

Unter dem Motto „Hass und Gewalt widerstehen, Frieden und Solidarität leben“ haben Kirchen und zivilgesellschaftliche Gruppen in Darmstadt nach dem Gewaltakt einen Aufruf verfasst. Darin heißt es, die schwere Beschädigung der Menora vor der Gedenkstätte Liberale Synagoge in der Nacht zum Dienstag sei „ein Angriff, der uns allen gilt“.

Als „Zeichen dafür, dass wir uns mit Hass, Gewalt und Antisemitismus nicht abfinden wollen“, laden die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Darmstadt, der Verein „Gegen Vergessen - Für Demokratie“, die Initiative „Schüler Gegen Vergessen - Für Demokratie“ der Darmstädter Lichtenbergschule, die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen sowie das katholische und evangelische Dekanat Darmstadt am Sonntag, 21. Juni, um 11.30 Uhr auf den Platz vor dem Erinnerungsort Liberale Synagoge an der Bleichstraße (der Zugang befindet sich gegenüber der Einmündung in die Gagernstraße) zu einer Gedenkstunde und Mahnwache ein. Es werden auch OB Partsch und Daniel Neumann, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Darmstadt, sprechen.

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