Christus im Zentrum: In der Elisabethkirche hängt eine Jesus-Figur vor den neuen Chorfenstern.  
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Darmstadt

Katholiken in Darmstadt: Bis 2030 nur noch drei Pfarreien

  • Jens Joachim
    vonJens Joachim
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Die katholischen Gemeinden im Dekanat Darmstadt, zu dem derzeit noch knapp 60.000 Gläubige zählen, machen sich Gedanken über die Struktur ihrer Kirche von morgen.

Eine Pfarrei ist mehr als ein bloßes Verwaltungsgefüge“, sagt Pfarrer Christoph Klock. Wenn der Dekan des katholischen Dekanats Darmstadt über den vom Mainzer Bischof Peter Kohlgraf initiierten Strukturreformprozess spricht, dann geht es ihm vor allem um inhaltliche Akzente. Der „Pastorale Weg“, wie die Bistumsleitung die Strukturreform nennt, hat für Klock vor allem „eine geistliche Dimension“. Wie alle 20 Dekanate im Bistum Mainz hat Kohlgraf auch das Dekanat Darmstadt und die Gemeinden aufgefordert, sich bis Sommer 2021 Gedanken über die zukünftige Struktur zu machen. Mitte Juni wird es ein „Halbzeitgespräch“ mit dem Bischof geben.

Das Dekanat mit seinen derzeit 18 Pfarreien soll nach Klocks Worten bis zum Jahr 2030 auf maximal drei Pfarreien reduziert werden. Die Gemeinden müssten sich auch überlegen, welche Kirchen sie erhalten wollen, sagt der Dekan. Denn der Bischof habe angekündigt, dass das Bistum angesichts rückläufiger Zahlen bei den Gläubigen und den Kirchensteuereinnahmen nicht mehr wie im bisherigen Maß für die Unterhaltung der Kirchengebäude werde aufkommen könne.

Für das Dekanat Darmstadt bedeutet der sich abzeichnende Schrumpfungsprozess, dass sich bis zum Jahr 2030 das pastorale Personal – dazu gehören Pfarrer, Ständige Diakone sowie Gemeinde und Pastoralreferentinnen und -referenten – von derzeit rund 32 auf 18 Stellen verringern wird. Weil zudem mit einem Rückgang der Kirchensteuereinnahmen um 30 Prozent gerechnet wird, steht bereits heute fest, dass die Kirchengemeinden die Kosten für den Bau und die Unterhaltung an Kirchengebäuden künftig zur Hälfte selbst tragen müssen.

Der „Pastorale Weg“, der auch das Leben der katholischen Gemeinden in und um Darmstadt entscheidend verändern wird, soll nach den Vorstellungen der Bistumsleitung der „Entwicklung und Erneuerung“ dienen. Der Prozess steht unter dem Leitwort „Eine Kirche des Teilens werden“. Gleich zu Beginn des Prozesses hätten die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter des Dekanats im Januar 2019 mit den „Schmerlenbacher Thesen“ ganz konkrete Definitionen, Selbstverpflichtungen und Erwartungen verabschiedet, berichtet Dekanatsreferent Bernd Lülsdorf. Darin heißt es etwa, man verpflichte sich im Rahmen des geistlichen Prozesses, „möglichst viele in diesem Prozess mitzunehmen und Beteiligung zu schaffen“.

Wie Klock und Lülsdorf ausführen, beteiligen sich im Dekanat am Reformprozess rund 500 Gläubige, die sich in sechs Themengruppen einbringen, wobei die Teilnahme nicht auf Katholiken beschränkt ist. Schon im vorigen Jahr haben die Gruppen zu den Themen „Glauben leben“, „Lebenswelten“, „Lebensphasen“ und „Sozialpastoral“ ihre Arbeit aufgenommen. Die Gruppen „Neue Strukturen“ und „Finanzen und Verwaltung“ wurden erst am vergangenen Dienstag von der Dekanatsversammlung gegründet.

Zur neuen Struktur im Dekanat ist geplant, die maximal drei Pfarreien mit jeweils einem leitenden Pfarrer und einem weiteren Geistlichen als Stellvertreter zu besetzen. Diesen Pfarreien werden die übrigen sogenannten pastoralen Einheiten zugeordnet. Erwartet wird, dass künftig haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Gemeinden gemeinschaftlich leiten werden.

Der sich abzeichnende Schrumpfungsprozess muss nach Einschätzung der Dekanatsleitung „kein Nachteil für die Gemeinden sein“. Vielmehr eröffne die Reform zugleich auch „neue Chancen der Profilierung“. So könnten „neue Wege der Glaubenspraxis und der Glaubensweitergabe“ gefunden werden. Die Rede ist in diesem Zusammenhang auch davon, dass „Gemeinden ihre eigenen Charismen entwickeln könnten und es zu wertvollen Synergieeffekten kommen könne“.

www.katholisches-darmstadt.de

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