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Am Eingang der Darmstädter Tourist-Info wurden am Dienstag die nassen Teppiche getrocknet.

Darmstadt

Kanalisation versagte

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    Jens Joachim
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Nach dem Wassereinbruch am Montag läuft der Betrieb im Darmstädter Luisencenter wieder normal. Die SPD fordert umfangreiche Maßnahmen für Extremwetterlagen.

Der Schreck am Montagnachmittag war groß, als das Darmstädter Luisencenter in Folge eines Platzregens überflutet wurde. „Glücklicherweise sind wir von großen Schäden verschont geblieben“, sagte Centermanger Jochen Wilhelm der Frankfurter Rundschau. Man habe das Einkaufszentrum zu keiner Zeit komplett schließen müssen. Das Untergeschoss war vorübergehend ganz gesperrt, das Erdgeschoss zum Teil. Am Dienstag liefen die letzten Trocknungsarbeiten und viel Lüften sei jetzt angesagt, so Wilhelm. Die Höhe des Schadens sei noch nicht ermittelt. Im Untergeschoss wurden aus Sicherheitsgründen Teile der Deckenverkleidung abgenommen, die sich gewellt hatten.

Am Dienstag lief der Betrieb indes wieder fast normal. Nahezu alle der mehr als 40 Geschäfte und Gastronomieeinrichtungen waren geöffnet. Eine Bäckerei-Filiale und ein Fruchtsaftladen blieben allerdings wegen der Demontage der durchnässten Deckenverkleidung geschlossen. Auch zwei Rolltreppen, in die Wasser, Schmutz und Laub geflossen war, mussten zunächst gereinigt werden, bevor sie am Dienstagnachmittag wieder in Betrieb genommen wurden.

Als Ursache vermutet Centermanger Wilhelm, dass die Kanalisation unter der Luisen- und Wilhelminenstraße den Regenmassen nicht gewachsen war. In den beiden das Gebäude umschließenden Straßen stand zeitweise das Wasser einen halben Meter hoch. Bereits 2012 drang laut Wilhelm schon einmal Wasser ins Center ein.

Auch der Technische Leiter der Darmstädter Berufsfeuerwehr, Volker Reibold, sieht die Ursache in der Kanalisation: „So wie das Wasser aus einem Gulli der Luisenstraße rausgesprudelt ist, lag ein Defekt im Kanal vor“, sagte Reibold der FR. Eine Parfümerie, deren Eingang sich direkt neben dem Kanalgulli befindet, blieb gestern wegen der entstandenen Wasserschäden geschlossen.

Die Sozialdemokraten forderten am Dienstag vor dem Hintergrund solcher Extremwetterlagen die Stadtregierung auf, umfangreiche Klimaanpassungen vorzunehmen. „Keller, Unterführungen und Einkaufszentren werden in Zukunft öfter unter Wasser stehen – darauf ist Darmstadt aber nicht vorbereitet“, sagte SPD-Vorsitzender Tim Huß. Konkret schlägt die SPD die Einrichtung eines Starkregenkatasters vor, das im Internet einsehbar ist. Dadurch könnten Anwohner und Stadt Risiken besser abschätzen und bauliche Anpassungsmaßnahmen erfolgen. Auch solle die Stadt Beratungen für Anwohner einführen.

Wegen Starkregen und Sturm wurde die Feuerwehr am Montag 40 Mal gerufen. Insgesamt 70 Kräfte von fünf Wehren waren zwischen 15.30 und 20 Uhr im Einsatz. Ob ein Regenkataster solche Einsätze verhindern könnte, konnte Reibold nicht sagen. „Wir sind gut darauf eingestellt“, sagte er. Jede Vorhaltung von Mannschaft und technischem Gerät sei irgendwann am Ende. Man müsse eben jeden Einsatz nach Dringlichkeit abarbeiten.

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