So gut ausgestattet sind nicht alle Schüler.
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So gut ausgestattet sind nicht alle Schüler.

Darmstadt

Homeschooling wegen Corona: Darmstädter Schüler schlagen Alarm

  • Claudia Kabel
    vonClaudia Kabel
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Der Stadtschülerrat Darmstadt fordert Unterstützung von Stadt und Land: Es mangele an Computern, Räumen und psychischer Betreuung.

Schüler schreiben ihre Hausarbeiten auf dem Smartphone oder fahren zur Tankstelle, weil es dort schnelleres Internet gibt, um die digitalen Hausaufgaben herunterzuladen. Solche Fälle sind nicht die Regel. Aber der Darmstädter Stadtschülerrat warnt dennoch davor, dass in Zeiten von Corona durch das Lernen zu Hause die Chancenungleichheit verstärkt wird. „Nicht in allen Haushalten gibt es die notwendigen Grundlagen fürs Homeoffice“, sagt Vorstandsmitglied Tim Strüber der Frankfurter Rundschau.

Deshalb hat sich der Stadtschülerrat, der etwa 29 000 Schülerinnen und Schüler vertritt, jetzt an die Öffentlichkeit gewandt und fordert eine bessere Ausstattung mit technischem Gerät. Leihgeräte und Geld zur Anschaffung von Computern fürs Lernen im Homeoffice müssten vom Land Hessen bereitgestellt werden. Wegen der großen Datenmengen durch die Onlineaufgaben seien zudem die landeseigenen Schulserver immer wieder überlastet. Hier brauche es dringend einen Ausbau der Kapazitäten. Auch bei den Räumlichkeiten fordern die Schüler Hilfe.

Bewertung soll pausieren

„Wem das Lernen zu Hause nicht möglich ist, sollten Räumlichkeiten in den Schulen und die nötigen Lernhilfen bereitgestellt werden“, schreibt der Stadtschülerrat.

Vor allem häusliche Gewalt, die nachweislich zugenommen habe, könne das Zuhause in der aktuellen Situation für Schüler zur Hölle machen. Die vorhandenen schulpsychologischen Angebote müssten deshalb auch in Zeiten von Homeoffice zur Verfügung stehen. „Große Bauchschmerzen bereitet uns auch die Benotung“, sagt Strüber. Vor allem, wenn die Bewertungen in Abschlussnoten eingingen. „Aus vier bis fünf Wochen Unterricht, der vor Corona stattfand, sollen jetzt Noten gemacht werden“, so Strüber. In den geisteswissenschaftlichen Fächern etwa habe man bisher nur jeweils eine statt zwei Klausuren geschrieben. Nun würden diese Fächer gar nicht mehr unterrichtet.

Im jetzt gestarteten Präsenzunterricht sollten mündliche Noten gegeben werden, sagt Strüber. „Das ist schwer, wenn die Gruppe geteilt ist und die Lehrkraft ständig den Raum wechselt.“ Die Ausstellung eines Halbjahreszeugnisses sei fraglich, da kaum Unterricht stattgefunden hat. „Wir sprechen uns klar gegen die Bewertung des aktuellen Halbjahres aus“, so der Stadtschülerbeirat. Positiv bewertet wird dagegen, dass dieses Jahr niemand leistungsbedingt sitzen bleiben könne.

Die Schüler wollen sich mit ihrem Anliegen zunächst an die Stadt Darmstadt und das Schulamt wenden. Die nächste Tagung der Schulkommission, in der auch der Schülerbeirat vertreten ist, soll allerdings erst nach den Sommerferien stattfinden.

Hilfe für Schüler: Wer keinen PC zur Verfügung hat, psychische Probleme hat oder Opfer häuslicher Gewalt ist oder im schulischen Umfeld Probleme mit der Einhaltung der Sicherheitsabstände hat, kann unter der E-Mail-Adresse hilfe@ssr-darmstadt.de Kontakt zum Stadtschülerrat aufnehmen.

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