Darmstadt

Hilfe für suizidgefährdete junge Menschen in Darmstadt

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Das Präventionsprojekt „Alles – nur nicht aufgeben“ der Darmstädter Kinderkliniken Prinzessin Margaret wird mit Unterstützung der Stiftung Giersch ausgeweitet.

Wer den Eingang der Darmstädter Kinderkliniken Prinzessin Margaret erreichen will, der muss die letzten Schritte eine kleine Anhöhe hinaufgehen. Doch wer die Schiebetür an der Dieburger Straße erreicht hat, dem wird weitergeholfen. Jedes Jahr nehmen rund 350 Kinder und Jugendliche diesen am Ende etwas beschwerlichen Weg auf sich, um sich in Krisensituationen in der Klinik beraten zu lassen.

Vor 15 Jahren wurde das Projekt „Anna“ (Alles – nur nicht aufgeben) an den Kinderkliniken als Krisenangebot etabliert. Mit finanzieller Unterstützung der Frankfurter Stiftung Giersch, die bereits zum vierten Mal 20 000 Euro als Spende zur Verfügung gestellt hat, kann das Angebot ausgeweitet und die offene Sprechstunde künftig doppelt besetzt werden.

Ein Team aus erfahrenen Psychologen, Pädagogen und Therapeuten kümmert sich um diejenigen Kinder und Jugendlichen, die sich schon in ihre jungen Jahren selbst aufgegeben haben und dadurch suizidgefährdet sind. Weil die Krankenkassen präventive Angebote wie eine Telefonhotline allerdings nicht bezahlen, ist das Projekt nach den Worten von Chefarzt Bernhard Lettgen auf Spenden angewiesen.

Die jungen Leute, die montags bis donnerstags in die offene Sprechstunde in die Klinik kommen, haben sich entweder selbst einen Ruck gegeben oder kommen in Begleitung von Angehörigen oder Freunden, berichtet die Psychologin Rebekka Messinesis. Die Krisensituationen variieren. Den einen plagen familiäre Schwierigkeiten, andere werden gemobbt, wieder andere haben Beziehungsprobleme oder Zukunftsängste.

Das Krisentelefon des Projekts Anna ist montags bis freitags von 13 bis 15 Uhr unter der kostenfreien Nummer 0800/66 88 100 zu erreichen.

Offene Sprechstunden finden montags bis donnerstags von 13 bis 14 Uhr in den Räumen der Kinderkliniken, Dieburger Straße 31, in Darmstadt statt. Termine können montags bis freitags zwischen 9 und 12 Uhr unter 06151/402 3400 vereinbart werden. jjo

In Deutschland nehmen sich nach Angaben der Klinik jedes Jahr mehr als 200 Kinder und Jugendliche das Leben. Die Dunkelziffer bei den versuchten Selbsttötungen ist jedoch enorm. Laut Messinesis gehen verschiedene Studien davon aus, das auf einen vollendeten Suizid zwischen 25 und 400 Versuche im Kindes- und Jugendalter kommen. Bei den allermeisten misslingt dieser Versuch. Damit ist Suizid nach dem Verkehrstod die zweithäufigste Todesursache bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland.

Hier will das Präventionsprojekt Anna ansetzen, um akut gefährdeten jungen Menschen ein umfassendes Angebot zu machen. Die Psychologen, Therapeuten und Kinderärzte helfen Betroffenen in Gesprächen dabei, neue Wege zu finden, um mit Trauer, Ängsten und Notsituationen umzugehen.

Neben Betroffenen bekommen auch Angehörige, Betreuer und Lehrkräfte Hilfe und Rat bei der Anlaufstelle. Das Angebot reicht von einer anonymen Beratung am Telefon, über offene Sprechstunden bis hin zur Vermittlung für eine weiterführende Therapie. Die Wartezeiten sind vergleichsweise kurz. Niemand muss seinen Namen nennen und es wird auch kein Überweisungsschein von einem Arzt benötigt.

2018 wurden laut Messinesis mehr als 500 Beratungen entweder in der offenen Sprechstunde oder am Telefon geführt. „Die Bedeutung des Projekts lässt sich aber nicht in Zahlen messen“, sagt die Psychologin. Und auch Karin Giersch, ist es wichtig, „dass das Projekt jungen Menschen in Krisensituationen dabei hilft, ihren Mut zum Leben wiederzufinden“.

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