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Und los geht's: Das bezopfte Heinermädel am Übergang zwischen dem Hessischen Landesmuseum Darmstadt und dem Friedensplatz fordert Fußgänger zum Gehen auf.

Darmstadt

Darmstadt hat jetzt Heiner-Ampeln

Zwei Fußgängerampeln in der Darmstädter Innenstadt zeigen die beiden Maskottchen des Heinerfestes und erinnern damit an ihren Schöpfer, den Grafiker und Zeichner Helmut Lortz, der an diesem Samstag 100 Jahre alt geworden wäre. 

Die 70. Auflage des Darmstädter Heinerfestes, das vom 2. bis zum 6. Juli hätte stattfinden sollen, fällt in diesem Jahr zwar der Corona-Krise zum Opfer. Doch immerhin gibt es seit Donnerstag in der Darmstädter Innenstadt zwei Fußgängerampeln, an denen die beiden Maskottchen des Volksfestes aufleuchten.

Am Übergang zwischen dem Hessischen Landesmuseum und dem Friedensplatz fordert nun der Heinerbub mit der Ballonmütze die Fußgänger zum Stehenbleiben auf, während das bezopfte Heinermädel in Grün fröhlich über die Straße hüpft.

Heinerinnen und Heiner galten einst als Inbegriff des „echten Darmstädters“, der noch unverfälschten Darmstädter Dialekt sprechen kann. Doch heute ist inzwischen jede Darmstädterin oder jeder Darmstädter eine Heinerin oder ein Heiner, wenn sie sich als solche fühlen. 

Heiner-Ampeln in Darmstadt eine Hommage an Helmut Lortz

Die neu gestalteten Ampeln sind zugleich eine Hommage an Helmut Lortz (1920-2007), der an diesem Samstag, 25. April, 100 Jahre alt geworden wäre und der die beiden Heinerfest-Maskottchen gezeichnet hat. Der renommierte Professor experimentelle Grafik an der Hochschule der Künstler in Berlin wurde mit Beginn der 1990er Jahre künstlerischer Gestalter des Heinerfests.

An Helmut Lortz komme an dieser zentralen Stelle in der Stadt „nun niemand mehr vorbei“, äußerte Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) am Donnerstag bei der Vorstellung und Enthüllung der beiden Ampeln. Der OB sagte: „Helmut Lortz zählte zu den wichtigsten Personen von Darmstadt, die unmittelbar nach der Nazidiktatur die zerstörte Stadt als weltoffenen und progressiven Kulturort neu aufgebaut haben“. „Dass wir hier nun einen der beiden vorhandenen Fußgängersignalgeber mit den von ihm entworfenen Heinerfestfiguren versehen können, ist eine gelungene Sache“, so Partsch.

Laut der entsprechenden Verwaltungsvorschrift der Straßenverkehrsordnung sei es jedoch wichtig, dass die Ampeln deutlich anzeigten, wann man stehen soll oder gehen darf. Dies sei an dieser Stelle gesichert, da parallel eine gesetzeskonforme Regelung vorhanden ist. An dem Übergang über die Zeughausstraße im Zuge der Bundesstraße 26 hängen somit gleich vier Fußgängerampeln.

Heimatverein initiierte die Heiner-Ampeln in Darmstadt

Initiiert wurden die neuen Ampeln, die symbolisch auch die Darmstädter Identität zum Ausdruck bringen sollen, vom Heimatverein Darmstädter Heiner, der auch das Heinerfest veranstaltet. Sabine Welsch, die Geschäftsführerin des Heimatvereins, berichtete, dass Lortz mit wenigen Strichen zunächst den „Heinerbub mit Batschkapp“ und einem Herz mit der Aufschrift „Kommt alle!“ entworfen habe. Zwei Jahre später habe er dem Buben dann ein Mädel zur Seite gestellt und schließlich sei daraus eine ganze Heinerfestfamilie geworden. Die Heiner-Eltern seien zwar im Laufe der Jahre wieder in der Schublade ihres Erfinders verschwunden. „Doch die beiden kleinen Heiner treiben auch über zehn Jahre nach dem Tod ihres Schöpfers weiterhin ihre Kapriolen in Darmstadt, wie man nun auch an der ersten Heiner-Ampel sehen kann“, so Welsch.

Festpräsident Wolfgang Koehler äußerte, die neuen Ampeln sollten in der derzeitigen Corona-Krise auch „eine kleine Aufheiterung“ für die Passanten sein, wenn sie aus Richtung des Karolinenplatzes und des Landesmuseums in Richtung des neu gestalteten Friedensplatzes oder umgekehrt unterwegs seien. Auf dem Friedensplatz befindet sich beim Heinerfest üblicherweise der „Alle Welt Treff“, wo sich auch die Darmstädter Partnerstädte an ihren Ständen präsentieren.

Ampelfiguren in vielen deutschen Städten

Mit der Heiner-Ampel fügt sich Darmstadt nach einer Mitteilung der Stadt in die Reihe der deutschen Städte mit eigenen Ampelfiguren ein:

Augsburg: Puppenkiste(Clown)-Ampel

Bremen: Stadtmusikanten-Ampel

Duisburg: Kumpel-Ampel

Emden: Otto-Ampel

Erfurt: verschieden ausgestattete Ampelmännchen

Frankfurt, Marburg u.a.: Homo-Ampelmännchen

Friedberg/Bad-Nauheim: Elvis-Ampel

Fulda: Bonifatius-Ampel

Hanau: Brüder-Grimm-Ampel

Hannover: Engel- und Rentier-Ampel (zum Weihnachtsmarkt)

Mainz: Mainzelmännchen-Ampel

Marburg: Dienstmann Christian-Ampel

Neuss: Schützen-Ampelmännchen

Sachsenhausen: Frau Rauscher-Ampel

Siegen: Henner- und Frieder-Ampel

Trier: Karl Marx-Ampel

Worms: Martin Luther-Ampel

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