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Grüne Oasen im Hinterhof

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Rundgänge durchs sanierte Martinsviertel gibt es zum Tag der Städtebauförderung in Darmstadt.

Viel Grün, einen Teil der alten Stadtmauer und vor allem viel Ruhe gibt es im Innenhof der Magdalenenstraße 17 zu erleben. Zumindest, wenn man Anwohner eines der den Hof umschließenden Gebäude ist. Einen Blick in diesen privaten Hof durften die Besucher der Führungen durch das Martinsviertel zum Tag der Städtebauförderung am Wochenende werfen.

„Gemeinschaftsanlage“ nennt sich der Innenhof, im Zuge der Sanierung des Martinsviertels wurden mehrere solcher Anlagen eingerichtet. „Vorher waren hier Garagentore und eine Werkstatt“, sagt Werner Hochrein, der im Magdalenenblock wohnt. Die Stadt hatte die Umgestaltung gezahlt, nun kümmern sich die Bewohner um die Pflege.

Der private Hinterhof ist nur eine von mehreren Stationen im Martinsviertel. Während in anderen Teilen der Stadt noch Programme zur Verbesserung der Lebensqualität in den Vierteln aktiv sind, hat sich die Stadt zum Tag der Städtebauförderung für einen Rückblick auf das erste Projekt seiner Art entschieden.

Die Sanierung Eine Broschürezur Sanierung des Martinsviertels liegt in der Stadtinfo am Luisencenter aus und kann unter www.darmstadt.de heruntergeladen werden.

„Eigentlich wurde die Sanierungssatzung für das Martinsviertel am 1. Juli 2016 aufgehoben, aber erst mit der Eröffnung des Kinder- und Jugendzentrums in der Pankratiusstraße ist die Sanierung richtig beendet“, sagt Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne). Für eine Ausstellung zur Sanierung öffnete das erst vor wenigen Wochen fertiggestellte Zentrum noch vor dem offiziellen Eröffnungstermin seine Türen. „Schick“, war ein oft gehörtes Wort beim Rundgang der Besucher durch das Erdgeschoss.

Partsch erinnerte daran, dass durch die Diskussion um die Osttangente in den 60er und 70er Jahren großer Sanierungsstau im Martinsviertel herrschte, Häuser waren heruntergekommen, es gab oft kein Warmwasser aus der Leitung. „Als ich hier ins Viertel zog, gab es noch im Haus Toiletten auf der Zwischenetage, in die Vorratskammern hinter der Küche wurden dann Duschen eingebaut“, erinnert sich Angela Eichenauer von der Stadtplanung.

Bürgerproteste änderten den ursprünglichen Plan der Stadt, große Teile abzureißen. Statt einer Schnellstraße und Betonhochhauswänden sollten möglichst viele alte Gebäude erhalten und saniert werden. Zugleich wurden die Bewohner in einer damals nicht gekannten Weise in die Planungen eingebunden, Vorbild für die heutigen Bürgerbeteiligungen.

„Wir haben für jedes Haus einen Sozialplan erstellt “, sagt Volker Sahr, ehemaliger Modernisierungsberater der Stadt. „Worauf wir alle stolz sind: Gegen seinen Willen wurde kein Mieter durch die Sanierung vertrieben“, sagt er.

Von 1972 an wurde das Gebiet deutlich aufgewertet. 56 städtische und 35 private Häuser wurden saniert, sechs Spielplätze eingerichtet, 59 Plätze und Straßen umgebaut. „Dafür mussten über 35 Baupläne neu erarbeitet werden“, sagt Stadtplaner Jochen Krehbiel. 45 Millionen Euro wurden verbaut, der Bund förderte die Sanierung zu 40 Prozent. Ausgaben die sich gelohnt haben, wie Krehbiehl findet: Das Martinsviertel sein Muster für gelungene Sanierung.

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