Sebastian Pflugbeil ist stellvertretender Amtsleiter des Gesundheitsamts Darmstadt.
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Sebastian Pflugbeil ist stellvertretender Amtsleiter des Gesundheitsamts Darmstadt.

Corona

Gesundheitsamt Darmstadt: „Wir müssen mit dem Virus leben“

  • Claudia Kabel
    vonClaudia Kabel
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  • Jens Joachim
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Der Vizeleiter des Gesundheitsamts Darmstadt warnt: Eine komplette Lockerung der Corona-Maßnahmen wären genauso falsch, wie sich zu Hause einzuschließen. 2000 Quarantänefälle sind bisher im Landkreis Darmstadt-Dieburg bekannt.

Nach gut zwölf Wochen Corona-Pandemie hat der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamts Darmstadt, Sebastian Pflugbeil, am Montag Bilanz gezogen: Der Shutdown sei „absolut richtig“ und „gut geregelt“ gewesen, sagte er im Gespräch mit dem Landrat des Landkreises Darmstadt-Dieburg, Klaus Peter Schellhaas (SPD), auf dem Portal Instagram. Dadurch habe man keine Menschen sterben lassen müssen und sei um Ausgangssperren herumgekommen.

Die jetzige Phase der Lockerung wird seiner Ansicht nach noch einige Zeit anhalten. Das Wiederhochfahren sei nötig, sagte Pflugbeil, warnte jedoch vor Extremen wie dem Ruf, sofort alles zu lockern. Sich zu Hause einzuschließen könne jedoch nicht die Alternative sein. „Wir werden mit der Viruskrankheit leben müssen.“ Wenn die Politik weniger reguliere, hänge mehr an der Eigenverantwortung des Einzelnen.

Das komplette Gespräch

Das komplette Gespräch mit Sebastian Pflugbeil, zu dem Landrat Klaus Peter Schellhaas geladen hatte, gibt es nicht nur auf Instagram unter dem Profil @pitschellhaas, sondern auch auf der Facebookseite des Landrats unter https://www.facebook.com/klaus.p.schellhaas

Im Landkreis hätten die bislang etwas mehr als 400 Covid-19-Fälle 2000 Quarantänefälle verursacht, berichtete Pflugbeil. Um alle Kontakte eines positiv Getesteten nachzuverfolgen, sei „richtige Detektivarbeit“ nötig. Geschafft habe man dies nur, weil andere Aufgaben des Gesundheitsamts, etwa die Kinder- und Jugenduntersuchungen, brachgelegen hätten. Zudem hätten 35 externe Kräfte die für Landkreis und Stadt zuständige Behörde unterstützt.

Kritisch sieht Pflugbeil den von der Bundesregierung vorgegebenen Inzidenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern in sieben Tagen. Zu Hochzeiten der Pandemie im April habe der Wert im Landkreis bei 20 gelegen. „Wir müssen weit vor der 50 agieren“, betonte Pflugbeil und liegt damit auf einer Linie mit Vertretern anderer Gesundheitsämter.

Labore müssen bestätigte Fälle den Gesundheitsämtern melden, die diese an das Sozialministerium weiterleiten. Dabei kommt es manchmal zu unterschiedlichen Zahlen. Der Leiter des Darmstädter Gesundheitsamts, Jürgen Krahn, teilte auf FR-Anfrage mit, er sehe eine mögliche Fehlerquelle darin, dass bis zu 20 Mitarbeiter Einträge in der Melde-Software vornehmen. So könnten Fehler etwa bei der Differenzierung zwischen Darmstadt und Darmstadt-Dieburg entstehen. „Dies kompensieren wir dadurch, dass wir ‚Daten-Inventuren‘ vornehmen, die bisher auch meistens zu Korrekturen geführt haben.“

Für Darmstadt listete das Ministerium am Dienstag 222 Infektionsfälle auf; die Stadt sprach nur von 214 Fällen.

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