Die Fahrten der Regionalbahnlinie 75 zum Darmstädter Hauptbahnhof kosten viel Zeit.
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Die Fahrten der Regionalbahnlinie 75 zum Darmstädter Hauptbahnhof kosten viel Zeit.

Darmstadt

Gegen neue Zuglinie zwischen Wiesbaden und Aschaffenburg

  • Jonas Nonnenmann
    vonJonas Nonnenmann
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  • Jens Joachim
    Jens Joachim
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Die Grünen wollen auf der Bahnstrecke zwischen Wiesbaden und Aschaffenburg eine neue Verstärkerlinie einführen, die aber den Darmstädter Hauptbahnhof auslassen soll. Die Odenwaldbahn-Initiative fordert hingegen mehr Fahrten auf der bestehenden Regionalbahnlinie 75.

Als „interessanten Beitrag“ bezeichnet die Odenwaldbahn-Initiative einen Prüfantrag der Grünen, über den in der nächsten Woche in der Verbandsversammlung der Darmstadt-Dieburger Nahverkehrsorganisation (Dadina) abgestimmt werden soll.

Laut einer entsprechenden Beschlussvorlage, die am Donnerstag, 18. Juni, während der nächsten Sitzung der Verbandsversammlung beraten wird, soll der Dadina-Vorstand beauftragt werden, gemeinsam mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund die „Einführung einer beschleunigten Verstärkerlinie RB 74 in der Hauptverkehrszeit auf der Verbindung Wiesbaden-Aschaffenburg ohne Halt in Darmstadt Hauptbahnhof zu prüfen und zu erproben“.

Vorbild Verstärkerlinie RE 9

Die Grünen in der Verbandsversammlung begründen ihren Vorschlag damit, dass bereits seit Ende 2018 auf der Verbindung aus dem Rheingau über Wiesbaden-Biebrich nach Frankfurt die beschleunigte Verstärkerlinie RE 9 als Ergänzung zur regulären Linie RE 10 existiert. Durch Auslassen des Wiesbadener Hauptbahnhofs seien Pendlerinnen und Pendler neun Minuten schneller in Frankfurt. Zugleich könnten vom Halt in Wiesbaden-Biebrich weiter viele Stellen in Wiesbaden gut erreicht werden.

Nach Angaben der Grünen beträgt die Fahrzeit auf der Linie 75 zwischen Wiesbaden und Aschaffenburg im Abschnitt zwischen dem Darmstädter Nordbahnhof, dem Darmstädter Hauptbahnhof und Weiterstadt 24 Minuten. Weil die Züge im Hauptbahnhof in Darmstadt wenden müssen komme es zu recht langen Wartezeiten. Die Grünen weisen darauf hin, dass eine direkte Gleisverbindung zwischen Weiterstadt und Darmstadt-Nord vorhanden sei und diese auch regelmäßig vom Güterverkehr genutzt werde.

15 bis 20 Minuten Zeitersparnis

Durch die Schaffung einer Verstärkerlinie mit einzelnen Fahrten zur Hauptverkehrszeit könne unter Auslassung des Darmstädter Hauptbahnhofs eine Beschleunigung von 15 bis 20 Minuten auf dem Abschnitt zwischen dem Darmstädter Nordbahnhof und Weiterstadt erreicht werden. „Damit werden attraktive Verbindungen für Pendler westlich von Darmstadt in Richtung Firma Merck und den Ostkreis und umgekehrt für Pendler aus dem nördlichen Darmstadt sowie dem Ostkreis in Richtung Groß-Gerau, Mainz und Wiesbaden geschaffen“, heißt es in der Beschlussvorlage.

Wie weit eine solche Verstärkerlinie sinnvoll in Richtung Osten fahren soll, müsse noch evaluiert werden. Möglicherweise reiche eine Führung bis nach Dieburg aus. Zur leichteren und schnellen Erprobung eines solchen Angebots sollen nach Auffassung der Grünen „bewusst Abstriche gegenüber der Vorgaben der Nahverkehrspläne in Kauf genommen werden und der Einsatz von Gebrauchtfahrzeugen ermöglicht werden“. Bei einer positiven Evaluierung sei die Linie dann „mit dem üblichen Fahrzeugstandard zu bedienen“.

RB 75: Initiative fordert mehr Fahrten

Anstelle der von den Grünen geforderten neuen Verstärkerlinie macht es laut Uwe Schuchmann von der Odenwaldbahn-Initiative allerdings mehr Sinn, die bereits vorhandenen Züge häufiger fahren zu lassen. Schuchmann fordert stattdessen einen lückenfreien, täglichen Halbstundentakt auf der Regionalbahnlinie 75 zwischen Wiesbaden und Aschaffenburg. Von den verbesserten Anschlüssen in Aschaffenburg, Babenhausen, Dieburg und Darmstadt hätten dann auch Fahrgäste der Odenwaldbahn Vorteile, so Schuchmann. 

Die erhöhte Frequenz sei auch mit den vorhandenen Zügen möglich. Gegen eine Verstärkerlinie RB 74 spricht laut Schuchmann, dass diese in Darmstadt-Nord nur Gleis 4 nutzen könnte, das zur Hauptverkehrszeit stark belegt sei. Ferner wären für eine neue Linie zusätzliches Personal und weitere Fahrzeuge nötig. Mehr Zugfahrten auf der bestehenden Linie RB 75 könnten zudem „deutlich einfacher und schneller“ realisiert werden, meint Initiativen-Sprecher Schuchmann.

Ebenfalls einen lückenfreien Halbstundentakt fordert die Initiative für die Regionalexpress-Linie 80 von Erbach nach Darmstadt. Auch dafür würden keine neuen Züge benötigt.

Die Linie RB 66 von Darmstadt nach Pfungstadt sollte laut Schuchmann „verdichtet“ werden. Dafür könnten Fahrzeuge der Odenwaldbahn genutzt werden.

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