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Vor dem Landgericht Darmstadt wird erneut gegen einen Mann verhandelt, der seine Geliebte getötet und im Wald bei Münster abgelegt haben soll.

Darmstadt

Frauenleiche bei Münster: Angeklagter zieht Geständnis zurück

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Eine Frankfurterin wird 2017 erwürgt im Wald bei Münster gefunden und ihr Geliebter zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Im Revisionsprozess zieht der Mann sein Geständnis zurück. Die PKK soll ihm gedroht haben.

Ein wegen Totschlags seiner Geliebten zu zwölf Jahren Haft verurteilter 54-Jähriger aus Breuberg (Odenwaldkreis) hat am Dienstag vor dem Landgericht Darmstadt sein Geständnis widerrufen. „Ich wurde von der PKK bedroht und wollte meine Familie schützen“, verlas die Verteidigung. Deshalb habe er beim Prozess 2018 die Tat gestanden. „Ich habe Frau G. nicht getötet“, behauptete der Mann jetzt. Sein Verteidiger sagte, dass er selbst ebenfalls Drohungen gegen sich und seine Familie erhalten habe und im Gericht körperlich attackiert worden sei.

Frauenleiche im Wald bei Münster

Im August 2017 war die 47-Jährige Frankfurterin kurdischer Abstammung tot im Wald bei Münster (Landkreis Darmstadt-Dieburg) gefunden worden. Die dreifache Mutter, die getrennt von ihrem Ehemann lebte, soll mit dem heute 54-Jährigen eine intime Beziehung geführt haben. Aus Eifersucht soll der fünffache Familienvater sie vor ihrer Wohnung in Bockenheim abgepasst und mit einem Auto zu einem Rastplatz gebracht haben. Er soll sie mit Medikamenten gefügig gemacht, sich an ihr sexuell vergangen und sie schließlich erwürgt haben. Der Bundesgerichtshof hatte das Urteil des Landgerichts Darmstadt auf Revision einer Nebenklägerin kassiert, weil nach seiner Auffassung auch eine Verurteilung wegen Mordes in Betracht komme.

"Sie war eine politische Frau"

Am zweiten Prozesstag ging es darum, welche Beziehung G. zu einem 44-jährigen Gastronom und früheren Vorsitzenden eines kurdischen Kulturvereins in Frankfurt hatte. „Sie war eine politische Frau“, sagte dieser. Die Frage, ob er einen früheren Insassen der JVA Weiterstadt dazu angestiftet habe, Druck auf den Angeklagten auszuüben, verneinte er. Allerdings betonte der Frankfurter Gastwirt, es sei schade, dass er nicht gewusst habe, dass G. mit diesem Mann, ein Verhältnis hatte. „Dann hätte ich gesagt, dass sie aufpassen soll, dass der Mann krank ist mit Frauen.“ Der Angeklagte habe mehrere Frauen aus der kurdischen Gemeinde angesprochen, so der Gastwirt. Er hätte ihn wegen einer solchen Geschichte auch aus dem Verein verwiesen. Er selbst habe die Getötete bei einer kurdischen Demo kennengelernt und sporadisch mit ihr Kontakt gehabt.

Auch ein ehemaliger Nachbar der Getöteten, ein 54-jähriger IT-Spezialist aus Karlsruhe, bestätigte, dass G. „politisch interessiert“ war. Sie habe ihre Verwandten verloren. Laut Verteidiger wurden ihre Brüder vom türkischen Militär umgebracht, weil sie der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) angehörten. Die PKK ist eine kurdische Untergrundorganisation und in Deutschland verboten.

Angeklagter fühlte sich betrogen

Weniger genau erinnern konnte sich ein 42-jähriger Trockenbauer aus Hainburg, der mit dem Angeklagten geschäftlich zu tun hatte. Diesem soll der Angeklagte laut Prozessunterlagen berichtet haben, dass seine Freundin ihn betrüge, und ihm Chatverläufe gezeigt haben. An solche Details konnte sich der Zeuge nun nicht mehr erinnern. Allerdings räumte er ein, dass der Angeklagte damals „vielleicht nicht in optimaler psychischer Verfassung“ gewesen sei. Er selbst habe ihn nicht so gut gekannt und sich gewundert, warum er ihm von den Problemen mit seiner Freundin erzähle.

Der Prozess wird fortgesetzt.

Mehr dazu: War es doch Mord? Prozess um getötete Geliebte wird in Darmstadt neu aufgerollt

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