Schilder weisen in der Heinrichstraße in Darmstadt auf das  geltende Diesel-Fahrverbot hin.
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Schilder weisen in der Heinrichstraße in Darmstadt auf das geltende Diesel-Fahrverbot hin.

Darmstadt

Fahrverbot in Darmstadt: Umwelthilfe droht mit Verschärfung

Trotz sinkender Messwerte gibt die Umwelthilfe nach einem Jahr keine Entwarnung für Darmstadt. Die Grünen wollen Tempo-30 zur Regel machen.

Seit 1. Juni 2019 gilt auf Abschnitten zweier Hauptverkehrsadern in Darmstadt ein Fahrverbot für alte Diesel und Benziner. Grund ist die zu dreckige Luft und die daraus resultierenden Gesundheitsgefahren für Anwohner. Die Bilanz von Umweltdezernentin Barbara Akdeniz (Grüne) nach einem Jahr: „Die Messwerte für Stickoxid gehen deutlich nach unten.“

Diese optimistische Einschätzung teilt die Deutsche Umwelthilfe (DUH) nur für die Heinrichstraße. Zwar seien die Werte in Darmstadt drastisch verbessert worden, doch gebe es in der Hügelstraße auch in den ersten vier Monaten 2020 keine Entwarnung, sagt Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. „Wir werden in den nächsten Tagen das Land auffordern, geeignete Maßnahmen zu ergreifen.“ Die Hügelstraße sei einer der schmutzigsten Orte Deutschlands. „Es gibt Vereinbarungen. Wenn keine neuen Änderungen kommen, werden wir Zwangsmaßnahmen einleiten.“ Denkbar sei eine Ausdehnung des Fahrverbots auf weitere Fahrzeugtypen oder auch Schritttempo in dem Abschnitt.

EU-Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm

In Darmstadt waren im Jahr 2018 Jahresmittelwerte an der Hügelstraße von knapp 50 Mikrogramm Stickstoffdioxid und an der Heinrichstraße von rund 54 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen worden.

Der EU-Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm. Im Mittel seien die Werte durch die Fahrverbote, kombiniert auch mit Tempo-30-Zonen, seit Juni 2018 um 30 Prozent gesunken. In der Heinrichstraße würden Messungen unterhalb der Grenzwerte liegen. Bei einem Passivsammler an der Hügelstraße noch nicht, sagt Akdeniz. „Wir wollen politisch fordern, Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit einzuführen. Davon würden die Sicherheit, der Lärmschutz und auch die Luft profitieren.“ Rechtlich gebe es aber Hürden.

Erschreckend ist die Bilanz der Verkehrssünder: Laut Auswertungen wurde das Fahrverbot bis in den April in mehr als 16 500 Fällen ignoriert.

Darmstadt ist die einzige hessische Stadt, in der es Fahrverbote gibt. Die DUH und die schwarz-grüne Landesregierung hatten sich darauf geeinigt. (dpa)

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