Darmstadt

Ehemalige Abhängige beraten Alkoholiker

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Die Caritas wirbt für ein Lotsen-Netzwerk im Rhein-Main-Gebiet, in dem ehemalige Alkoholabhängige als Berater fungieren.

Nur zehn Prozent der Menschen mit einem Alkoholproblem finden den Weg ins Beratungssystem. Das sagte Caritas-Direktor Ansgar Funcke am Dienstag bei der Jahrespressekonferenz des katholischen Wohlfahrtsverbands in Darmstadt. Um bei diesem Tabuthema an die Betroffenen heranzukommen, baue die Caritas derzeit flächendeckend das Lotsen-Netzwerk Rhein-Main aus. Dabei fungieren ehemalige Alkoholabhängige als Berater. Bundesweit gibt es zehn solcher Netzwerke. Der Caritasverband Darmstadt ist in Südhessen der einzige Anbieter.

Als Lotsen fungieren ehemalige Alkoholabhängige, die mindestens zwei Jahre clean sind, oder Angehörige. Derzeit gibt es 55 ausgebildete Lotsen, die bisher unter anderem im Klinikum Darmstadt sowie den Krankenhäusern in Riedstadt, Rüsselsheim, Groß-Gerau und Groß-Umstadt ehrenamtlich aktiv sind. „Die Alkoholproblematik fällt meist durch eine Zweitdiagnose auf“, sagt Lotsen-Koordinatorin Christine Müller vom Caritas-Suchthilfezentrum. Zum Beispiel wenn jemand stürze und mit einem Beinbruch ins Krankenhaus komme. Nach Absprache mit dem Betroffenen meldet sich die Einrichtung beim Netzwerk und dieses vermittelt einen Berater. Aufgrund der eigenen Erfahrung mit der Suchtkrankheit finde der Lotse leichter Zugang und könne dazu motivieren, eine Therapie zu machen oder zu einer Selbsthilfegruppe zu gehen, so Müller. Das Netzwerk arbeite auch mit anderen Selbsthilfeverbänden zusammen.

Derzeit sind laut Müller noch Kapazitäten für Begleitungen frei. Auch andere Einrichtungen als Krankenhäuser könnten Lotsen für Alkoholabhängige oder deren Angehörige anfragen.

Kontakt: Christine Müller, Telefon 06151 / 5002 847. Infos im Internet: lotsennetzwerk.de/lotsennetzwerke

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