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Am Samstag gestalteten Mieter der Moltkestraße Plakate, auf denen sie für den Erhalt der Wiese werben.

Darmstadt

Dialog statt Konfrontation

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Mieterinitiative und Vonovia wollen über die Wiese in der Moltkestraße in Darmstadt verhandeln.

Sonderlich groß ist die Fläche nicht, um die seit einigen Wochen gestritten wird: Über die Zukunft der Wiese hinter dem Mehrfamilienhaus in der Moltkestraße 50 nahe des Südbahnhofs gibt es zwischen Mietern und dem Eigentümer, dem Wohnungsunternehmen Vonovia, unterschiedliche Vorstellungen.

Während die Mieter gern den Status quo bewahren und die Wiese gern weiter als Freifläche zum Toben für Kinder oder zum Wäschetrocknen nutzen möchten, plant Vonovia dort unter anderem den Bau neuer Stellplätze. Die Anliegen beider Seiten sind jeweils nachvollziehbar: Einerseits zieht es immer mehr Menschen in die Stadt und dadurch verschwinden Freiflächen, andererseits werden neue Stellplätze für Autos oder Räder der neuen Einwohner benötigt.

Das Wohnungsunternehmen Vonovia hat seinen Sitz in Bochum und verfügt deutschlandweit über 357 671 Mietwohnungen.

In Darmstadt besitzt das Unternehmen knapp 1500 Wohnungen. Für die kommenden Monate plant Vonovia, an bestehenden Wohnhäusern durch Dachgeschossaufstockung zusätzliche Wohnungen zu schaffen. In Kranichstein ist zudem im Lerchenweg der Neubau eines Hauses mit rund 18 Wohnungen geplant. som

In einer Initiative haben sich die Mieter der Moltkestraße organisiert und wollen sich für den Erhalt der Wiese einsetzen. Am Mieterfest von Vonovia in der Wilhelmstraße wollten sie am Samstag ursprünglich für ihr Anliegen protestieren, besannen sich aber anders: Ende vergangener Woche einigten sich Vertreter der Initiative und von Vonovia auf einen Dialog, um einen Kompromiss auszuhandeln. „Demokratie lebt von Dialog“, schreibt die Initiative und sagte den Protest daher ab. „Es ist gut, dass im Vorfeld deeskaliert wird, so können wir konstruktiv in die Gespräche einsteigen“, sagt Robert Wagner, Objektbetreuer von Vonovia. Am Donnerstag wollen sich beide Seiten treffen und nach einem Kompromiss suchen.

Tatsächlich ist bemerkenswert, dass beide Seiten, obwohl hier wie dort feste Vorstellungen über die Zukunft der fraglichen Fläche bestehen, den Streit entschärfen: Bei anderen Streitigkeiten in den vergangenen Monaten im Rhein-Main-Gebiet, sei es die geplante Feuerwehrzusammenlegung in Mörfelden-Walldorf oder der Sandabbau in Dietzenbach, wurde die Bereitschaft zum Dialog vermisst. Dass beide Seiten nun die Wichtigkeit eines Dialogs betonen statt auf Konfrontation zu setzen, ist daher durchaus bemerkenswert.

Leicht dürften die Verhandlungen am Donnerstag aber nicht werden, laut Vonovia seien Carports, Fahrradstellplätze, eine neue Einfriedung und ein Sammelplatz für die Abfalltonnen für die Moltkestraße notwendig. Die Mieter unterdessen möchten unbedingt die Grünfläche erhalten und malten Protestplakate, die sie im und am Haus aufgehängt haben und in denen der Schutz der Wiese gefordert wird. „Wir wollen Grün im Quartier“ ist dort etwa zu lesen.

Wagner gibt sich aber zuversichtlich, dass sich eine Lösung finden werde. „Es gibt ja Spielraum für Verhandlungen und manche Dinge lassen sich vielleicht auch anders gestalten“, sagt er. Das Wohnungsunternehmen setze zudem auf Dialog, was sich auch am Mieterfest zeige: Das wurde am Samstag erstmals in Darmstadt gefeiert und soll der Anonymität in Wohnsiedlungen entgegenwirken. Bei Musik und BMX-Vorführungen konnten sich Mieter und Mitarbeiter kennenlernen. Seit drei Jahren unterhalte Vonovia zudem ein Büro in der Karlstraße, um so einen besseren Kontakt zu den Mietern zu halten.

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