+
Saitenblick: Auf der Bühne im Großen Haus des Staatstheaters Darmstadt stehen hohe Acrylglasscheiben für die Blasmusiker bereit. 

Darmstadt

Vorsichtiger Neubeginn am Staatstheater Darmstadt

  • schließen

Erste Vorstellungen im Haus am Georg-Büchner-Platz in Darmstadt soll es von Ende Mai an mit mindestens hundert Zuschauern geben. Zugleich sollen auch künftig digitale Angebote produziert werden.

Die wegen der Corona-Krise unterbrochene Spielzeit des Staatstheaters Darmstadt wird in zwei Wochen, am Freitag vor Pfingsten, 29. Mai, mit einem an die derzeitigen Erfordernisse angepassten Programm dezent fortgesetzt. Wie Intendant Karsten Wiegand am Mittwoch im Gespräch mit der FR sagte, hat das Theaterensemble bereits für fast zwei Wochen vorgezogene Ferien genommen. Diese Zeit soll später dafür genutzt werden, um wieder mehr Angebote zu machen, wenn dies dem Theater möglich ist.

Weil viele Reinigungskräfte des Hauses zu den Risikogruppen zählen, haben sich inzwischen Sängerinnen und Sänger des Hauses bereiterklärt, die Theaterräume regelmäßig zu putzen. Intendant Wiegand verspürt unter den rund 550 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern derzeit eine große Solidarität.

Digitales Alternativprogramm am Staatstheater Darmstadt

Das derzeitige digitale Alternativprogramm des Theaters reicht von der digitalen Produktion „Lockdown“, die in einer Berliner Wohnung hergestellt wird, über den Videoblog „Die tägliche Dosis“, um Einblicke in beliebte Theaterformate und geplante Produktionen zu geben, bis hin zum Onlineangebot„Talks - Trainings - Tasks“ des Hessischen Staatsballetts und dem Format „Vitamin L“, bei dem Schauspieler zeitgenössische Literatur lesen.

Nach den Worten Wiegands wird es vom 29. Mai an in begrenztem Umfang wieder Konzerte, Ballett und Musiktheater geben. In den roten Sitzen im Großen Haus dürfen dann – mit genügend Sicherheitsabstand und nach einem ausgeklügelten Hygieneplan – mindestens 100 Besucherinnen und Besucher Platz nehmen.

Bei der Kartenvergabe ist ein Vorbuchungsrecht für jene Menschen geplant, die ein Abonnement haben, Karten für abgesagte Vorstellungen gespendet oder in Gutscheine umgewandelt haben.

Staatstheater Darmstadt: Konzerte in wechselnden Besetzungen

Derzeit gibt es Wiegand zufolge auch Überlegungen, ein Sinfoniekonzert gleich mehrmals und parallel im Kleinen und Großen Haus mit wechselnden und kleineren Besetzungen aufzuführen. So könnten an einem Tag möglicherweise 600 Menschen klassische Musik live erleben.

Ein Freiluftkonzert auf dem Georg-Büchner-Platz kann sich Wiegand derzeit nicht vorstellen, weil es schwierig sei, die Abstandsregeln einzuhalten. Allerdings sei geplant, auf der Terrasse in Kooperation mit der Hessischen Spielgemeinschaft den „Sommernachtstraum“ von Shakespeare in einer komprimierten Version und eventuell zweimal abends aufzuführen, um mehr Besuchern eine Teilnahme zu ermöglichen.

Theater plant Bühnen- und Filmfassungen

Am Theater werden derzeit Produktionen in zwei Versionen vorbereitet – zum einen für die begrenzte Zahl an Zuschauern, die live dabei sein können, und zum anderen digitale Varianten für den heimischen Bildschirm. Geplant sind Aufführungen des Liederzyklus „Dichterliebe“ nach Robert Schumann von Christian Jost sowie die für die Kammerspiele geplanten Premieren von „Seymour“ und „Ich schaue Dich an“.

Angesichts der begrenzten Platzkapazitäten sollen nach den Worten Wiegands in den nächsten Monaten weiter digitale Formate angeboten werden, um auch jene Menschen zu erreichen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht ins Theater kommen können oder weil sie dies derzeit nicht wollen.

Das Staatstheater Darmstadt hat sich bewusst dazu entschieden, zunächst keinen Plan für die nächste Spielzeit 2020/21 zu präsentieren, die unter dem Motto „Komm ins Offene“ stehen wird. Die Krise sieht Wiegand auch als „Chance“, das „Theater als einen kreativen Raum für Imagination“ weiterzuentwickeln.

Infos im Internet: www.staatstheater-darmstadt.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare