Eine Rekonstruktionszeichnung zeigt, wie die Spinne ausgesehen haben könnte.
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Eine Rekonstruktionszeichnung zeigt, wie die Spinne ausgesehen haben könnte.

Darmstadt

Forscher aus Darmstadt entdecken Spinne aus der Urzeit

  • Claudia Kabel
    vonClaudia Kabel
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Bei Grabungen in der Grube Messel machte das Landesmuseum Darmstadt einmal wieder spektakuläre Funde. Der jüngste ist 48 Millionen Jahre alt.

Mitarbeiter des Hessischen Landesmuseums Darmstadt bargen bei Grabungen 2019 auch ein 1,20 Meter großes Krokodil.

Spinne? Lautete der Vermerk im Grabungsbuch zu einem schwarzen Stein, auf dem ein ebenfalls schwarzes Fossil zu erkennen war. Gerade einmal 20 Millimeter misst das plattgedrückte Insekt. Und doch ist es eine kleine Sensation. „Wir konnten hier eine neue Gattung und eine Art aufstellen, die bislang weltweit einmalig ist “, sagt Torsten Wappler im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Der Paläontologe ist am hessischen Landesmuseum Darmstadt für die Grabungen in der Grube Messel zuständig.

Weltweit zum ersten Mal in der Grube Messel gefunden: Lutetiana neli – eine Gebirgstrichterspinne.

Eine studentische Hilfskraft fand das 48 Millionen Jahre alte Fossil bei den Grabungen 2019. „Eine so gut erhaltene Spinne ist etwas Besonderes“, sagt Wappler. Meistens seien sie mit Eisensulfid überzogen, was eine genauere Bestimmung verhindere. Dieser Fund stelle eine erfreuliche Ausnahme dar, da man die Spinne näher untersuchen konnte. Dies wurde in Kooperation mit Kollegen der Universität Kansas realisiert. Getauft wurde die Spinne auf den Namen Lutetiana neli. Wobei sich der Gattungsname von „Lutetia“, dem antiken Namen von Paris, ableitet. Zugleich bezeichnet ‚Lutetium‘ die Stufe für das Alter der Gesteinsschichten in Messel. Obwohl nur von der Bauchseite erhalten, ließ sich das Fossil aufgrund von bestimmten Körper- und Beinmerkmalen wie Behaarung und Krallen näher bestimmen, so dass Luteiana neli mit großer Wahrscheinlichkeit in die Gruppe der Gebirgstrichterspinnen (Cybaeidae) gestellt werden könne, teilte das Landesmuseum mit.

Diese Art führt eine versteckte Lebensweise und baut kleine Fangnetzte. Sie bevorzugt meist feuchte, beschattete Lebensräume, wie sie im damaligen Ökosystem Grube Messel zahlreich vorhanden gewesen sind.

Fossiles Krokodil in der Grube Messel gefunden

Das entdeckte fossile Krokodil wurde bereits präpariert.

Die Spinne war aber nicht der einzige spektakuläre Fund: Auch ein 1,20 Meter großes Krokodil wurde am vorletzten Tag der Grabungen 2019 entdeckt. „Wir hatten Glück“, sagt Wappler, denn zunächst seien nur drei Schwanzwirbel gefunden worden – wiederum von einer der elf studentischen Hilfskräfte, die an den Ausgrabungen teilnahmen. Der komplette Rest des Fossils sei dann am nächsten Tag in einer Europaletten großen Platte geborgen worden, die sich direkt neben der ersten Grabungsstelle befunden habe. Das Fossil, das zu den Rundzahnkrokodilen gehört, ist laut Wappler in Messel schon bekannt. Es sei aber der größte Fund in der letzten Zeit gewesen.

Anders als die Spinne, die jetzt in Glycerin lagert, ist das auf dem Rücken liegende Krokodil schon präpariert und sollte eigentlich bereits im Landesmuseum Darmstadt gezeigt werden. Wegen der Corona-Pandemie musste die Präsentation jedoch ausfallen.

Nachdem die Grabungen im Weltnaturerbe Grube Messel 2017 und 2018 ausgesetzt worden waren, stellte sich 2019 laut Landesmuseum als „ein erfolgreiches Grabungsjahr“ dar. 78 000 Funde sind laut Grabungsleiter Wappler gemacht worden. Die meisten seien Pflanzenreste und Koprolithen - also fossile Exkremente – gewesen. 300 Funde seien – wie das Krokodil – in die Präparation gegangen.

Ob in diesem Jahr die Ausgrabungen von August bis September wie gewohnt stattfinden, „können wir bislang noch nicht final sagen“, erklärt Wappler. Genügend Anmeldungen – auch von Studierenden aus Italien – lägen bereits vor, sagt Wappler.

Seit 1966 werden planmäßige Grabungen im Unesco-Weltnaturerbe-Denkmal unternommen.

Die Grube Messel bei Darmstadt: Fenster zur Urzeit

Die Fossillagerstätte Grube Messel bei Darmstadt wurde 1995 in die Unesco-Welterbeliste aufgenommen. Sie gibt Aufschluss über die frühe Evolution der Säugetiere und dokumentiert die Entwicklungsgeschichte der Erde vor 48 Millionen Jahren .

Das hessische Landesmuseum Darmstadt besitzt eine der weltweit bedeutendsten Messel Sammlungen. Diese umfasst neben Funden wie „Ameisenbären“ ,und „Urpferdchen“, auch Material aus der Grube Prinz von Hessen.

Der Museumsverein Messel zeigt auf seiner Webseite (messelmuseum.de) Eindrücke von der Grube, dem Ort Messel und den Entdeckungen.

Im Moment sind die Tore zur Grube geschlossen. Auf grube-messel.de werden wöchentlich Themenschwerpunkte und Gewinnspiele veröffentlicht. 

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