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Formvollendet: Dick- wie dünnwandige Vasen für die WMF aus den Fünfzigerjahren. 

Darmstadt

Darmstadt: Wagenfeld-Schau zeigt Design von Alltagsgegenständen

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Eine Ausstellung im Institut für Neue Technische Form über den Bauhäusler Wilhelm Wagenfeld würdigt seine exzellenten Entwürfe von Lampen, Vasen und Geschirr.

Walter Gropius, der Mitbegründer des Bauhauses in Weimar, war 1964 voll des Lobes, als er Wilhelm Wagenfeld folgendes schrieb: „Ich kannte schon einige Ihrer Produkte, zum Beispiel die Lampen und Gläser. Sie glauben nicht, wie befriedigend es für mich ist, zu sehen, wie konsequent Sie die Bauhausidee zu überzeugender Realität gebracht haben. Niemand anders ist so weit gegangen“, urteilte Gropius über die Arbeit Wagenfelds, der 1923 in die Metallwerkstatt am Staatlichen Bauhaus in Weimar unter László Moholy Nagy eingetreten war und der von 1928 bis 1930 die Nachfolgeinstitution, die Staatliche Bauhochschule, geleitet hatte. Und fast schon prophetisch schrieb Gropius, er wünsche Wagenfeld „mehr und mehr durchschlagenden Erfolg“.

Der Brief ist Teil einer Ausstellung, in der das Institut für Neue Technische Form (Intef) zahlreiche Gebrauchsgüter zeigt, die der bekannte Designer kreiert hatte. „Wilhelm Wagenfeld – Lebensnotwendigkeiten des Alltags“ lautet der Titel der Ausstellung zum zu Ende gehenden Bauhausjahr, die Ute Schauer mit Exponaten des Intef und der Designcollection Maxheimer/Schneider konzipiert hat.

Wilhelm Wagenfeld

In Bremenwurde Wilhelm Wagenfeld am 15. April 1900 geboren. Nach Stationen in Weimar, Berlin und Weißwasser entwickelte die „Werkstatt Wagenfeld“ von 1954 bis 1978 Gebrauchsgüter für etliche Industrieunternehmen. Wagenfeld starb am 28. Mai 1990 in Stuttgart.

Die Ausstellung„Wilhelm Wagenfeld – Lebensnotwendigkeiten des Alltags“ kann vom 2. Januar bis zum 23. Februar dienstags bis samstags von 11 bis 17 Uhr, sonntags bis 14 Uhr im Institut für Neue Technische Form am Darmstädter Friedensplatz besichtigt werden.  

institut-fuer-neue-technische-form.de

Qualität zu kleinen Preisen

Präsentiert wird in den Ausstellungsräumen am Darmstädter Friedensplatz eine große Bandbreite von Produktentwürfen Wagenfelds, der als einer der bedeutendsten Pioniere des deutschen Industriedesigns gilt. Bereits vor 45 Jahren hatte das Intef in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Landesmuseum eine Ausstellung über Wagenfeld gezeigt, die eine Retrospektive seines Lebenswerks war. Dem Bauhäusler Wagenfeld ging es laut Ausstellungskuratorin Schauer „um die Integration von Kunst und Technik im Industrieprodukt und um gesellschaftliche Verantwortung“. Er habe „höchste Qualität, gute Gestaltung und lange Gebrauchstüchtigkeit“ für die von ihm und seinen Mitarbeitern entworfenen Gebrauchsgegenstände gefordert – und das zu Preisen, die sich viele Menschen leisten konnten.

Wagenfeld hatte als Formgeber einen sehr hohen Anspruch und entwarf klare, zweckdienliche und schlichte Formen. Die von ihm designten Haus-, Küchen- und Tischgeräte, Bestecke, Porzellangeschirre, Gläser und Vasen gelten inzwischen als charakteristische Beispiele zeitgemäßer Form der 20er- bis 70er Jahre, die in vielen wichtigen Museen der Welt ausgestellt werden.

Auch in der Ausstellung des Intef dürfen seine 1924 in Weimar entstandene legendäre Bauhausleuchte, das 1931/32 für die Jenaer Glaswerke geschaffene gläserne Teeservice, seine 1952/54 für die Firma WMF entworfenen neuartigen Salz- und Pfefferstreuer sowie die formvollendeten Glasschüsseln aus feuerfestem Jenaer Glas oder die 1961 für WMF entwickelten ungewöhnlichen Vasen nicht fehlen, deren Form auch einzelnen Blumenstielen Halt gibt.

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