+
Der Prozess gegen das Paar aus Nigeria fand vor dem Landgericht Darmstadt statt.

Darmstadt

Darmstadt: Voodoo-Schwur in Nigeria folgt Zwangsprostitution - Paar bleibt in Haft

  • schließen

Das Landgericht Darmstadt hat einen Mann und eine Frau zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Als Teil eines Schleusernetzwerks soll das Paar junge Frauen auch sexuell ausgenutzt haben.

Wegen gewerbsmäßiger Zwangsprostitution hat das Landgericht Darmstadt einen 45-jährigen Mann und eine vier Jahre jüngere Frau aus Nigeria zu jeweils zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Paar zunächst in der Anklageschrift vorgeworfen, zwischen November 2014 und Anfang Oktober 2018 gemeinsam mit weiteren Tätern vier Frauen aus ihrem Heimatland nach Deutschland geschleust zu haben, um sie in verschiedenen Nachtclubs als Prostituierte arbeiten zu lassen. Weil drei der vier Frauen in ihren Zeugenaussagen jedoch recht wortkarg blieben, blieb nur noch der – aus Sicht von Oberstaatsanwalt Robert Hartmann – „gravierendste Fall“ einer jungen Nigerianerin übrig.

Skurrile Voodoo-Zeremonie: Frau muss Herz von geschlachtetem Hahn essen 

Wie der Vorsitzende Richter Daniel Kästing am Mittwoch bei der Urteilsbegründung sagte, musste die junge Frau in Nigeria in einer von einem Voodoo-Priester geleiteten Zeremonie einen Schwur leisten, ihre durch die Schleusung von Afrika nach Europa entstehenden Schulden zu begleichen. So habe sie in einem weißen Gewand und vor einem Altar das Herz eines frisch geschlachteten Hahns essen müssen. Zudem sei sie mit einer Klinge geritzt worden, und man habe ihr eingeredet, sie werde sterben, wenn sie das Geld nicht zahle oder ihre „Madame“ verrate.

Von Nigeria durch die Sahara über Libyen und das Mittelmeer nach Darmstadt

Auf dem Landweg führte der Weg der Frau durch die Sahara bis nach Libyen. Mit einem Schlauchboot gelangte sie dann über das Mittelmeer nach Italien, von wo aus sie der Angeklagte nach Deutschland brachte.

Hier musste sie sich in einem Eros Center im saarländischen Neunkirchen als Prostituierte verdingen. Binnen acht Monaten, so der Richter, habe sie 14 000 Euro an die beiden Angeklagten gezahlt, um die angeblich entstandenen Kosten der Schleusung in Höhe von 25 000 Euro zu begleichen.

Oberstaatsanwalt Hartmann forderte in seinem Plädoyer, die beiden Angeklagten zu einer dreijährigen Haftstrafe wegen gewerbsmäßiger Prostitution zu verurteilen. Martin Eilhardt und Christian Kunath, die beiden Anwälte des Mannes, forderten eine zweijährige Bewährungsstrafe für ihren Mandanten, Andreas Sanders, der Verteidiger der Frau, plädierte hingegen auf Freispruch. Sanders bestritt, dass seine Mandantin die Frau zur Prostitution gezwungen habe. Sie habe auch keine Gewalt ausgeübt oder angedroht.

Darmstadt: Richter spricht von gut organisiertem Schleuser-Netzwerk

Das sah Richter Kästing jedoch anders. Er hielt den Angeklagten vor, die prekäre Zwangslage der jungen Frau ausgenutzt und sie „wie eine Ware sexuell ausgebeutet“ zu haben. Dabei hätten sie eine gut organisiertes kriminelles Netzwerk genutzt, um die Frauen auch mit gefälschten Pässen nach Europa zu schleusen.

Zugleich hielt der Richter den Angeklagten vor, sich an der Nigerianerin bereichert zu haben, selbst Sozialhilfe kassiert und auch nach mehreren Jahren nicht die deutsche Sprache erlernt zu haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare