Darmstadt

Darmstadt: Villenkolonie wehrt sich gegen Funkmast

  • schließen

Eine neugegründete Bürgerinitiative fürchtet einen Eingriff in das Waldstück in Eberstadt und legt Widersprüche ein. Das 40 Meter hohe Bauwerk ist bereits genehmigt.

In Aufruhr sind die Bewohner der Villenkolonie in Darmstadt-Eberstadt: Ein 40 Meter hoher Mobilfunk-Antennenmast mit Technikstellplatz soll im Wäldchen „Der Pelz“ in unmittelbarer Nähe denkmalgeschützter Häuser gebaut werden.

Für dessen Errichtung muss ein kleiner Teil des Waldes innerhalb des Landschaftsschutzgebietes gerodet werden, wie aus der Baugenehmigung hervorgeht. Auch soll der Waldweg von der Heinrich-Delp-Straße zum Mast auf einer Länge von 230 Metern ausgebaut und künftig als Zufahrtsweg zur Wartung der Anlage genutzt werden. Das Vorhaben stellt laut Baugenehmigung zwar einen „Eingriff im Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes“ dar. Ein Ausgleich solle über den Erwerb von „28 800 Ökopunkten aus dem Ökokonto von Hessenforst“ hergestellt werden. Gegen den Bau der Mobilfunkbasisstation hat sich die Bürgerinitiative (BI) „Funkmast“ gegründet. „Wir haben das nur zufällig erfahren“, sagt Anwohnerin und BI-Sprecherin Christiane Eirich der FR. Weder Stadt noch Deutsche Funkturm GmbH, eine Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom, die den Mast errichten will, habe die Bürger informiert.

Denkmalschutz offenbar nicht einbezogen

Dass der Denkmalschutz offenbar nicht in den Genehmigungsprozess einbezogen wurde, treibt die BI besonders um. Dabei gilt die Villenkolonie laut Stadtlexikon als „perfektes Anschauungsobjekt für die unterschiedlichen Baustile der Epoche zwischen der Jahrhundertwende und dem Zweiten Weltkrieg“. Architekten wie Fritz Becker, Heinrich Metzendorf und Peter Müller entwarfen die großzügigen Häuser, die heute unter Denkmalschutz stehen. Ein Teil des Areals unterliegt dem Ensembleschutz.

Der Funkturm würde den „historischen Charakter der Gesamtanlage als Kulturdenkmal mit seinen Bezügen zur Umgebung unwiederbringlich zerstören, da er aus allen Richtungen weithin sichtbar wäre“, moniert die BI. Mit einer Höhe von 40 Metern überrage er die 12 bis 15 Meter hohen Häuser um das bis zu Dreifache und rage mindestens 20 Meter über den Baumbestand hinaus.

Auch werde in den geschützten Waldort eine Rodungsinsel geschlagen, die „gravierende Folge- und Randschäden durch Absterbe- und Sonnenbranderscheinungen“ schon jetzt voraussehen lasse. Die Behörden sehen indes „keine Beeinträchtigung des Charakters des Landschaftsschutzgebietes“.

Die Anwohner fürchten außerdem den Wegfall eines Trampelpfades, der täglich von Hunderten Schülern und Passanten genutzt werde, weil er direkt zur Haltestelle „Marienhöhe“ führt. Alle Versuche, mit der Stadt oder der Deutschen Funkturm GmbH in Dialog zu treten, seien bisher gescheitert, sagt Christiane Eirich.

Auch auf die Anfrage der Frankfurter Rundschau gab es bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe keine Reaktion. Gegen den Bau des Funkmastes haben laut Eirich bislang mindestens zehn Anwohner Widerspruch eingelegt. Weitere wollen folgen.

Am kommenden Samstag, 16. November, treffen sich die Betroffenen um 10 Uhr in den Räumen der Notarkanzlei Bruns, Am Elfengrund 82. Kontakt: buergerinitiative.funkmast@gmail.com

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare