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Im Namen des Volkes: Eine Figur der Justitia steht auf dem Dach des Darmstädter Justizzentrums am Mathildenplatz. Foto: Monika Müller

Darmstadt

Darmstadt: Verlobte erwürgt und zerstückelt

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Das Landgericht Darmstadt hat einen 35-Jährigen wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Nach der Urteilsverkündung fliegt der Mann aus dem Gerichtsaal.

Wegen Totschlags hatte ihn die Staatsanwaltschaft Darmstadt angeklagt, wegen Mordes ist nun am Donnerstag ein 35-Jähriger von der Elften Strafkammer des Landgerichts Darmstadt zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Die Kammer unter dem Vorsitz von Richter Volker Wagner sah es als erwiesen an, dass der Deutsch-Mexikaner in der Neujahrsnacht im Darmstädter Stadtteil Eberstadt seine 40 Jahre alte Verlobte erdrosselt und ihren Leichnam anschließend zerstückelt hat.

Kurz nachdem Richter Wagner am Donnerstagnachmittag damit begonnen hatte, das Urteil zu begründen, fing der 35-Jährige an, herumzupöbeln und fiel dem Richter ins Wort, indem er „Sie haben keine Ahnung“ und „Das ist totaler Schwachsinn“ rief. Als auch Pflichtverteidiger Andreas Sanders seinen Mandanten nicht beruhigen konnte, unterbrach Wagner zunächst die Sitzung. Anschließend schloss er den Verurteilten vom weiteren Verlauf aus und ließ ihn abführen. Als der Verurteilte den Gerichtssaal verließ, brüllte er noch das Wort „Faschostaat“.

Staatsanwältin Eva Wörner hatte schon vor einer Woche in ihrem Plädoyer gefordert, den Mann wegen Totschlags zu einer 13-jährigen Freiheitsstrafe zu verurteilen. Bereits in der vergangenen Woche hatte der Vorsitzende Richter nach dem Plädoyer der Staatsanwältin darauf hingewiesen, dass auch eine Verurteilung wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen in Betracht komme.

Der Verteidiger des Mannes plädierte am Donnerstag dafür, seinen Mandanten wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu verurteilen und ihn in einer Entzugseinrichtung unterzubringen. Ein konkretes Strafmaß nannte der Anwalt nicht. Die Nebenklage forderte, den Mann wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe zu verurteilen.

Richter Wagner bezeichnete in seiner Urteilsbegründung den Angeklagten als „Tyrannen“, der taktisch agiert und andere Menschen immer wieder manipuliert habe. Der Angeklagte habe mit oder ohne Drogen und Alkohol „seine Bedürfnisse und Begehrlichkeiten ausgelebt“, sagte der Vorsitzende.

Das Opfer habe er „auf das übelste misshandelt“. So hätten Gerichtsmediziner an dem zerstückelten Leichnam der Frau 62 Hämatome vor allem an Kopf und Hals festgestellt. Die Beziehung zwischen den beiden Drogenabhängigen sei durch Erniedrigungen, Gewaltexzesse und mehrfache Todesdrohungen des Angeklagten gegenüber der Getöteten geprägt gewesen.

Zeugen hatten in dem Prozess ausgesagt, dass der Mann seine Lebensgefährtin schon mehrmals mit dem Tode bedroht und auch angekündigt habe, die Frau zu zerstückeln und ihren Leichnam dann in einem Wald vergraben zu wollen.

Wagner warf dem Angeklagten vor, von einem „unbedingten Tötungswillen“ beseelt gewesen zu sein. Die gerichtsmedizinischen Untersuchungen hätten ergeben, dass die Frau durch massives Würgen des Halses getötet worden sei.

Der Angeklagte hatte nur gestanden, den Leichnam zerstückelt zu haben, den Tod der Frau jedoch mal als Unfall, mal als Folge einer Überdosis Drogen dargestellt. Vor der Urteilsverkündung hatte der 35-Jährige in seinen letzten Worten noch beteuert, er habe seine Lebensgefährtin „auf gar keinen Fall“ töten wollen. Es tue ihm „wahnsinnig leid“, was geschehen sei, und er schäme sich dessen, was er getan habe. Sein Verteidiger kündigte bereits unmittelbar nach der Urteilsverkündung an, Revision beantragen zu wollen.

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