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Unverhältnismäßig: Radlern steht derzeit auf dem City-Ring nur ein schmaler und ungeschützter Fahrstreifen zur Verfügung.

Darmstadt

Darmstadt: Unternehmer torpedieren beschlossene Radstrategie der Stadt

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Die Stadt Darmstadt will die Verkehrsführung auf dem City-Ring zugunsten von Radlern ändern. Autos sollen künftig nur noch auf zwei Spuren fahren. Die SPD plädiert für einen dezentraleren Nahverkehr.

Eine von der Stadt geplante Neuordnung der Verkehrsführung auf dem Darmstädter City-Ring zugunsten des Radverkehrs stößt bei Unternehmerverbänden und der Autofahrerlobby auf vehemente Kritik. Nach der Mittelstands- und Wirtschaftsunion des Darmstädter CDU-Kreisverbandswird die geplante Neuregelung auch von der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände für Darmstadt und Südhessen abgelehnt. Die SPD fordert indes, den öffentlichen Nahverkehr in der Innenstadt zu dezentralisieren.

Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) hatte jüngst in einer Antwort auf eine Anfrage des Stadtverordneten Werner Krone (DKP) in Aussicht gestellt, die Fahrspuren auf der Zeughausstraße im Verlauf der Bundesstraße 26 und im Abschnitt zwischen dem Karolinenplatz, dem Hessischen Landesmuseum und dem Friedensplatz von derzeit drei auf zwei Fahrspuren für den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren. Partsch hält diese Lösung für „wünschenswert“, um dort „großzügige Querungsangebote“ für Fußgänger und Radfahrer zu schaffen. Der Darmstädter Magistrat prüfe derzeit diese Option, um die Radinfrastruktur in der Stadt zu verbessern.

City-Ring in Darmstadt: Vorplanung für neue Verkehrsführung beauftragt

Weil es sich jedoch bei der Zeughausstraße um eine Bundesstraße handele, müssten entsprechende Rechtsnormen eingehalten und mögliche Spielräume mit der Verkehrsmanagementbehörde Hessen Mobil abgestimmt werden. Insgesamt sei es jedoch das Ziel, zugunsten einer verbesserten Radverkehrsführung den dritten Fahrstreifen der Zeughausstraße für den Autoverkehr zwischen dem Schlossgraben und der Abbiegespur auf den Parkplatz zum Pali-Kino aufzugeben, so Partsch weiter. Eine Vorplanung sei beauftragt. Mit ersten Ergebnissen und Planungsvarianten rechnet der OB, der auch Verkehrsdezernent der Stadt ist, voraussichtlich im Frühjahr.

Radstrategie    

Im Juni 2019 hat das Stadtparlament mit den Stimmen von Grünen, CDU, der Fraktion Uffbasse und Linken eine„Radstrategie“ als Grundsatzprogramm zur künftigen Förderung des Radverkehrs beschlossen. Sie ist das Ergebnis von mehrmonatigen Verhandlungen zwischen dem Magistrat, der Stadtverwaltung und der Initiative „Radentscheid Darmstadt“.

Themen der Radstrategie sind neben der Verbesserung der Radverkehrsinfrastruktur auch Kommunikation, Arbeitsstrukturen und Anreizförderung. In dem mehrheitlich beschlossenen Papier heißt es auch, dass „alle Hauptverkehrsstraßen (...) mit Radverkehrsanlagen ausgestattet werden“. Dies hat zur Folge, dass die für den Radverkehr benötigten Flächen „zum größten Teil von Flächen des bislang räumlich vorherrschenden Autoverkehrs bereit zu stellen sein werden“. jjo

Bereits im vorigen Jahr war wegen Bauarbeiten in Höhe des Friedensplatzes eine Fahrspur für den Autoverkehr gesperrt worden, ohne dass es dabei zum Verkehrskollaps gekommen war. Gleichwohl vertritt Jürgen Streit, der Vorsitzende des Beirats Südhessen der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände, die Auffassung, eine Verringerung der Verkehrsflächen werde „zu mehr Staus, aber nicht zu mehr Sicherheit“ führen. Bereits mit gegenwärtig drei existierenden Fahrspuren komme es auf dem Cityring zu den Hauptverkehrszeiten zu Verkehrsstauungen mit langen Wartezeiten, die eine „erhebliche Belastung für Pendler, Zulieferer und ansässige Unternehmen“ seien. Angesichts der weiter steigenden Pendlerzahlen und mit Blick auf die Attraktivität als Innovations- und Wachstumsstandort sei die Stadt „auf gute Verkehrswege und Mobilitätsangebote angewiesen“, so Streit. Eine Verengung von Verkehrswegen hält der Verbandsvertreter hingehen für „nicht zielführend“, weil hierdurch mehr Verkehrsstaus und Gefahrenstellen in der Stadt verursacht würden.

Der Darmstädter SPD-Vorsitzende Tim Huß regt indes an, im Zuge der Neuregelung des Verkehrs den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in der Innenstadt zu dezentralisieren. So könnten etwa neue Haltestellen am City-Ring für Busse und Straßenbahnen geschaffen werden, um den zentralen Luisenplatz zu entlasten, so Huß.

SPD für neue Haltestellen am City-Ring

Für den Abschnitt der Zeughausstraße in Höhe des Karolinen- und des Friedensplatzes fordert Huß, eine auf Daten und Fakten basierende Voruntersuchung vorzulegen. Gleichwohl ist er der Meinung, dass doppelt so viele Autospuren wie Radspuren „sicherlich keine Diskriminierung des motorisierten Verkehrs“ darstellen.

Auf einem Parteitag am Samstag soll die Darmstädter SPD auch einen Leitantrag beschließen, in dem auch eine Dezentralisierung des ÖPNV in der Innenstadt sowie der Bau neuer Straßenbahnlinien gefordert werden.

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