+
Dem Angeklagten wird vor der Zehnten Strafkammer des Landgerichts Darmstadt der Prozess gemacht.

Darmstadt

Tatort Kinderzimmer: Achtjährige in Darmstadt sexuell missbraucht

  • schließen

Zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Darmstadt zeigt sich der 48-jährige Angeklagte umfassend geständig. Das Opfer - die Tochter der Lebensgefährtin - war zu Beginn der Taten im Mai 2016 erst acht Jahre alt.

Ein 48-jähriger Mann aus Darmstadt hat gestanden, die Tochter seiner Lebensgefährtin mehrfach sexuell missbraucht zu haben. Dem gelernten Bankkaufmann, der sich seit Anfang Mai vorigen Jahres in Untersuchungshaft befindet, wirft die Staatsanwaltschaft Darmstadt vor, zwischen Mai 2016 und Mai 2019 in 15 Fällen das Mädchen, das zu Beginn des Tatzeitraums acht Jahre alt war, in deren Kinderzimmer in sexueller Absicht berührt zu haben.

Staatsanwältin Eda Öztürk-Kayrak hielt am Freitag zum Prozessauftakt vor der Zehnten Strafkammer des Landgerichts Darmstadt dem Mann vor, dass er dem Kind wiederholt mit seinen Fingern Schmerzen zugefügt habe. Dabei sei es bei dem Mädchen auch zu einer Blutung im Intimbereich gekommen. Zudem, so die Staatsanwältin, soll der Angeklagte ein Foto des entblößten Genitalbereichs des Kindes angefertigt haben. Darüber hinaus habe er auf seinem Mobiltelefon kinder- und jugendpornografische Bilddateien gespeichert.

Missbrauchsprozess in Darmstadt: Opfer bleibt Aussage erspart

Andreas Sanders, der Anwalt es Angeklagten, äußerte gleich nach der Verlesung der Anklageschrift auf eine entsprechende Nachfrage des Vorsitzenden Richters Jens Aßling, dass sein Mandant alle gegen ihn erhobenen Anklagevorwürfe vollumfänglich gestehe. Auf diese Weise solle es ermöglicht werden, dass das Mädchen nicht vor Gericht aussagen müsse, sagte Sanders.

Der Angeklagte stand nach der Ankündigung seines Anwalts anschließend den beiden Berufsrichtern, der Staatsanwältin, der Vertreterin der Nebenklage sowie einem psychologischen Gutachter Rede und Antwort.

Der 48-Jährige schilderte, dass es in seinem Elternhaus wiederholt gewaltsam zugegangen sei. Er habe noch drei ältere Geschwister. Der Angeklagte berichtete von permanenten Demütigungen und Schlägen. Nach dem Abitur habe er eine Banklehre absolviert, später aber begonnen, Medizin zu studieren. Das Studium habe er nach fünf Semestern aber abgebrochen. Eine Ausbildung zum Physiotherapeuten habe er nicht beendet, weil er am Tag der Prüfung stumm geblieben sei.

Der Mann berichtete davon, dass er erst in Portugal und dann in Spanien als Handwerker gearbeitet und dort zuletzt auch in einer Hippie-Kommune gelebt habe. Nach der Rückkehr nach Deutschland habe er wieder im Haus seiner Mutter gelebt.

Vor mehr als zehn Jahren habe er sich als Fliesenleger, Tapezierer und Maler selbstständig gemacht, später das Gewerbe aber wieder abgemeldet. Zuletzt sei er längere Zeit arbeitslos gewesen und habe sich wegen Angstzuständen, Depressionen und Suizidgedanken in Behandlung befunden. Zudem habe er reichlich Alkohol getrunken sowie diverse Drogen und Medikamente konsumiert.

Angeklagter bezichtigte den Vater des sexuellen Missbrauchs

Seine Lebensgefährtin, die aussagte, sie sei selbst ein Missbrauchsopfer, lernte der Angeklagte in einer Klinik kennen. Er schäme sich „doppelt und dreifach“, dass er deren Tochter missbraucht habe, obwohl er gewusst habe, welches Leid seiner damaligen Partnerin zugefügt worden sei, sagte der Mann. Er gestand auch, dass es sicher zu mehr Übergriffen gekommen sei als den 15 angeklagten Fälle. Er revidierte auch frühere Aussagen gegenüber der Polizei, als er noch angegeben hatte, dass das Mädchen seine Nähe gesucht habe. Die Initiative sei von ihm ausgegangen, bekannte der Mann nun. Begonnen hätten die Übergriffe, als er im Mai 2016 das Kind massiert habe.

Die Mutter des Mädchens berichtete, der Angeklagte habe 2016 zu Unrecht den leiblichen Vater des Kindes des Missbrauchs bezichtigt. Anfang Mai 2019 habe sie dann eine Hose des Angeklagten im Kinderzimmer ihrer Tochter gefunden. Daraufhin habe sie ihr Kind zur Rede gestellt, das ihr daraufhin von den nächtlichen Missbrauchstaten berichtet habe, während sie nebenan geschlafen habe. Die Frau erstattete tags darauf Anzeige, so dass ihr Lebensgefährte festgenommen wurde.

Der Prozess wird fortgesetzt.

Am 20. Februar 2020 wurde der Angeklagte von der Zehnten Strafkammer des Landgerichts Darmstadt zu einer siebenjährigen Freiheitsstrafe verurteilt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare