Nach den Krawallen beim Schlossgrabenfest am 3. Juni 2018 in Darmstadt laufen mit Helmen und Schutzschilden ausgerüstete Polizisten entlang des Herrngarten.
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Nach den Krawallen beim Schlossgrabenfest am 3. Juni 2018 in Darmstadt laufen mit Helmen und Schutzschilden ausgerüstete Polizisten entlang des Herrngarten.

Darmstadt

Stuttgart-Krawalle erinnern an Vorfälle beim Schlossgrabenfest

  • Claudia Kabel
    vonClaudia Kabel
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Südhessischer Polizeipräsident sieht Parallelen zwischen Angriffen auf Polizisten jetzt in Stuttgart und beim Schlossgrabenfest 2018 in Darmstadt: „Lassen uns nicht einschüchtern.“

Parallelen zwischen den Krawallen in Stuttgart und Angriffen auf die Polizei in Darmstadt vor zwei Jahren am Rande des Schlossgrabenfests hat der südhessische Polizeipräsident Bernhard Lammel gezogen. „Aktuell erfährt die Polizei eine breite negative Darstellung mit wenig Differenzierung“, schrieb er am Montag in einer Pressemitteilung. Einige sähen „plötzlich in der Uniform einen Feind“. Die Krawalle in Stuttgart am Wochenende hätten ihn an die Ausschreitungen und Angriffe auf die Polizei in Darmstadt 2018 erinnert, sagte Lammel. „Wir wurden gerufen, um zu helfen und wurden plötzlich und unerwartet zum Feindbild.“

Am frühen Morgen des 3. Juni 2018 war die Darmstädter Polizei nach dem Ende der Musikdarbietungen am Rande des Festgeländes im und am Herrngarten mit Flaschen und Steinen beworfen worden. Laut Augenzeugen skandierten die teilweise vermummten und stark alkoholisierten Angreifer „A-C-A-B“ („All Cops are Bastards“ – alle Polizisten sind Bastarde). 300 Menschen wurden eingekesselt und 15 Polizeibeamte verletzt. Hinweise auf ein politisches Motiv soll es nicht gegeben haben.

Der Vorfall hatte hessenweit eine Debatte über eine Strafverschärfung bei Gewalt gegen Polizisten ausgelöst. Außerdem war die Polizei wegen des Einsatzes in die Kritik geraten. Augenzeugen, die nach eigenen Angaben unschuldig stundenlang eingekesselt worden waren, berichteten von einem unangemessen harten Vorgehen. Die Polizei stehe stets im Fokus, und es sollten keine Fehler passieren, monierte Lammel. „Doch es handeln Menschen.“ Wichtig sei, Fehler aufzuarbeiten, um sie künftig zu vermeiden.

Im Zusammenhang mit den Vorkommnissen wurden insgesamt 29 Anklagen erhoben und ein Strafbefehl beantragt. Bei Prozessen vor dem Amtsgericht Darmstadt wurden wegen Landfriedensbruch, Verstoß gegen das Waffen- oder Versammlungsgesetz und Beleidigung überwiegend Jugendstrafen zwischen sechs und zehn Monaten sowie Verwarnungen oder Geldstrafen ausgesprochen. In einem Fall erfolgte ein Freispruch, wie die Staatsanwaltschaft am Montag auf Anfrage mitteilte.

In Stuttgart hatten in der Nacht zum Sonntag Hunderte Gewalttäter die Innenstadt verwüstet und 19 Beamte verletzt. Ein politisches Motiv sieht die Polizei nicht.

„Auch wenn wir beleidigt, bespuckt, verletzt oder verächtlich gemacht werden, wir werden weiterhin präsent sein und uns nicht einschüchtern lassen“, kündigte Polizeipräsident Lammel an.

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