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Frischer Spargel vom Feld: Jutta Benz leitet den Bauernladen auf dem Arheilger Aussiedlerhof. 

Darmstadt

Darmstadt: Studenten stechen Spargel in Südhessen

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Die Corona-Krise wirkt sich auch auf den Spargelanbau aus: Wegen fehlender Erntehelfer aus Osteuropa erwarten Landwirte in dieser Saison mit drastischen Ernteeinbußen.

Jutta Benz muss auch nach mehr als einer Woche noch ringen, um nicht die Fassung zu verlieren. Zwölf Erntehelfer waren am Mittwoch voriger Woche bereits auf dem Frankfurter Flughafen gelandet, als sie der Bann traf.

Das Bundesinnenministerium hatte an jenem Tag kurzfristig ein Einreiseverbot für Saisonarbeiter aus Osteuropa angeordnet. Die Einreise wurde im Rahmen von Grenzkontrollen von exakt 17 Uhr an nicht mehr gestattet. Weil das Flugzeug jedoch nach den Worten von Benz zehn Minuten nach 17 Uhr aufsetzte, wurde den Rumänen nicht mehr erlaubt, auf den Hof der Familie Benz im Darmstädter Stadtteil Arheilgen zu fahren, um dort bei der Ernte zu helfen.

„Die hätten uns schon sehr geholfen“, sagt Benz, die den Bauernladen auf dem Aussiedlerhof leitet, während sich ihr Mann Werner um den landwirtschaftlichen Betrieb kümmert. Stattdessen mussten die Arbeiter wieder unverrichteter Dinge die Heimreise antreten. „Und wir können nun 3000 Euro Flugkosten in den Wind schießen“, sagt Benz verbittert.

Darmstadt: Zwei von drei Erntehelfern fehlen auf den Feldern 

Anstelle der sonst üblichen 45 Erntehelfer ist derzeit nur etwa ein Drittel auf den Feldern zwischen Arheilgen und Wixhausen, um die weißen und grünen Stangen zu stechen. Spargelbauer Benz hat die Erdhügel vorsorglich mit weißer Folie bedeckt, damit das Gemüse nicht zu schnell wächst.

In den vergangenen Tagen haben sich viele Menschen auch bei der Familie Benz gemeldet und ihre Hilfe bei der Ernte angeboten. „Wir sind überwältigt von dem Zuspruch, so dass es uns inzwischen nicht möglich ist, allen persönlich zu antworten“, sagt Jutta Benz. Derzeit sei man mit Unterstützern versorgt, die zunächst einmal eingearbeitet werden müssten. So hätten sich etwa Studenten gemeldet, die Spargel stechen, sortieren oder an den zehn Verkaufsständen in der Rhein-Main-Region verkaufen. Aber die Familie sei gleichwohl für weitere Hilfe „sehr dankbar“. Denn, so berichtet Benz, nach Ostern beginne die Erdbeersaison. „Und auch da brauchen wir wieder fleißige Helfer.“

Im Bauernladen der Familie Benz, der täglich – auch an Sonn- und Feiertagen – von 9 bis 19 Uhr geöffnet ist und in dem „Allerhand Frisches“ vom eigenen Hof und aus der Region angeboten wird, wird derzeit der qualitativ beste Spargel für 15,90 Euro das Kilogramm direkt verkauft. Verkaufsstände stehen auch in Frankfurt, Offenbach und Bad Homburg.

Spargelbauern in Südhessen rechnen mit niedrigem Ernteertrag

Auf den Äckern werden nach Auskunft von Jutta Benz täglich zwei bis zweieinhalb Tonnen des edlen Stangengemüses von den Erntehelfern gestochen und auf dem Hof sortiert. Einige der Helfer tragen Mundschutz, andere wiederum nicht. Direkt am Eingang des Hofladens weist ein Hinweisschild Kunden „aus gegebenen Anlass“ darauf hin, dass sich maximal zwei Kunden gleichzeitig im Hofladen aufhalten sollen. Zudem soll ein Sicherheitsabstand zu anderen Kunden und zum Personal eingehalten werden.

Auch wird darum gebeten, keine unverpackte Waren anzufassen. Das ist auch nicht nötig, weil jede Kundin und jeder Kunde freundlich bedient wird. Und bei frühlingshaften Temperaturen und Sonnenschein gibt es auch auf dem Hof vor dem Bauernladen kein Murren in der Warteschlange.

Die Spargelernte dauert traditionell noch bis zum 24. Juni, dem „Johannestag“. Jutta Benz rechnet in dieser Saison zwar mit einer qualitativ guten Ernte. Allerdings geht sie davon aus, dass nicht alle Felder wegen der fehlenden Erntehelfer geerntet werden können.

Und auch Rolf Meinhardt aus Weiterstadt, der Vorsitzende des Arbeitskreises Spargel Südhessen, geht davon aus, dass die Corona-Krise bei den heimischen Spargelbauern voraussichtlich zu drastischen Ernteeinbußen führen wird. Er denke, dass aufgrund des Mangels an Erntehelfern höchstens 30 bis 40 Prozent des gewachsenen Spargels geerntet werden könnten. Für viele Betriebe wäre dies „eine Katastrophe“, so Meinhardt. (mit dpa)

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