OB Jochen Partsch ist mit seiner Maske mit den aufgestickten Heinerfest-Makottchen bestens ausgestattet und wertet die zugesandten Schmutz-Masken als Angriff auch auf seine Gesundheit.
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OB Jochen Partsch ist mit seiner Maske mit den aufgestickten Heinerfest-Makottchen bestens ausgestattet und wertet die zugesandten Schmutz-Masken als Angriff auch auf seine Gesundheit.

Darmstadt

Darmstadt: Staatsschutz ermittelt zum Maskenpäckchen

  • Jens Joachim
    vonJens Joachim
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Die Darmstädter Staatsanwaltschaft lässt die an Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) geschickten Mund-Nase-Bedeckungen auf Viren untersuchen.

Im Fall des mit mutmaßlich benutzten Alltagsmasken gefüllten Päckchens, das am Freitag anonym an den Darmstädter Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) ins Neue Rathaus geschickt wurde, hat das Staatsschutzkommissariat des Polizeipräsidiums Südhessen die Ermittlungen übernommen.

Oberstaatsanwalt Robert Hartmann, Sprecher der Darmstädter Staatsanwaltschaft, sagte am Montag der FR, dass OB Partsch inzwischen – entsprechend seiner Ankündigung vom Freitag – Strafanzeige gegen unbekannt gestellt habe. Ermittelt werde nun wegen des Verdachts der versuchten Körperverletzung, erklärte der Sprecher der Ermittlungsbehörde. Zunächst würden die Ermittler „Beweismittel sichern und auswerten“, kündigte der Oberstaatsanwalt an. Zugleich gehe es darum herauszufinden, wer für die Versendung des Päckchens als Urheber verantwortlich sei. Bei den Ermittlungsbehörden hat sich bislang niemand zu der Tat bekannt.

Nach übereinstimmenden Informationen der Frankfurter Rundschau stehen, wie berichtet, Corona-Skeptiker unter Verdacht, die möglicherweise verschmutzten Masken ins Rathaus geschickt zu haben. Weder der Sprecher der Staatsanwaltschaft noch eine Polizeisprecherin wollten dies bestätigen oder dazu Stellung nehmen.

Nachdem der FR-Artikel am Sonntagabend online erschienen war, meldete sich in der nicht frei zugänglichen Gruppe „Querdenken (615 – Darmstadt)“ des Messengerdienstes Telegram ein Gruppenmitglied und fragte irritiert, warum das Päckchen mit den Masken anonym eingesandt und nicht wie offenbar ursprünglich geplant „persönlich im Namen von 615 überreicht“ worden sei. Der Gruppenteilnehmer äußerte sich zudem besorgt darüber, dass er seinen Namen und seine Adresse auf seine unbenutzte Maske geschrieben habe. Das laut Telegram-Profil männliche Gruppenmitglied könnte für die Polizei ein wichtiger Zeuge sein.

Bemerkenswert ist auch, dass nach FR-Informationen in den vergangenen Tagen verdächtige Chateinträge mit Bezug zu dem Päckchenversand gelöscht und als Reaktion auf die Onlineartikel auch Einladungslinks für Chat-Untergruppen von den Administratoren deaktiviert wurden.

Eine Administratorin der Telegram-Chatgruppe, die im Verdacht steht, am Versand des Päckchens beteiligt gewesen zu sein, soll nach Angaben eines Zeugen, der anonym bleiben möchte, bereits in einer der Gruppen mitgeteilt haben, sie habe schon einen Anwalt kontaktiert, und der habe ihr geraten, nichts mehr zu dem Thema zu sagen.

Der Informant hat am Wochenende der FR eine umfangreiche Screenshot-Sammlung zur Verfügung gestellt. Dass es sich bei den gesammelten und an den Darmstädter OB geschickten Masken nicht nur um neue Exemplare gehandelt haben könnte, das impliziert eine Chat-Nachricht einer angeblichen Userin, die beispielsweise damit geprahlt hat, sie habe für die Sammelaktion am Bahnhof „aus dem Gleisbett lecker Masken gesammelt“. Ein weiteres Indiz dafür, dass die Masken möglicherweise gebraucht und infektiös sein könnten, ist auch dem Aufruf für die geplante Sammelaktion zu entnehmen, der in der Telegram-Gruppe verbreitet wurde. In ein Foto mit einer weißen Maske sind die Worte eingefügt worden: „Herrn OB Jochen Partsch, mit infizierenden Grüßen“.

Der FR-Informant hat seine umfangreiche Screenshot-Sammlung inzwischen auch an die Polizei weitergeleitet und über ein entsprechendes Portal eine Onlineanzeige erstattet. Die Polizei hat auf Anfrage bestätigt, dass unter der von dem Informanten angegebenen Nummer eine Anzeige eingegangen sei, wollte sich aber nicht weiter dazu äußern.

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