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Der Prozess gegen den angeklagten Darmstädter fand vor der Zehnten Strafkammer des Landgerichts Darmstadt statt. 

Kindesmissbrauch

Darmstadt: Sieben Jahre Haft für Kinderschänder

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Angeklagter gesteht Kindesmissbrauch über einen Zeitraum von drei Jahren. Mädchen war zu Beginn der sexuellen Übergriffe erst acht Jahre alt. Richter äußert, der Mann habe „ohne Rücksicht auf Verluste“ gehandelt.

Weil er die Tochter seiner früheren Lebensgefährtin mehrfach sexuell missbraucht hatte, hat das Landgericht Darmstadt einen 48-jährigen Mann zu einer siebenjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Jens Aßling, der Vorsitzende Richter der zehnten Strafkammer, sagte in der Urteilsbegründung am Donnerstag, es sei schwierig gewesen, das richtige Maß für die Taten zu finden. Ohne die Angaben des Angeklagten hätte der Prozess möglicherweise überhaupt nicht stattgefunden, sagte Aßling.

Schon nach seiner Verhaftung hatte sich der Mann dazu bekannt, „ein Kinderschänder“ zu sein. Und auch beim Prozessauftakt Ende Januar hatte er ein umfassendes Geständnis abgelegt, Reue gezeigt und auch Nachfragen detailliert beantwortet. So blieb es dem Opfer, das zu Beginn der Taten im Mai 2016 acht Jahre alt war, erspart, vor Gericht auszusagen.

Auch Staatsanwältin Eda Öztürk-Kayrak, Angela Gräf-Bösch, die Anwältin der als Nebenklägerin auftretenden Mutter des Kindes, sowie Andreas Sanders, der Verteidiger des Angeklagten, würdigten die umfassende Aussagebereitschaft des Mannes, der sich selbst schwer belastete. Er räumte auch ein, dass es zu mehr Übergriffen gekommen sei als die angeklagten 15 Fälle.

Staatsanwältin Öztürk-Kayrak forderte in ihrem Plädoyer, den Mann zu einer siebeneinhalbjährigen Freiheitsstrafe zu verurteilen. Die Beweisaufnahme habe bestätigt, dass der gelernte Bankkaufmann zwischen Mai 2016 und Mai 2019 in 15 Fällen das Mädchen vor allem in dessen Kinderzimmer in sexueller Absicht berührt habe. Zudem habe der Angeklagte den entblößten Genitalbereich des Mädchens fotografiert. An schwersten wiege, dass er dem Kind wiederholt mit seinen Fingern Schmerzen zugefügt und sich grob verhalten habe. Dadurch sei es bei dem Mädchen auch zu einer Blutung im Intimbereich gekommen.

Darmstadt: Kinderschänder hat pädophile Neigung rücksichtslos ausgelebt

Mit Zustimmung der Staatsanwältin stellte das Gericht das Verfahren wegen der unerlaubten Speicherung von kinder- und jugendpornografischen Bilddateien auf dem Mobiltelefon des Angeklagten vorläufig ein. Rechtsanwältin Bösch warf als Anwältin der Nebenklägerin dem Angeklagten vor, das Vertrauen sowohl des Kindes als auch der Mutter „auf das Gröbste missbraucht“ zu haben. Der Mann habe gewusst, dass seine damalige Lebensgefährtin selbst sexuell missbraucht worden sei.

Es sei „ungeheuerlich“, dass er das Schlafzimmer nachts verlassen habe, um das Kinderzimmer des Mädchens aufzusuchen und es zu missbrauchen, um seine pädophilen Neigungen auszuleben, auch wenn es nicht zum Geschlechtsverkehr gekommen sei. Anlasten müsse man dem Angeklagten auch, auf das Kind manipulativ eingewirkt zu haben.

Kindesmissbrauch in Darmstadt: Angeklagter gesteht umfassend

Sowohl Anwältin Bösch als auch Strafverteidiger Sanders verzichteten darauf, in ihren Plädoyers konkrete Strafrahmen zu nennen. Während Bösch sich für eine mehrjährige Haftstrafe aussprach, bat Sanders angesichts des vollumfänglichen Geständnisses um Milde für seinen Mandanten. In seinen letzten Worten bekräftigte der Mann, ihm täten die Taten leid, und er entschuldige sich dafür.

Auch der Vorsitzende Richter hielt fest, der Angeklagte habe das Vertrauen der Kindsmutter „in extremem Maße missbraucht“; er habe seine eigene Sexualität „ohne Rücksicht auf Verluste“ ausgelebt. Trotz seines starken Alkohol- und Drogenkonsums sei er planmäßig vorgegangen, sagte Aßling bei der Urteilsverkündung.

Die Kammer befürworte es, dass der Verurteilte seine Taten in einer sozialtherapeutischen Einrichtung aufarbeite.

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