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Derzeit noch Baustelle: Die frühere Schlosskirche im Darmstädter Residenzschloss.

Darmstadt

Darmstadt: Schlosskirche erhält Orgel - Konzert zur Eröffnung im Mai

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Die Darmstädter haben 220 000 Euro für die Restaurierung einer historischen Orgel gespendet. Im Mai soll das erste Konzert stattfinden. Offiziell ist der Raum keine Kirche mehr.

Fast 50 Jahre war der Raum nicht öffentlich zugänglich – diente als Lager und Lehrbuchsammlung, stand seit 15 Jahren leer. Jetzt soll die ehemalige Schlosskirche zu einem Raum für Musik, Kunst und Veranstaltungen werden. „Bildung muss mehr sein als Technik und fachliche Kenntnisse“, sagte der Kanzler der Technischen Universität (TU) Darmstadt, Manfred Efinger, am Mittwoch im Darmstädter Schloss. Dort verkündete er das erfolgreiche Ende einer 2017 gestarteten Spendenkampagne für die Sanierung des Kernstücks des Projekts: Es ist eine Kirchenorgel, 1883 von Christoph Ludwig Goll im neogotischen Stil erbaut und nur fünf Jahre jünger als Darmstadts letzte Schlossorgel. Diese war 1944 abgebrannt.

Blick von außen auf die Schlosskirche, die sich im Erdgeschoss befindet.

400 Bürger, fast ein Dutzend Unternehmen sowie Vereine und Stiftungen seien dem Spendenaufruf gefolgt und hätten die erforderliche Summe von 220 000 Euro zur Restauration der zukünftigen Schlossorgel gespendet, sagte Mareile Vogler, Leiterin der Universitätsförderung. Das Instrument ist eine Schenkung des Privatmanns Joachim Wilhelmy, der sie vor 45 Jahren „von der Straße geholt“ hatte, als die Dorfkirche Lonsingens (Baden-Württemberg) einer Ortsdurchfahrt weichen musste, wie die TU schreibt.

Sie sei in „zweifacher Hinsicht ein Geschenk“ gewesen, sagte Anette Berghoch, eine der Projektleiterinnen. Zum einen musikalisch, zum anderen habe man ihretwegen die „ursprüngliche Geometrie des Raumes“ wiederhergestellt. Dadurch sei sie auch als Konzertinstrument bespielbar. In den 1960er Jahren war die Schlosskirche zwar wieder aufgebaut worden, jedoch waren Altar und Orgelstandort an die Nordwand verlagert worden. Statt einer umlaufenden Empore wurde nur eine dreiseitige Empore auf veränderter Höhe realisiert. Im Zuge der aktuellen Sanierungsmaßnahmen werde darauf geachtet, den historischen Zustand wiederherzustellen und so an die spezielle Akustik der Goll-Orgel optimal anzupassen.

Schlosskirche Darmstadt: Auch Trauungen sind geplant

Künftig sollen hier Konzerte und andere Veranstaltungen stattfinden, auch Trauungen seien möglich. Laut Efinger gibt es bereits „überraschend viele“ Anfragen für die Nutzung des 130 Sitzplätze fassenden Raumes. Dieser sei jetzt offiziell kein Kirchenraum mehr, betonte der TU-Kanzler. Darauf habe man sich mit der Kirche geeinigt. Diese hatte einen Vertrag von 1924 vorgelegt, in dem festgeschrieben gewesen sein soll, es müsse eine Kirche für immer und ewig bleiben. Das sei jedoch nicht im Interesse der TU gewesen. Allerdings könnte die evangelische studentische Gemeinde den Raum nutzen. Laut Projektleiterin Berghoch wird es einen aus einem Wandschrank ausziehbaren Altar geben.

So sah die Schlosskirche in Darmstadt um 1915 aus.

Im März soll das Instrument auf der Empore aufgestellt werden. Derzeit befindet sich die Orgel in der Werkstatt Mühlhausen, wo sie in Zusammenarbeit mit Orgelbauer Wolfgang Braun rekonstruiert und ihre historische Substanz wiederhergestellt wird.

Die Schlosskirche entstand 1597 und zählt zu den frühesten protestantischen Kirchenbauten in Hessen. Noch vor ihrer Fertigstellung erhielt sie ihre Orgel, die oberhalb von Altar und Kanzel positioniert war. Seitdem gehörte laut TU eine Orgel in die Schlosskirche in Darmstadt. 1623 wurde eine neue Orgel von Adam Knauth aufgestellt, welche sich heute in der Kirche von Worfelden bei Büttelborn befindet. Anlässlich der Berufung des Komponisten Christoph Graupner nach Darmstadt wurde 1711 eigens eine Orgel von Meister Christian Vater aus Hannover gefertigt. Zuletzt zierte eine Orgel von E. F. Walcker & Cie. aus Ludwigsburg von 1878 den Raum.

Noch ist der Raum eine Baustelle. Doch im Mai soll das Eröffnungskonzert stattfinden.

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