Architekt Kristian Kaffenberger (li.) und Denkmalschützer Olaf Köhler im Rondellsaal.
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Architekt Kristian Kaffenberger (li.) und Denkmalschützer Olaf Köhler im Rondellsaal.

Darmstadt

Darmstadt: Rondellsaal im Jagdschloss Kranichstein wird saniert

  • Jens Joachim
    vonJens Joachim
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Hinter der Wandverkleidung des besonderen Bauwerks im Kranichsteiner Jagdschloss hat das Sanierungsteam morsches Holz, Pilzbefall und zwei mumifizierte Mäuse entdeckt.

In einem weiteren Bauabschnitt lässt die Stiftung Hessischer Jägerhof in diesem Jahr den barocken Rondellsaal im Obergeschoss des Jagdschlosses Kranichstein in Darmstadt sanieren. Bei den ersten Untersuchungen machten Architekten und Restauratoren durchaus überraschende Entdeckungen.

Bei dem runden Anbau handelt es sich nach Angaben von Stiftungsgeschäftsführerin Onno Faller um eine Besonderheit der dreiflügeligen Renaissanceanlage, die im 16. Jahrhundert aus einem Hofgut entstand. Das sogenannte Jagdtheatrium wurde von Landgraf Ludwig VIII. (1739 bis 1768) erbaut, um aus dem Saal in „kommoder Weise“, wie es damals hieß, eine der vielen Parforcejagden zu verfolgen.

Obwohl die Bäume im Schlosspark in den vergangenen Jahrzehnten schon recht hoch gewachsen sind, lässt sich aus den Fenstern des Rondellsaals noch ein fünfteiliger Jagdstern in Form von Schneisen erkennen, die für die Logistik der im 18. Jahrhundert von den Adeligen veranstalteten Hetzjagden von besonderer Bedeutung waren. Das Rondell, das in architektonischer Leichtbauweise auf einen Turm aufgesetzt wurde, gilt auch als ein seltenes, zu erhaltendes jagdliches Bauwerk.

Durch die fragile Bauweise und die Einfachverglasung der Fenster sickerte in den vergangenen Jahren Kondenswasser hinter die Wandverkleidung, die nun in den vergangenen Tagen demontiert wurde. Im Fachwerk entdeckte das Sanierungsteam um den Architekten Kristian Kaffenberger neben morschen Holzbalken und einem Wespennest auch zwei bereits mumifizierte Mäuse, die möglicherweise beim oder nach dem Liebesakt nicht mehr den Ausweg hinter der Wandverkleidung fanden. Die beiden toten Mäuse sollen nach Angaben von Faller, die auch Leiterin des Jagdmuseums und des Mitmachmuseums Bioversum ist, nun präpariert und später auch ausgestellt werden.

Um den weiteren Bestandsverlust zu verhindern, wird die nun geplante Notsanierung des baulichen Kleinods laut Architekt Kaffenberger bis zu 200 000 Euro kosten. Die in den vergangenen Jahrzehnten entstandenen Schäden durch Schädlinge und Pilzbefall sind nach Angaben des Architekten „gut zu reparieren“. Dabei soll so viel Originalsubstanz wie möglich erhalten werden. Nach Angaben von Olaf Köhler, dem Leiter der Darmstädter Denkmalbehörde, sollen bei der Schadensaufnahme auch die Zeitschichten und Nutzungsspuren genau dokumentiert werden.

Die Sanierung der Mauern im Parforcehof des Jagdschlosses wird nach den Worten Fallers voraussichtlich Ende Juni beginnen. Die Arbeiten sollen bis Ende September dauern. In enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz soll noch ein Farbkonzept für die Mauer erarbeitet werden, dass sich am Erscheinungsbild des 19. Jahrhundert orientieren soll.

https://jagdschloss-kranichstein.de

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