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Museumsleiterin Onno Faller erläutert Schäden am Gemälde „Ende einer Parforcejagd“, das für 60 000 Euro saniert werden soll.  

Sanierung

Darmstadt: Neues Konzept im alten Gemäuer

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Die Sanierungsarbeiten am und im Jagdschloss Kranichstein schreiten voran. Im Schlossmuseum werden Bilder und Objekte restauriert und die Waffensammlung erweitert.

Das Jagdschloss Kranichstein, das einst die Sommerresidenz der Großherzöge von Hessen-Darmstadt war, wird weiter herausgeputzt. Das Land Hessen unterstützt die Sanierungsarbeiten in diesem Jahr zum dritten Mal mit 300 000 Euro. 2021 soll noch einmal die gleiche Summe überwiesen werden, bevor die eigentliche Generalsanierung des Schlosses beginnt.

Nach Angaben von Onno Faller, der Geschäftsführerin der 1952 mit Unterstützung des Landes gegründeten Stiftung Hessischer Jägerhof, soll mit der fünfjährigen Generalsanierung des Schlosses im nächsten Jahr begonnen werden. Vorgesehen sind der Einbau von Fenstern, einer neuen Heizungs- und Belüftungsanlage sowie eines Aufzugs, damit die Museumsräume künftig barrierefrei zu erreichen sind. Die Stiftung, Eigentümerin des im 16. Jahrhundert erbauten Renaissanceschlosses, des barocken Zeughauses sowie von 14 Hektar Park-, Teich- und Waldfläche, beteilige sich mit 600 000 Euro an der Sanierung. Mehr könne sie derzeit allerdings nicht aufbringen.

Die Stiftung Hessischer Jägerhof bewahrt und betreut die im Jahr 1918 durch Großherzog Ernst-Ludwig im Jagdschloss vereinte jagd- und kulturhistorische Sammlung des Hauses Hessen-Darmstadt und macht diese im Museum des Jagdschlosses Kranichstein der Öffentlichkeit zugänglich.

Laut Faller, die auch das Museum im Jagdschloss und das benachbarte Naturmuseum Bioversum im früheren Zeughaus leitet, wird nun die Waffensammlung des Museums erweitert. Um den Besuchern die Möglichkeit zu geben, die von den Landgrafen und Großherzögen benutzten und gesammelten Waffen in einem größeren Kontext zu betrachten, sollen alle Waffen aus dem öffentlich nicht zugänglichen Marstall nun in die Dauerausstellung des Museums integriert werden. Mit den bereits in der Waffenkammer gelagerten Waffen kann dann im Erdgeschoss des Museums eine neue Fülle an Gewehren, Windbüchsen und Flinten besichtigt werden. „So wird es möglich, erstmals eine Chronologie der Waffentechnik und Sammlungsstrategie der Landgrafen zu zeigen“, sagt Faller.

Der gemauerte kleine Anleger am Backhausteich neben dem Jagdschloss Kranichstein wurde schon erneuert.  

Um die Waffen umzuräumen bleibt das Museum am Mittwoch, geschlossen. Nach Angaben der Museumsleiterin soll im Zuge der Präsentation der Waffensammlung auch geprüft werden, ob sich die Räume im Erdgeschoss eignen, zu einer Art Schaudepot umfunktioniert zu werden. Ohnehin beabsichtigt Faller bei der künftigen Ausrichtung des seit mehr als 100 Jahren bestehenden Museums, die Besucher einzubeziehen. „Wir wollen neues Leben in das alte Gemäuer bringen“, sagt die Leiterin, die eine Neukonzeption der Ausstellungsräume plant.

Nachdem im vorigen Jahr Wege im Schlosspark, die historische Mauer am Rand des Parkplatzes und des Parforcehofs saniert sowie der kleine Bootsanleger am Backhausteich instandgesetzt worden sind, wird die „Sanierung in progress“, wie sie Faller nennt, in den nächsten Monaten fortgesetzt. Geplant ist auch, das große Gemälde „Das Ende der Parforcejagd“ im Rondellsaal zu restaurieren, was allein 60 000 Euro kosten wird.

Auch im repräsentativen Saal mit der großen Fensterfront sollen die Handwerker anrücken. So wurde bereits mit dem Denkmalschutz ein Farbkonzept abgestimmt, das sich an historischen Vorlagen orientiert. Ziel ist es, das Raumklima zu verbessern und die Ausstellungsobjekte besser vor Hitze, Kälte, Trockenheit und Feuchtigkeit zu schützen. Beispielsweise werden die Fensterläden mit einem Motor ausgestattet, um bei starker Sonneneinstrahlung die Läden automatisch zuklappen zu können.

Im Rondellsaal wird am 4. April auch die neue Sonderausstellung eröffnet. Passend zur laufenden Sanierung lautet der Titel: „Schon repariert oder noch zu retten? – Vom Umgang mit Dingen im Alltag und Museum“.

https://jagdschloss-kranichstein.de

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