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Pilotprojekt: Dämmung mit Hanfplatten.

Darmstadt

Darmstadt: Ein Milliardenprojekt für den Bauverein

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Das Immobilienunternehmen der Stadt Darmstadt peilt bis 2035 einen klimaneutralen Gebäudebestand an. Um dies zu erreichen haben Vorstand und Aufsichtsrat ein Strategiepapier beschlossen.

Das vor acht Monaten vom Stadtparlament beschlossene Ziel, bis zum Jahr 2035 die städtischen Nettokohlendioxidemissionen auf null zu reduzieren, setzt auch die Bauverein AG unter Zugzwang. Der Vorstand und der Aufsichtsrat des städtischen Immobilienunternehmens haben sich bereits auf einer Strategietagung intensiv mit dem Thema Klimaschutz beschäftigt und „vier Kernpunkte zur Erreichung der Klimaschutzziele identifiziert“, wie die beiden Vorstände Sybille Wegerich und Armin Niedenthal sowie Aufsichtsratschef Roland Desch jetzt im Gespräch mit der FR berichteten.

Nach den Worten Niedenthals gibt es für das milliardenschwere Vorhaben „keinen Leitfaden und schon gar kein Patentrezept“. Vorstand und Aufsichtsrat seien sich aber einig, dass nach der Überwindung der Corona-Krise „verstärkt Investitionen in eine umweltfreundlichere Wirtschaft nötig“ seien, um die Klimaschutzziele zu erreichen.

Wegerich und Niedenthal zufolge widmet sich das Unternehmen auch nicht erst seit den Demonstrationen der „Fridays-for-Future“-Bewegung den Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit. So habe das Unternehmen etwa vor zwei Jahren einen Energieberater eingestellt, der zuvor Geschäftsführer des Passivhaus-Instituts gewesen sei.

Und in einem Pilotprojekt sei zum Beispiel bei der Modernisierung eines Mehrfamilienhauses im Johannesviertel das Gebäude mit Hanfplatten gedämmt worden, um den Fokus auf die Verwendung nachhaltiger Baustoffe zu legen.

Bilden den Vorstand der Bauverein AG: Armin Niedenthal und Sybille Wegerich.

Auch wenn Deutschland nur für etwa zwei Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich sei, müsse der Bauverein als kommunales Unternehmen „mit gutem Beispiel vorangehen“, so Aufsichtsratschef Desch. Für Wegerich lautet daher die Maxime: „Wer den Globus retten will, muss damit in Darmstadt anfangen.“

In den kommenden Jahren soll daher der vorhandene Wohnungsbestand des Bauvereins so saniert und umgebaut werden, dass die Klimaziele des Pariser Abkommens von 2015 erreicht werden können. Wie viele andere kommunale Wohnungsbauunternehmen steht auch der Bauverein vor der enormen Herausforderung, dass der größte Anteil des Gebäudebestands aus Liegenschaften besteht, die in der Nachkriegszeit und den 1960ern errichtet worden sind.

Um nun einen „klimaneutralen Gebäudebestand“ zu erreichen, müsste allein der Bauverein – zusätzlich zu den erforderlichen Mitteln für die Erhaltung des Bestands und für Neubauten – etwa 1,5 Milliarden Euro zusätzliche Investitionen stemmen. Theoretisch, so Wegerich, würde dies für die Mieter eine Mieterhöhung von 4,50 Euro pro Quadratmeter bedeuten. Weil eine Modernisierungserhöhung in dieser Dimension jedoch „nicht bezahlbar“ sei, sei „eine maßgebliche Unterstützung durch die Politik notwendig“, so Wegerich. „Der Aufsichtsrat sieht dafür auch Land und Bund in der Pflicht“, sagt Desch.

Um die Klimaziele zu erreichen, will der Bauverein zum einen strategische Kooperationen und Allianzen schließen. Zudem will das Unternehmen die Sanierungsquote für den gesamten Gebäudebestand von einem auf zwei Prozent pro Jahr verdoppeln und Möglichkeiten der Digitalisierung intensiver als bisher nutzen, um sowohl die Erzeugung als auch den Verbrauch von Wärme in den Gebäuden „grundlegend und nachhaltig energieeffizient zu optimieren“.

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