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Kunterbuntes Sammelsurium: Gesendet wird die Flo-Show aus der Requisitenkammer in der Wohnung des Künstlers in Darmstadt. Foto: Michael Schick

Darmstadt

Darmstadt: Künstler startet Show rund um Corona

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Der Darmstädter Puppen-Schauspieler Florian Harz vertreibt sich die Zeit ohne Bühne mit einer interaktiven Unterhaltungsshow. Immer mehr Zuschauer auf Facebook schalten sich täglich ein.

Ich saß zu Hause und das Theater war wegen Corona zu. Was machst du jetzt?“, fragte sich Florian Harz. Er ist seit 2004 Schauspieler am Darmstädter Kikeriki-Theater und wegen des Kontaktverbots jetzt ohne Arbeit. Auch alle anderen Aufträge sind dem freiberuflichen Künstler weggebrochen – neben dem Puppenspiel, zum Beispiel als Abrazzo in „Erwin – ein Schweineleben“ ist er auch als Clown und Moderator unterwegs. „Mir fehlt die Bühne“, sagt der 48-Jährige. „Die kreative Energie muss raus.“

Jetzt hat er sich einen Ersatz geschaffen: Seit etwas mehr als zwei Wochen ist Florian Harz mit „Die Flo-Show“ sechs Tage die Woche auf Sendung. Jeden Abend um 21.15 klinken sich rund 50 Zuschauer auf der gleichnamigen Facebook-Seite ein, um die interaktive Streaming-Unterhaltungsshow des Darmstädter Künstlers live zu erleben. Und die Zuschauerzahlen steigen. Denn sämtliche Sendungen sind auch im Nachhinein abrufbar, was viele täglich nutzen. Im Mittelpunkt der Show steht – wie kann es anders sein – unser derzeitiges Leben in der Corona-Krise. “Ich habe lange überlegt, ob es angebracht ist, in dieser Zeit was Lustiges zu machen und das Thema Corona aufzunehmen“, sagt Harz. Doch dann dachte er „ja“, denn die Leute seien es nicht gewohnt zu Hause bleiben zu müssen und hätten kaum etwas, um sich von häuslichen Problemen abzulenken. Jetzt treffe man sich abends eben nicht in der Kneipe, sondern bei der Flo-Show. Sogar im Supermarkt hätte sich jemand verabschiedet mit „dann bis später“, obwohl man sich nicht verabreden darf. Das findet er schön.

Um sich dem Thema Corona zu nähern, lässt Harz verschiedene Charaktere regelmäßig auftreten. Da ist die blondgelockte Kassiererin Acki, die auf hessisch daherbabbelt und viel Tratsch von sich gibt. Da ist Jupp mit dem Schnauzer, der zur Bastelstunde mit Klopapierrollen einlädt, der Puffbesitzer, der einiges über Kurzarbeit zu berichten weiß und der italienische Eisverkäufer, der am Abgrund seiner Existenz steht. Ergänzt werden die verschiedenen Rollen, in die Harz nicht nur optisch, sondern auch sprachlich schlüpft, durch Rubriken, wie das persönliche Stück, das lustige Buch, der Drink des Tages und Liveschalten zu Künstlern und Musikern per Handy.

Zuschauer nehmen Einfluss

Das Highlight ist jedoch die tägliche Ausgangssperrenimproausrede. Hier werden die Zuschauer aktiv einbezogen, indem sie per Kommentar vorgeben, in welchem Dialekt und an welchem Ort die Geschichte stattfinden soll, welche Person und welcher Gegenstand dabei vorkommen müssen. Meist entstehen abstruse Kombinationen wie etwa Feuerwehrauto, Bleistiftspitzer, Helga Beimer und das Ganze auf Russisch. Daraus spontan einen schlüssige Gag zu machen sei nicht ganz einfach, räumt Harz ein.

Etwa 20 Dialekte und Sprachfärbungen gehören zu seinem Repertoire. Vom Fränkischen über Bayrisch, Sächsisch, Ourewällerisch, italienischen oder französischen Akzent. Speziell die Darmstädter Mundart liegt ihm, moderiert er doch alljährlichen die Vergabe des lokalen Mundart-Preises „Spirwes“.

Eine Schauspiel- oder Clownsausbildung hat Harz nie gemacht. Einst habe er Grafiker werden wollen, doch das Studium bald abgebrochen. Er wollte nicht vor dem Computer arbeiten. Seinen Eltern eröffnete er: „Ich werde künftig als Kleinkünstler – als Clown und Zauberer – meinen Lebensunterhalt verdienen.“ Erfahrung damit hatte er bereits viele Jahre: Schon in der Grundschule in Ober-Ramstadt war er der Klassenclown und seine Lehrerin sagte: „Wenn der Bub nicht zum Theater geht, dann weiß ich auch nicht.“ Mit 18 debütierte er bei einem Pfadfinderfest als Komödiant und wurde schnell für Kindergeburtstage gebucht.

Ob Harz die Show auch nach der Krise regelmäßig weiterbetreibt, glaubt er nicht. Seine geliebte Arbeit am Kikeriki-Theater lasse ihm dann wohl kaum Zeit.

Die Flo-Show anschauen: www.facebook.com/Die-Flo-Show- 106458507681591

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