Plakativ: An einem Schornstein protestiert die BI Pro Bürgerpark gegen das Bauvorhaben.
+
Plakativ: An einem Schornstein protestiert die BI Pro Bürgerpark gegen das Bauvorhaben.

Darmstadt

Darmstadt: Massive Kritik an geplanter Teichsiedlung am Bürgerpark

  • Jens Joachim
    vonJens Joachim
    schließen

Der Naturschutzbeirat der Stadt Darmstadt ist strikt gegen eine dichte Bebauung auf einem früheren Ziegeleigelände und fordert den Ankauf des Areals durch die Stadt, um den Bürgerpark zu erweitern.

Der Darmstädter Naturschutzbeirat hat große Einwände gegen die Planung für eine kleine Siedlung um einen Teich auf dem Betriebsgelände einer ehemaligen Ziegelei nördlich des Bürgerparks. In einer Stellungnahme zum Entwurf des sogenannten vorhabenbezogenen Bebauungsplans für das Areal an der Kastanienallee und dem Elfeicher Weg heißt es, dass vor allem die „geplante dichte Bebauung im Bürgerpark“ „rundweg“ abgelehnt werde.

Allerdings ist das Gelände nur auf dem Papier Teil des Bürgerparks. Faktisch wurde das Areal nördlich der Kastanienallee lange gewerblich und nicht als Park genutzt. Westlich des geplanten Baugebiets befinden sich Wohngebäude mit einem Biergarten, dessen Betreiber die Teichsiedlung verhindern will. Und auch auf den anderen Flächen an der Kastanienallee stehen bereits etliche Wohnhäuser.

47 Häuser und 27 Wohnungen am Bürgerpark geplant

Die ehrenamtlich tätigen Mitglieder des Naturschutzbeirats, der die Stadt in allen Angelegenheiten des Naturschutzes und der Landschaftspflege unterstützt und berät, stören sich vor allem an der geplanten Bauweise, die sie als „sehr massiv“ empfinden. Vorgesehen sei der Bau von 47 Einfamilienhäusern und weiteren 27 Einliegerwohnungen in bis zu neuneinhalb Meter hohen „Kastenhäusern“ sowie der Bau von Erschließungsstraßen und Stellflächen. Falls auf eine Bebauung nicht verzichtet werde, sollten zumindest die Bedenken hinsichtlich des dort vorhandenen Teichs berücksichtigt werden, heißt es in der Stellungnahme.

Keine Bestandsaufnahme für stilles Gewässer

Der Beirat bemängelt, dass in den Planunterlagen für die 25 000 Quadratmeter große Brachfläche keine Bestandsaufnahme für das stille Gewässer zu finden sei. Eine solche Bestandsaufnahme sollte jedoch erstellt werden, um mögliche Veränderungen etwa hinsichtlich des Tierbestands nachweisen zu können.

Naturschutzbeirat mahnt Pufferzone am Teich an

Der Beirat spricht sich daher gegen den Bau des am westlichen Rand des Baugebiets geplanten Häuserriegels aus, um weiterhin das Umwälzen des Gewässers durch Windströme zu ermöglichen. Die privaten Grundstücke sollten auch nicht bis an das Gewässer heranreichen, weil nach der Oberflächengewässerverordnung ein mindestens fünf Meter breiter Uferrandstreifen im Innenbereich angelegt werden müsste. Dieser Pufferstreifen sollte laut dem Naturschutzbeirat „nicht in das Eigentum von 47 einzelnen Eigentümern gegeben werden, um Fehlnutzungen besser steuern zu können“.

Naturschützer: Areal um Teich in Bürgerpark integrieren

Auch sollten keine privaten Zugänge zu den Grundstücken entstehen, sondern nur ein oder zwei Zugänge für alle, weil das Gewässer auch der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden sollte. Zudem fordert der Beirat die Stadt auf, die gesamte Fläche zu erwerben, „um den öffentlichen Park im Ausgleich zum allmählich wegfallenden Grün im Bürgerpark zu erweitern“, heißt es am Ende der Stellungnahme.

Stadt prüft Anregungen zu Bauvorhaben am Bürgerpark

Baustadträtin Barbara Boczek (Grüne) teilte am Donnerstag mit, die im Rahmen des frühzeitigen Beteiligungsverfahrens zwischenzeitlich eingegangenen Anregungen würden nun geprüft und „einer gerechten Abwägung unterzogen“. Die Stellungnahme des Naturschutzbeirats habe für den Magistrat „Gewicht“ und werde nun „sorgfältig in das derzeit laufende Verfahren aufgenommen“, so Boczek. Die inhaltliche Prüfung sei in Arbeit und die Stadtverordneten müssten dann im weiteren Verfahren eine abwägende Entscheidung treffen.

Die Bürgerinitiative Pro Bürgerpark teilte mit, durch die Stellungnahme des Beirats sehe sie sich in ihrer Kritik an dem Projekt bestätigt.

Mehr zum Thema

Kommentare