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Jetzt stellt sich die Frage, was mit dem seit Jahren verwahrlosten Bahnhofsgebäude geschehen wird.

Darmstadt

Darmstadt: Kein Stopp am Südbahnhof

Der Zugang zu den Gleisen am Südbahnhof wird verlegt. Unklar ist, wie es mit dem denkmalgeschützten Gebäude weiter geht.

Update vom Mittwoch, 8.1.2020, 09.40 Uhr:

Versiffte Gänge und Treppen, mit Graffiti beschmierte Wände und abgesperrte Toiletten: Bislang war der Weg vom und zum Bahnsteig am Darmstädter Südbahnhof nicht gerade angenehm für Fahrgäste, und es gehörte auch eine Portion Mut dazu, das leerstehende Gebäude zu durchqueren. Doch das ist ab sofort Geschichte: Seit dem gestrigen Dienstag, 19 Uhr fällt der Haltepunkt auf den Regionalbahnstrecken von Frankfurt nach Mannheim beziehungsweise Heidelberg für die kommenden drei Monate weg.

Grund ist der barrierefreie Umbau des Bahnsteigs und die Verlegung des Zugangs. Das unter Denkmalschutz stehende Empfangsgebäude wird geschlossen. Am Dienstag rollten die Bauarbeiter an und stellten mehrere Container für Material und Personal auf. „Tag und Nacht sollen die Arbeiten am Gleis laufen“, sagte ein Vorarbeiter.

Wie die Deutsche Bahn mitteilte, soll der Mittelbahnsteig der beiden Gleise erneuert und erhöht werden. Reisende könnten nach Abschluss des vier Millionen Euro teuren Umbaus über einen mit Aufzügen ausgestatteten Steg den Ausgang Richtung Haardtring erreichen. „Damit ist der Zugang durch das Bahnhofsgebäude nicht länger notwendig“, teilte ein Bahnsprecher mit.

Jetzt stellt sich die Frage, was mit dem seit Jahren verwahrlosten Bahnhofsgebäude geschehen wird. Entworfen vom Architekten Friedrich Mettegang, 1912 zeitgleich mit dem Darmstädter Hauptbahnhof und dem Nordbahnhof eröffnet, gilt das Gebäude heute als Kulturdenkmal und ist doch gleichzeitig ein Schandfleck. In unmittelbarer Umgebung liegen eine Cannabisstation, eine derzeit geschlossene Fahrradverleihstation und eine Sportbar, was das Areal nicht anziehender macht. Auch „aus Sicht der Stadt wäre es wünschenswert, wenn das Gebäude in einen ansehnlichen Zustand gebracht werden würde“, sagte Pressesprecher Klaus Honold der Frankfurter Rundschau. Denkbar wären Ausstellungsräume, Büros oder ein Café.

Doch der britische Investor Patron Capital, an den die Deutsche Bahn 2008 zahlreiche Bahnhofsgebäude bundesweit verkaufte, machte nichts aus dem klassizistischen Bau. Inzwischen ist er im Besitz der Wiesbadener Metropol Immobilien AG, die nach Angaben auf ihrer Webseite die Caritas als „langfristigen Mieter“ dafür gefunden hat: „Es wurden vor einigen Jahren in einem Paket mehrere Bahnhofsempfangsgebäude erworben, die jetzt umgebaut und saniert werden“, heißt es dort. Bereits abgeschlossen und übergeben sei Weiterstadt. „Abgeschlossene Projekte“ seien außerdem Heppenheim, Fürstenbahnhof und Südbahnhof.

Darmstadt Süd

Bis 4. April, 4.30 Uhr, halten die Regionalbahnen 67 (Frankfurt - Mannheim), 68 (Frankfurt - Heidelberg) und 66 (Darmstadt-Pfungstadt) nicht am Südbahnhof.

Als Ersatz stehen zwischen Hauptbahnhof und Südbahnhof die innerstädtischen Buslinien R und H zur Verfügung.

Die Kosten für den rund einjährigen Ausbau betragen circa vier Millionen Euro und werden von Bund, Land und Deutscher Bahn getragen. cka

Der Caritasverband Darmstadt widerspricht: Man habe zwar Gespräche mit der Metropol geführt, aber aufgrund des schlechten baulichen Zustands habe man nur die Standorte Heppenheim und Weiterstadt gewählt, sagte Caritas-Vorstandsvorsitzender Ansgar Funcke der FR. Wie die M-Immo AG inzwischen mitteilte, wurde das Bahnhofsgebäude "vor mehr als einem Jahr an einen Investor verkauft", der aus Datenschutzgründen nicht genannt werden könne. 


Noch nicht ganz perfekt ist der Verlauf des neuen Personenaufgangs, der nicht wie ursprünglich angedacht auch in westlicher Richtung zur Heimstättensiedlung und den ehemaligen Kelley-Barracks verlaufen wird. Da dieses Gelände der Stadt gehört, müsste sie dafür aufkommen, was aufgrund der prekären Haushaltssituation aber bislang nicht möglich war. Allerdings sei die Verlängerung des Stegs bereits mitgeplant, so dass dafür laut Honold in diesem Jahr die weiteren Planungen aufgenommen werden könnten und die notwendigen Mittel in den kommenden Haushaltsjahren eingeplant würden. Der Weg für viele Pendler würde sich dadurch verkürzen.

Pendler, die bisher auf dem Danziger Platz ihr Auto abstellten, um in die Bahn zu steigen, müssen sich indes einschränken: Auf der Fläche von acht Parkplätzen wird eine Call-a-bike-Station und eine neue Fahrradabstellanlage für 20 Fahrräder eingerichtet, wie Pressesprecher Honold mitteilte. Die bisherige Station habe wegen Überfüllung geschlossen werden müssen. Elf Parkplätze blieben erhalten. Laut Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) war „die Mietradstation am Südbahnhof eine der meistfrequentierten Stationen im Stadtgebiet“.

FDP-Vorsitzender Leif Blum hatte den Wegfall der Parkplätze zuvor als „Irrsinn“ kritisiert. Der Südbahnhof sei ein reiner Pendlerbahnhof. Eine Fahrradmietstation ergebe nur sehr begrenzt Sinn.

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