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Ein weißes Ghostbike erinnerte im Oktober 2018 an der Unfallstelle in Darmstadt-Eberstadt an den getöteten Fahrradfahrer. Das weiße Rad wurde jedoch auf Wunsch der Angehörigen des Mannes wieder entfernt. 

Darmstadt

Darmstadt: 9000 Euro Geldstrafe wegen fahrlässiger Tötung eines Radfahrers

Tragischer Unfall: Ein Senior fährt an einer Kreuzung Darmstadt-Eberstadt einen Fahrradfahrer an, der später seinen schweren Verletzungen erliegt. Die Initiative Radentscheid fordert nun entlang der Heidelberger Landstraße einen separaten Radstreifen.

Ein 88-jähriger Autofahrer aus Mühltal ist am Montag vom Amtsgericht Darmstadt wegen fahrlässiger Tötung eines Radfahrers zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 100 Euro verurteilt worden. Der pensionierte Postbeamte hatte am 4. Oktober 2018 im Darmstädter Stadtteil Eberstadt beim Abbiegen an der Kreuzung der Friedrich-Ebert-Straße in die Heidelberger Landstraße einen 78-jährigen Radfahrer angefahren. Mit einem Rettungswagen war der Fahrradfahrer, der am Unfallort noch ansprechbar war und am Kopf ein wenig geblutet hatte, in ein Krankenhaus gebracht worden. Zwölf Tage später erlag der Mann jedoch seinen schweren Verletzungen.

Vor Gericht bestätigte der Angeklagte die Darstellung der Staatsanwaltschaft, dass er mit seinem Wagen die Heidelberger Landstraße in Fahrtrichtung Eberstadt unterwegs gewesen sei. An der Kreuzung habe er sich auf einer Abbiegespur links eingeordnet und sei dann in die Friedrich-Ebert-Straße abgebogen, nachdem die Ampel Grün gezeigt habe. „Infolge von Unachtsamkeit“, so der Vorwurf von Oberstaatsanwalt Klaus Reinhardt, habe der Mann den Radfahrer übersehen, der aus Richtung Eberstadt den dortigen kombinierten Geh- und Radweg befuhr und der die Friedrich-Ebert-Straße ordnungsgemäß überqueren wollte, weil die dortige Fußgängerampel für ihn auch Grün zeigte.

Darmstadt: Angeklagter Senior kommt Führerscheinentzug zuvor

Der mit einer Brille und einem Hörgerät ausgestattete Senior, der bereits fünf Monate zuvor in der Darmstädter Innenstadt ein Straßenschild überfahren hatte und von der Unfallstelle geflüchtet war, beharrte vor Gericht auf seiner Aussage, dass ein beleuchteter grüner Pfeil ihm an der Ampel in Eberstadt freie Fahrt signalisiert habe. Er sei „so froh über die Ampelsteuerung gewesen“, weil er sich ein wenig vor dem Überqueren der dortigen Straßenbahnschienen gefürchtet habe.

Vertreter der Polizei, zwei Sachverständige und der Vertreter der Staatsanwaltschaft wiesen den Angeklagten allerdings darauf hin, dass sich an der Ampel kein beleuchteter grüner Pfeil befinde und dass die Lichtzeichenanlage nach dem Unfall auch nicht verändert worden sei.

Prozess in Darmstadt: Autofahrer entschuldigt sich bei Witwe

Die Frau des verstorbenen Radfahrers sagte vor Gericht aus, dass sie nur wenige Meter vor ihrem Mann mit ihrem Rad gefahren sei. Aber auch die Frau hatte der Autofahrer beim Abbiegen nicht wahrgenommen. Mit bewegten Worten sagte der Senior zu der Witwe, es sei „so furchtbar“ und es tue ihm so leid, was passiert sei. Der 88-Jährige hat inzwischen von sich aus darauf verzichtet, den eingezogenen Führerschein zurückzubekommen.

Initiative Radentscheid Darmstadt hält Kreuzung in Eberstadt für gefährlich

Stephan Voeth, der Sprecher der Initiative Radentscheid Darmstadt, bezeichnete die Kreuzung in Eberstadt als „gefährlich für Radfahrer“. Er fordert, den Rad- und Gehweg zu trennen und entlang der Heidelberger Landstraße einen separaten Radstreifen anzulegen.

Auf dem Darmstädter City-Ring plant die Stadt Darmstadt, die Verkehrsführung zugunsten von Radlern zu ändern. Autos sollen künftig nur noch auf zwei Spuren fahren. Wirtschafts- und Unternehmerverbände torpedieren jedoch die von der Stadt beschlossene Radstrategie.

Weiterer Prozess - Langsam, aber nicht mit Schritt-Tempo abgebogen: Bereits am 28. November 2017 hatte der Fahrer eines Sattelzugs in der Darmstädter Innenstadt beim Abbiegen von der Bismarckstraße in die Kasinostraße eine Radlerin übersehen und überrollt. Auch der Brummilenker wurde vom Amtsgericht Darmstadt wegen fahrlässiger Tötung verurteilt und verwarnt.

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