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Heute Fußgängerzone, vor 75 Jahren Trümmerfeld: Blick in die Ernst-Ludwig-Straße auf den „Weißen Turm“.

Zweiter Weltkrieg

Darmstadt gedenkt seiner Zerstörung

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Der Feuersturm vom 11. September 1944 jährt sich zum 75. Mal. Das Stadtarchiv zeigt anlässlich der Brandnacht eine neue Ausstellung.

Es gilt als das furchtbarste Ereignis in der Geschichte Darmstadts: In der Nacht vom 11. auf 12. September 1944 wurde das dichtbesiedelte Stadtzentrum von 234 britischen Bombern angegriffen. Zwischen 23.55 und 0.20 Uhr fielen 869 Tonnen Bomben und löschten alles aus, was die damalige Hauptstadt des Volksstaates Hessen als historische Stadt geprägt hatte. Im Bombenhagel und dem daraus entstandenen Feuersturm starben mehr als 11 000 Menschen, über 65 000 wurden obdachlos. Die Stadt lag in Trümmern.

„Kein Mensch, kein Tier, kein Blatt Papier überlebte diesen Feuersturm“, sagt der Leiter des Stadtarchivs Peter Engels der Frankfurter Rundschau. Deshalb werde der Brandnacht gedacht, obwohl es insgesamt knapp 40 Angriffe auf Darmstadt geben hat. Die Brandnacht sei auch nicht die letzte oder größte Bombardierung gewesen. Am 12. Dezember habe zum Beispiel ein systematischer Angriff auf die Industriegebiete stattgefunden. Dabei seien Bahnanlagen und Firmen wie Merck und Röhm zerstört worden. Insgesamt sei Darmstadt im Verhältnis zu Größe und Einwohnerzahl nach Pforzheim die am schlimmsten betroffene Stadt gewesen, so Engels.

Fotostrecke: Darmstadt im Bombenhagel

Ausstellungsgebäude Mathildenhöhe, Rückseite nach der Kriegszerstörung 1944.
Ausstellungsgebäude Mathildenhöhe, Rückseite nach der Kriegszerstörung 1944. © S tadtarchiv Darmstadt
Ruinen vor zerstörtem Schloss auf der Ostseite des Marktplatzes.
Ruinen vor zerstörtem Schloss auf der Ostseite des Marktplatzes. © Ernst Luckow/Stadtarchiv Darmstadt
Blick aus der Kirchstraße auf das Ludwig-Georgs-Gymnasium, die Abzweigung links führt in die Kapellstraße, die Abzweigung rechts in die Karlstraße.
Blick aus der Kirchstraße auf das Ludwig-Georgs-Gymnasium, die Abzweigung links führt in die Kapellstraße, die Abzweigung rechts in die Karlstraße. © Stadtarchiv Darmstadt
Blick vom Schloss Richtung Westen in die Obere Rheinstraße,
Blick vom Schloss Richtung Westen in die Obere Rheinstraße, © Stadtarchiv Darmstadt
Blick vom Schloss auf Marktbrunnen, Rathaus und Stadtkirche mit Straßenbahn, ca 1947.
Blick vom Schloss auf Marktbrunnen, Rathaus und Stadtkirche mit Straßenbahn, ca 1947. © Stadtarchiv Darmstadt
Die Ruine des Landestheaters von der Schlossbrücke aus, ca. 1946.
Die Ruine des Landestheaters von der Schlossbrücke aus, ca. 1946. © Stadtarchiv Darmstadt
US-Offiziere in der Ludwigstraße, 26.03.1945, Foto: US-Signal-Corps.
US-Offiziere in der Ludwigstraße, 26.03.1945. © US-Signal-Corps/Stadtarchiv Darmstadt
Verkaufsbude von "Fische Fertig" auf dem Marktplatz vor dem Schloss.
Verkaufsbude von "Fische Fertig" auf dem Marktplatz vor dem Schloss. © Stadtarchiv Darmstadt
Ruine des Kollegienhauses.
Ruine des Kollegienhauses. © Stadtarchiv Darmstadt
Legende zum Zerstörungsplan der Stadt Darmstadt, 1953.
Legende zum Zerstörungsplan der Stadt Darmstadt, 1953. © Stadtarchiv Darmstadt

Den 75. Jahrestag der Brandnacht nimmt das Stadtarchiv zum Anlass, die Geschichte der Stadt im Zweiten Weltkrieg in einer Ausstellung zu präsentieren – laut Engels ist es seit 25 Jahren die erste zum Thema. Gezeigt werden 200 Aufnahmen, zum Teil bisher unbekannte Bilder und Dokumente, die aus Familiennachlässen und Archiven stammen. Zu sehen sein werde beispielsweise eine Luftschutzapotheke, die zur Versorgung von Brandwunden benötigt wurde. Der Fokus soll dabei nicht nur auf der Brandnacht liegen, Auch die weiteren Bombenangriffe, denen Hunderte Menschen zum Opfer fielen, sollen dargestellt werden. Darüber hinaus schlägt das Stadtarchiv den Bogen bis zum Kriegsende und der amerikanischen Besetzung im März 1945, die sich im kommenden Frühjahr ebenfalls zum 75. Mal jährt.

Die Ausstellung, die im Haus der Geschichte startet, ist als Wanderausstellung konzipiert und wird im Anschluss im Stadtteil Wixhausen und im Kongresszentrum Darmstadtium gezeigt, 2020 in weiteren Stadtteilen. In Zusammenarbeit mit mehreren Schulen aus Darmstadt und der Umgebung wurden Schüler als Ausstellungsguides ausgebildet und werden Besucher mit Hintergrundinformationen versorgen.

Auch andernorts wird dieser Tage der Brandnacht gedacht. So veranstalten die Kulturfreunde Centralstation zwei Thementage für Schüler und einen öffentlichen Filmabend unter dem Motto „Der 11. September 1944 – Zerstörung und Wiederaufbau“. Erwartet werden dabei die Darmstädter Zeitzeugen Fritz Deppert und Peter Schmidt.

Der Gedenktag beginnt mit einer Kranzniederlegung auf dem Waldfriedhof durch Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne). „Es ist wichtig, die Erinnerungen an die dramatischen Ereignisse immer wieder wach zu halten, um uns bewusst zu machen, dass Frieden in Europa keine Selbstverständlichkeit ist“, sagte OB Partsch im Vorfeld der Veranstaltung.

Erinnern und Gedenken in Darmstadt

Der Gedenktag beginnt am Mittwoch, 11. September, um 11 Uhr mit einer Kranzniederlegung durch den Oberbürgermeister auf dem Waldfriedhof. Um 18.30 Uhr schließt sich ein ökumenischer Friedensgottesdienst in der katholischen Kirche St. Ludwig und die Kranzniederlegung am Mahnmal auf dem Kapellplatz (circa 19.45 Uhr) an. Um 23.55 Uhr läuten die Glocken der Kirchen in der Innenstadt. 

Die Ausstellung „75 Jahre Brandnacht – Die Zerstörung Darmstadts im Zweiten Weltkrieg“ wird am Dienstag, 10. September, um 18 Uhr im Haus der Geschichte, Karolinenplatz 3, eröffnet. Zu sehen ist sie dort bis 25. Oktober montags 9 bis 19.30 Uhr, dienstags bis donnerstags 9 bis 17.30 Uhr, freitags 9 bis 15 Uhr, sowie Sonntag, 15. September, 12 bis 18 Uhr und am Wochenende, 28./29., 11 bis 17 Uhr. Anmeldungen für Führungen per E-Mail an harald.hoeflein(at)hla.hessen.de 

Vortrag von Peter Engels 75 Jahre Brandnacht am 8. Oktober, 18 Uhr im Haus der Geschichte. Infos und Programm: dablog.hypotheses.org/8641 

Ein öffentlicher Filmabend findet am Mittwoch, 11. September, 20 Uhr in der Centralstation, Schlossgraben 1,statt. Zu sehen sind die lange Version von „Brandmale“ sowie „Running with Mum – Der Weg meiner Mutter“. Eintritt frei. 

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