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Der „Grüne Pfeil“ erlaubt Radfahrern in Darmstadt das Rechtsabbiegen an roten Ampeln.

Grünpfeil

Freie Fahrt für Radler an roten Ampeln in Darmstadt

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Darmstadt beteiligt sich als einzige hessische Kommune an einem bundesweiten Pilotprojekt: An drei Kreuzungen werden testweise Schilder mit grünen Pfeilen montiert.

David Grünewald, einer der Sprecher der Initiative „Radentscheid Darmstadt“, rollt auf seinem Fahrrad aus Richtung des Riegerplatzes auf dem Radweg entlang der Heinheimer Straße heran. Kurz vor der Einmündung der Straße in den Rhönring bremst der Radaktivist kurz und stoppt an der Haltelinie. Und obwohl die Ampel Rotlicht anzeigt, fährt Grünewald weiter vor, schaut nach links ob ein anderer Fahrradfahrer kommt, signalisiert mit Handzeichen, dass er nach rechts abbiegen möchte und biegt schließlich in den Rhönring ab. Seit Mittwochmittag ist dieses Verhalten an dieser Stelle zulässig.

Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) hatte kurz vor der kleinen Radfahrdemonstration Grünewalds an der Einmündung der Heinheimer Straße in den Rhönring ein neues Verkehrsschild enthüllt. Mit dem „Grünen Pfeil für Radfahrer“ sollen Radler in Darmstadt künftig an drei ausgewählten Kreuzungen zügiger als bisher vorankommen.

Partsch sagte bei der Präsentation des neuen Verkehrsschilds, mit der Möglichkeit, auch bei roter Ampel nach rechts abzubiegen, werde der Radverkehr „attraktiver und flüssiger“ gemacht. Er wolle Darmstadt zwar nicht als Radfahrer-Hochburg bezeichnen, aber es sei aus seiner Sicht schon wichtig, dass die Stadt „eine Vorreiterrolle in der Radverkehrsplanung“ übernehme, sagte der Oberbürgermeister, der selbst ein passionierter Radfahrer ist und bei Terminen in der Stadt häufig sein auffällig grün lackiertes E-Bike benutzt.

Im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums untersucht die Bundesanstalt für Straßenwesen mit Sitz in Bergisch Gladbach derzeit, ob nach vorherigem Anhalten das Rechtsabbiegen für Radfahrer trotz roter Ampel an geeigneten Stellen durch einen grünen Pfeil bundesweit erlaubt werden könnte. Durch den Zusatz „nur Radverkehr“ auf den Schildern ist das Abbiegen dann auch nur Radfahrern gestattet. Das Forschungsprojekt läuft maximal ein Jahr an insgesamt 50 Kreuzungen in neun Städten. Darmstadt ist die einzige hessische Kommune, die an dem Projekt teilnimmt.

In Darmstadt werden die neuen Schilder in den nächsten Tagen auch an den Kreuzungen Holzhofallee/Groß-Gerauer Weg und Grafenstraße/Bleichstraße installiert. Ausschlaggebend für die Auswahl der Kreuzungen war auch die Möglichkeit, das Fahrverhalten mittels Videoaufzeichnungen auszuwerten. Vorgesehen ist, voraussichtlich im Mai einige Tage Kameras auf den Ampelmasten zu montieren.

Nach der Auswertung der Studie könnte schon im nächsten Jahr das neue Verkehrszeichen „Grüner Pfeil für Radfahrer“ eingeführt werden. Für David Grünewald könnte „das kleine Schild eine große Wirkung erzielen“.

Grüner Pfeil

In der DDR wurde der Grüne Pfeil bereits 1978 eingeführt. Die Regelung ist seit 1994 Bestandteil der bundesdeutschen Straßenverkehrs-Ordnung. Die bislang nur für den rechten Fahrstreifen einer Straße geltende Regelung soll künftig auf Radfahrstreifen und Radwegen ausgedehnt werden.

Für den Pilotversuch der Bundesanstalt für Straßenwesen wurden mehrere Knotenpunkte in Bamberg, Darmstadt, Düsseldorf, Köln, Leipzig, München, Münster, Reutlingen und Stuttgart ausgewählt.

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